Kaiserslautern
Musik Müller in Kaiserslautern schließt zum Jahresende
Müller dreht das Rad der Zeit zurück bis zu seiner Kommunion in seinem Heimat- und Wohnort Waldfischbach-Burgalben. Damals bekam er ein Klavier geschenkt, das seinen Lebensweg prägte. Nach klassischem Klavier- und später Orgelunterricht ließ er sich zwar zu einem „ordentlichen“ Beruf bewegen und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Den Beruf übte er aber nur kurz aus. Als Bernd Klimmer, Zwillingsbruder des Bandleaders des Volker–Klimmer–Sextetts, 1976 für sein Musikgeschäft am Schillerplatz einen Geschäftsführer suchte, schlug Müllers Stunde. Er erwarb sich dort Kenntnisse, Kontakte und Fähigkeiten in aufführungspraktischen Fragen von Blasorchestern, Bands und Chören.
Bis zur Schließung des damals aufblühenden Musikalienhandels blieb Müller dem Musikhaus Klimmer verbunden und eröffnete nach der Schließung 1990 einen eigenen Laden in der Passage am Stiftsplatz. Seit 2006 führte er in größeren Räumen sein Geschäft in der Eisenbahnstraße weiter. Er berichtet, dass mit der Fußball-Weltmeisterschaft im gleichen Jahr viele Interessenten und Passanten neugierig in sein Geschäft „schnupperten“ und später treue Kunden wurden.
Von der Blütezeit bis zum schleichenden Niedergang
Müller erlebte die Blütezeit und den schleichenden Niedergang einer Branche, die zu seiner Geschäftsgründung mit den Musikhäusern Schaller, Klimmer, Knoll, Melchior sowie Hilbig und später „Music Store“ eine Vielzahl von Musikläden in der Stadt zu verzeichnen hatte. „Das alles gab der expandierende Musikmarkt her“, sagt er und skizziert den danach einsetzenden „Flächenbrand“, der auch Nachbarstädte erfasste.
Die Anzeichen dafür kündigten sich aus seiner Sicht schon 1990 mit einer Tendenz zum Versandhandel an. Müller zeigt aber noch eine andere Entwicklung auf: von der traditionellen Bigband der Nachkriegs-Jazz-Ära über reduzierte Combos zum Alleinunterhalter und dann zum nur noch bedienenden DJ. Eine minimalistische Reduzierung mit fatalen Folgen für die Branche, wobei auch die Nachfrage durch Musikvereine mit sinkender Anzahl der Aktiven rückläufig war und es jetzt durch die Monopolisierung von IC–Baustein–Produktion im Bandsektor zu erheblichen Lieferschwierigkeiten kommt.
Monopolisten und Corona bewirken ein Übriges
Ein entscheidender Grund für die Schließung ist auch die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern – es gibt nur zwei branchenbestimmende – mit deren Monopolstellung. Die daraus entstehenden Verzögerungen bewirken ausbleibende E-Pianos und Synthesizer, was wiederum die Bandszene betrifft. „Keine Ware, kein Geschäft“, lautet die simple Formel des Inhabers.
Natürlich wirkten sich auch Proben– und Auftrittsverbote durch Corona-Verordnungen lähmend auf den Geschäftsbereich aus, der neben Müller zwei Fachkräften im Verkauf und einem Klavierstimmer lange Zeit eine gesicherte Existenz bot.
Impulse gesetzt für die hiesige Kulturlandschaft
Von Müller gingen als Lieferant von Musikschulen, allgemeinbildenden Schulen sowie als Ausstatter von regionalen Bands und Lieferant auch für Kirchen viele Impulse für die hiesige Kulturlandschaft aus. Um so mehr ist zu bedauern, dass sich kein Interessent für die Weiterführung dieses Kapitels der Kaiserslauterer Kulturgeschichte fand.
Was macht der stets hilfsbereite, engagierte und im Laden breit aufgestellte Allrounder nach diesem erfüllten Berufsleben? Müller hat bei einigen Konzerten als Chorleiter, Pianist und Arrangeur bewiesen, dass er sich auch in der aktiven Musikszene gut einbringen kann. In seinem Haus in Waldfischbach-Burgalben hat er sich eine Tischlerei eingerichtet. Er liebt solche Arbeiten ebenso wie das Backen von Konditoreiwaren. Vielleicht kommt er auch auf den Hund, da schon die Eltern in seiner Kindheit Bernhardiner hielten.