Kaiserslautern
Musikfreunde der Stiftskirche feiern mit Chor-Serenade eine Open-Air-Premiere
Manch sorgenvoller Gedanke trieb die Organisatoren vor dem Konzert am Freitagabend um. Insbesondere die Akustik bei einer Open-Air-Veranstaltung, durch die die sonst konzentriert im geschlossenen Kirchenraum wirkenden Kräfte der Singstimmen einfach verpuffen könnten, machte Sorgen – zumal die Mitglieder der Chöre ja auch noch während des Auftritts den geforderten Abstand zueinander halten mussten.
Die Sorgen waren weitgehend unbegründet: Der Straßenlärm der nahen Fußgängerzone hielt sich im Rahmen, und anfängliche Lautstärke-Unstimmigkeiten zwischen dem begleitenden E-Piano und den alsbald auch zu außerordentlichem Volumen findenden Ausführenden waren innerhalb weniger Minuten behoben.
Angenehme Stimmung im einstigen Klosterhof
So entwickelte sich, nachdem Moderator Pfarrer Stefan Bergmann das rot-weiße Flatterband durchschnitten hatte, das bis dahin den Publikums- vom Bühnenraum getrennt hatte, schon bald eine nun tatsächlich zusammengehörende, kohärente, angenehme Gesamtstimmung auf dem Areal des einstigen Klosterhofs.
Daran hatten freilich die Auswahl und die Qualität des Programms ihren Anteil. Der von der Jugendkantorei der Stiftskirche gestaltete erste Teil zeigte sich als abwechslungsreiche Melange von stimmungsvoll-unterhaltsamen Kompositionen eher neueren Datums. In sich abgerundet wurden die Darbietungen durch das akkurat leitende Spiel der Pianistin Eva Klamroth und das ebenso souveräne Dirigat von Bezirkskantorin Beate Stinski-Bergmann.
„Lollipop“ erklingt inklusive „Plopp“
Es begann mit dem soulig-poppigen Hit „It´s raining men“, ging über diverse a-cappella-Titel wie etwa den Gospel „Free at last“ und endete noch lange nicht mit ins Herz gehenden Welterfolgen wie „You raise me up“. Höhepunkte des zwölfteiligen ersten Konzert-Parts markierten unter anderem Leonard Cohens nicht ganz einfach zu intonierendes „Hallelujah“ und der schwungvolle Oldie „Lollipop“ – letzterer inklusive des charakteristischen „Plopp“, das Mitwirkende punktgenau hervorbrachten.
Neben solchen und weiteren kleinen choreographischen Versatzstücken, die die Titel zusätzlich aufwerteten, hatte man schon in deren Auswahl auch auf angenehm überraschende geographische und stilistische Abwechslung geachtet. Da gab es denn etwa einen Titel des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Gunnar Eriksson, und in der latinesken Komposition „Any time you need a Calypso“ bewiesen die Jungen und Mädchen der Jugendkantorei neben hoher sanglicher Qualität auch ein Gespür für Stimmungen und ungewöhnliche Rhythmen.
Formation meistert hohe Anforderungen
Auch der zweite Teil des Konzerts mit dem Kammerchor der Stiftskirche gestaltete sich gelungen in Programmauswahl und Ausführung. In das besondere Licht der beginnenden Abenddämmerung hinein intonierte das Ensemble nach Beethovens „Ode an die Freude“ Kompositionen zwischen Renaissance und Moderne mit einem geistlichen Schwerpunkt.
Hierzu gehörten etwa Thoinot Arbeaus (1520 bis 1595) „Belle, qui tiens ma vie“ und das schwungvoll-rhythmische „Jubilate deo“ des zeitgenössischen Komponisten Johannes M. Michel. Als Höhepunkte seien gleich zwei Stücke von John Rutter genannt: Sein diffiziles „The music’s always there with you“ und zum Ende hin das einfühlsam zu interpretierende „A Gaelic blessing“ stellten hohe Anforderungen an die Formation, die diese indes mühelos meisterte.
Unter erschwerten Bedingungen und ohne viel technisches Equipment ein Konzert dieser Art zu realisieren, dazu gehört schon was. Dass es dann auch noch so gut gelang – Respekt.