Kaiserslautern
Moussa Rahimi hat als Tierarzt seinen Traum gelebt
1984 verlässt der junge Iraner Moussa Rahimi seine Heimat mit dem Ziel, in den USA Tiermedizin zu studieren. Das ist lange her. Tierarzt ist er geworden, nur eben nicht in Amerika. In Heidelberg gelandet, lernt er Deutsch und gleicht auf dem Studienkolleg den Schulabschluss an das deutsche System an. Das Mädel Uschi aus Schwetzingen tritt in sein Leben. Rahimi studiert in Berlin Tiermedizin, sie bleibt an seiner Seite, auch als es von dort nach Hannover in die Pferdeklinik geht. „Ich habe dort hospitiert, wollte für mich rausfinden, wo meine Stärken liegen“, erzählt er, warum es anschließend nach Coburg in eine Klinik ging. Großvieh war nun dran. „Es war alles lehrreich“, blickt er gerne zurück, sagt aber: „Kleintiere waren meine Welt.“ Und die sind es geblieben.
Seit dem Jahr 2002 Praxis im Lothringer Schlag
„Wir wollten schon in die Nähe meiner Familie“, stellt Uschi Rahimi die damalige Überlegung vor, eine Praxis in der Nähe von Heidelberg zu suchen. Die nächsten Stationen heißen dann allerdings Pirmasens und Kaiserslautern. 1999 kommt die deutsche Einbürgerung. Rahimi kauft eine Tierarztpraxis in der Innenstadt, zieht mit der Praxis 2002 um an den Lothringer Schlag. Immer mit dabei seine Frau, die am Empfang sitzt, die Bücher führt. Das Team wächst, irgendwann gibt es mehrere OP-Räume in der Praxis, Krankengymnastik und Osteopathie für den Hund und ein Katzenhotel kommen dazu.
Der Iraner, längst auch ein Deutscher, ist angekommen, lebt seinen Traum, auch wenn es bedeutet, nachts zu Notfällen zu müssen und an den Wochenenden kaum mal privat sein zu können. Wie viele Hunde oder Katzen und weitere Kleintiere er auf dem OP-Tisch hatte, wie viele er untersucht, eine Allergie behandelt oder einfach nur geimpft hat, er weiß es nicht. „Viele Hunde und Katzen gehören zur Familie, sind Partner“, waren ihm immer auch die Begegnungen mit den Menschen, die Gespräche wichtig.
„Jeder Hund will schnell hier raus“
An eine Geschichte erinnert er sich besonders gerne. Ein großer, etwa 70 Kilo schwerer Hund, wollte seine Praxis einfach nicht verlassen. „Jeder Hund will schnell hier raus“, lautet seine Erfahrung. Nicht dieser Hund, er stemmte sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen, die Praxis zu verlassen. Rahimi konnte ihm helfen und hatte einen neuen Freund gefunden. „Der Hund hat noch ein paar Jahre gelebt und hat beim Praxisbesuch immer so lange gebellt, bis ich mich gezeigt habe und er mich begrüßen konnte“, sagt Rahimi lachend. Er wird solche Begegnungen mit den Tieren, die Gespräche mit den Menschen vermissen.
Seit dem 1. Oktober ist der 60-Jährige im Ruhestand. Rahimi hat sein Lebenswerk verkauft, auch weil die beiden Söhne einen anderen Weg eingeschlagen haben, was er verstehen kann. Jeder sollte seinen eigenen Traum leben.
Vier Tierärztinnen machen weiter
Was ihm wichtig war: Die Praxis geht weiter. Vier Tierärztinnen aus verschiedenen Ländern sind nun mit dem vertrauten Helferteam für die Tiere und auch für die Menschen dahinter da.
Und was hat Tierarzt Moussa Rahimi nun vor? „Einfach mal keinen Plan haben“, blickt er entspannt in die Zukunft. Von Langeweile ist bei ihm und seiner Frau Uschi, die ja nun auch daheim ist, nichts zu spüren. Der Garten hinterm Haus in Trippstadt wird die beiden nun öfter bei der Gartenarbeit sehen und die eine oder andere Sandsteinskulptur wird wohl dazu kommen. Sandsteine zu bearbeiten, dafür begeistert er sich schon länger. Bei seiner Frau kommt die Gitarre vermutlich öfter zum Einsatz. Dann ist da ja noch der Deutsch-Iranische Verein, für den er sich schon lange engagiert. „Kultur ist ganz wichtig“, sagt das Mitglied bei den Freunden des Pfalztheaters und gibt zu, dass er in den harten Zeiten von Corona besonders die Kultur vermisst hat. Vor allem aber will der Tierarzt nun endlich bei der Fridays for Future-Bewegung mitdemonstrieren. „Wir haben nur die eine Erde“, hat er dann doch wieder einen Plan und der heißt, sich noch mehr für den Erhalt der Natur und für mehr Umweltbewusstsein einzusetzen.