Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Musikalische Vesper in Erfenbach

Torsten Laux an der Orgel.
Torsten Laux an der Orgel.

Wie eine musikalische Vesper den Ausklang des Kirchenjahres beging und gleichzeitig am Vorabend des ersten Advent den 250. Geburtstag von Beethoven würdigte, zeigte die liturgische und programmatische Konzeption in der protestantischen Kirche Erfenbach.

Die Pandemie hat zu Wirtschaftskrisen und abgesagten kulturellen Veranstaltungen geführt. Da ging die eigentlich monumentale künstlerische konzertierte Aktion mit geplantem Medienrummel um Beethoven etwas unter. Beethovens Stern sollte eigentlich als Wegweiser aus der Klassik weit in Romantik und Neuzeit alles überstrahlen. Es sollte anders kommen. Irgendwie passt aber die Pandemie, die ihn etwas aus dem Bewusstsein drängt, zum Genius des Wiener Klassikers: Leben, Krankheit, Schaffenskrisen und sein in der Forschung umstrittener Tod zeigen die Tragik menschlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Weg aus der Dunkelheit

Die zuversichtliche Predigt von Pfarrer Christoph Krauth zeigte wohltuend den Weg aus Dunkelheit, Finsternis und Tristesse ins neue Licht auf. Der Organist und Pianist Torsten Laux, der die Kirchenmusik bei dieser musikalischen Andacht entscheidend prägte, zeigte auch den Jubilar Beethoven von einer neuen Seite.

Beethoven hatte nach seiner Bonner Zeit keine originalen Orgelwerke komponiert, allerdings werden die fünf überlieferten Flötenuhrstücke als Klangbeispiele für das Instrument oft entdeckt. Der Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik Bayreuth, Torsten Laux, beschritt einen neuen steilen Weg: Beethoven ist am bekanntesten als Sinfoniker, die als Bindeglied zwischen Klassik und Romantik innovativ waren: Die sechste mit pastoraler Naturstimmung, die neunte etwa durch das Hinzuziehen eines Chors mit der kosmopolitischen Botschaft: Alle Menschen werden Brüder. Nicht minder spektakulär war in der Rezeption die fünfte Sinfonie, die jetzt Laux als Orgelfassung bearbeitete und die im Kopfsatz mit einer großen dramatischen Intensität der thematischen Gegensätze und der filigranen und akribischen thematischen Detailarbeit aufwartete. Die zwar etwas verstimmte und unter den kühlen Temperaturen und dem belüfteten Kirchenschiff Not leidende Oberlinger-Orgel konnte durch die Registrierung auch die orchestrale Klangpracht andeuten.

Überzeugend gelang dem Initiator des Internationalen Düsseldorfer Orgelfestivals auch eine weitere eigene Bearbeitung eines Kleinods „für ein Orgelwerk in einer Uhr“ von Mozart: Gestochen klar artikulierte er nach dem in pastosen lyrischen Linien zelebrierten Adagio dann das lebhaft pulsierende Allegro.

Eigene Kompositionen

Ebenso zeichnete sich der Organist nach Bearbeitung und Interpretation auch durch seine eigene Komposition aus: Eine Choralfantasie zum adventlichen Choral „Nun komm der Heiden Heiland“ bearbeitete er für Orgel und Trompete. Er fand dafür einen interessanten rhapsodischen und fantasieartigen Tonfall mit leicht jazzigen und kapriziös verspielten Einflüssen.

Der Trompeter Volker Günther war allerdings nicht zu beneiden: Nach langer Wartezeit bis zum ersten Ton (für Bläser und ihr Instrument problematisch bei diesen Temperaturen) konnte er dennoch auf Anhieb mit spielerischem Glanz und sicherer Tongebung überzeugen. Ebenso wartete die Gesangssolistin Daniela Laux bei ihren Kostproben mit einer klaren, kraftvollen und rein schwingenden Stimme auf. So etwa bei einer Psalmvertonung.

Bei Bach scheiden sich oft – interpretatorisch – die Geister: Die Aufführung des Präludiums Es-Dur wirkte in den typischen Punktierungen etwas breit und gedehnt. Bei dem Gattungspaar aus Präludium und Fuge c-moll aus dem Wohltemperierten Klavier überzeugte die Adaption für Orgel durch Laux. Nicht ganz die zu schnelle Spielart, die bei der Akustik und der mechanischen Traktur durch die rasante Spielweise die satztechnischen Finessen nicht immer klar vermittelte. Fazit: Weniger Bach und mehr Beethoven hätte dem Anlass mehr Impulse gegeben.

x