Kulturzentrum Kammgarn
Mr. Hurley & Die Pulveraffen: Nicht alltäglich
In dieser Hinsicht haben am Samstag die Auftritte von Mr. Hurley & Die Pulveraffen im rappelvollen Kasino der Kaiserslauterer Kammgarn glatt neue Maßstäbe gesetzt – mit so viel Unerwartetem und nicht Alltäglichem war dieser extra-lange Abend angefüllt.
Eigentlich weiß man ja seit der Gründung der aus vier Geschwistern bestehenden Band (allein das ist ja schon ungewöhnlich), was man musikalisch zu erwarten hat: maritimen Folkrock nämlich, irgendwo zwischen Karnevals-Hit und klassischem Shanty verortet, das Ganze dann auch in Sachen Bühnen-Show und vor allem Lied-Inhalten meistens durchdrungen von Piraten-Romantik und hand- und trinkfesten Geschichten rund um die klassische Seefahrt. Historisch mag man da nicht immer ganz korrekt sein, aber ungemein erfolgreich ist es allemal – hohe Einstiege der Band-Alben in den Charts und frenetisch gefeierte Live-Konzerte beweisen es.
Kostümierte Fans
Bestes Beispiel für Letzteres war eben auch der Lauterer Auftritt, der zunächst von der musikalisch ähnlich gelagerten vielköpfigen Vorband Vroudenspil und ihrem „Freibeuter Folk“ vorbereitet wurde. Dass das gar nicht nötig gewesen wäre, zeigte danach und fortan das mitreißende Haupt-Konzert, das die nach ihrem Vorbild auf der Bühne oft in fantasievolle pirateske Kostüme gewandeten Fans mehr als einmal an diesem Abend zu regelrechten Beifallsstürmen hinriss.
Ja, durchaus, man weiß, was einem bei einem Mr. Hurley & Die Pulveraffen-Live-Konzert erwartet – und dennoch gibt es hin und wieder positiv Überraschendes. Das Übliche, Erwartbare dabei: Ohrwurm-Songs wie das gleich im Anfangs-Part gespielte und aus vielen hundert Kehlen lautstark und mitgesungene „Leuchtturm“ beispielsweise, später unter anderem das eingängige „Tortuga“ und das nachdenklich stimmende „Unser Untergang“. Da ging mächtig die Post ab, da stieg die Stimmung stetig an.
Begeisterter Applaus
Unterbrochen wurde das allenfalls durch jene ernsteren Themen oder auch einmal, als Akkordeonist Buckteeth Bannock am Klavier geradezu chansonartig mit extra-rauer Stimme agierte. Das war dann zwar wie so Manches an diesem Abend unerwartet, wurde aber dennoch (oder gerade deswegen) ebenfalls mit viel Applaus gewürdigt. Man sah und hörte und war angenehm überrascht: Das Quartett kann auch ganz anders ...
Was hatten der agile Frontmann Mr. Hurley, Tasten-Tycoon Buckteeth Bannock, der später auch als Ansager wirkende Schlagzeuger Der einäugige Morgan und die auch als Solo-Sängerin überzeugende Bassistin Pegleg Peggy (noch so eine angenehme Überraschung) nicht alles in ihre Show eingebaut: Einen selbst komponierten, an diesem Abend mehrfach wiederholten Werbe-Jingle für Pfefferminzlikör im feschen Karibik-Sound etwa, dann die ebenfalls als Running Gag singenderweise und launig eingebaute Erkenntnis des Leadsängers, dass er einfach „nicht seine Schnauze halten“ kann (weswegen er ja auch ein lädiertes Gebiss hat).
Und selbst das war noch längst nicht alles. Mr. Hurley & Die Pulveraffen hatten nicht nur eine Vorband, sondern auch eine Art „Nach-Band“: Der zuvor schon kurz aufgetretene Sänger/Gitarrist MacPiet bildete mit Instrument und Stimme ganz allein die Nachhut des Konzerts und beschloss mit gut interpretierten Titeln wie „Breakfast At Tiffany’s“ den Konzertabend.