Kaiserslautern
Mon Mari Et Moi feiern Heimspiel im Kammgarn-Kulturgarten
Schwarze Wolken hingen am Himmel über Kaiserslautern. Zum Glück ließen sie jedoch keinen Regentropfen fallen. Offensichtlich war Petrus ebenso fasziniert von dem Kleinkunst-Paar auf der Bühne wie die Zuhörer. Aber kalt war es im Kulturgarten, dass sogar die farbigen Blumentöpfe zitterten, die Kammgarn-Chef Richard Müller liebevoll auf den Tischen verteilt hatte. Dass das Publikum trotz dieser Unbill vom ersten bis zum letzten Ton der zweiten Zugabe dabeiblieb, spricht für die Qualität ihrer Lieder.
Zwei, die sich gefunden haben – Shakti und Mathias Paqué. Es gebe, verrät Shakti, viele Gründe Musiker zu werden. „Wir sind es geworden, weil wir gerne Menschen um uns haben. Und wir schreiben die Lieder auch nicht für uns, sondern weil wir über die Lieder mit Menschen ins Gespräch kommen möchten, um uns auszutauschen.“ Im Publikum säßen auch immer wieder gute Bekannte. Andere, die nicht zum Konzert kommen könnten, würden sich immer entschuldigen. Und mit dieser Erzählung leitet die eloquente Sängerin über zum ersten Lied: „Da kannst’ nichts machen“, während Matze sie auf der Gitarre mit virtuoser rhythmischer Akkordspielweise begleitet.
Was machen wir nur?
Mit ihrer dunklen Bitterschokoladenstimme nimmt die gebürtige Hamburgerin, die seit über 20 Jahren in der Barbarossastadt lebt, das Publikum auf Anhieb für sich ein. Es ist aber nicht nur die angenehme Stimme der Sängerin, die meistens im Sprechgesang vorträgt, und auch nicht nur das musikalische Können ihres Begleiters. Es sind die humorvollen, oft feinsinnig ironischen Texte, die jeder im Publikum nachvollziehen kann. Mitten aus dem Leben sind sie, wie auch Lieder wie „Heute nicht und morgen nicht“ oder das virtuose „Auf meiner Siebenzonenfederkernmatratze“. Gemischt mit diabolischen Wortspielen und neuen Wortschöpfungen, mit virtuosen Wortzusammensetzungen und witzigen Formulierungen, treffen sie genau den Nerv ihrer wie gebannt zuhörenden Gäste.
„Wie nennen wir das eigentlich, was wir machen?“, würden sie oft gefragt, sagt Shakti. „Für Musikkabarett sind wir nicht albern genug, fürs Liedermacher-Genre wird auf Konzerten zu viel gelacht. Vielleicht allerneuste Welle ohne Elektronik?“ Matze ergänzt: „Wir passen in keine Schublade, und wir wollen auch gar nicht in Schubladen gesteckt werden. Ist ja eigentlich egal.“ Worauf Shakti konstatiert: „Und deswegen singen wir das einfach, was wir machen. Wir sind eigenwillig, manchmal ein bisschen Dada, singen Geschichten von rosaroten Brillen, sind Gute-Laune-Verbreiter, manchmal auch psychedelisch. Wir schreiben tiefrote Zahlen, dafür ein Lied nach dem andern.“
Rosinen vom Frühstückstisch
Wie sie die Lieder schreiben, verraten sie in „Über Nacht“: „Wahrscheinlich sind sie über Nacht zum Fenster reingeflogen. Hätt’ ich’s doch besser zugemacht.“ Beim Texteschreiben spiele aber auch der Zufall eine Rolle. Da habe doch in der Coronazeit eine Bekannte geklagt, es fehlten ihr die Highlights so sehr. Zufällig hätte das Musiker-Paar wenig später in der Zeitung die „Highlights der Woche“ entdeckt, und schon stand die Idee für das Lied fest. Mit „Effekthaschereien“ wie Percussioninstrumenten, Pianica oder Autoharp begleitet Shakti dabei Matzes Gitarrenspiel. Wochenlang stand das Lied „Highlights der Woche“ sogar in der Liedermacher-Bestenliste.
So verblüffen die beiden Unterhaltungskünstler immer wieder mit Überraschungsmomenten, herrlichen Texten und eingängigen Melodien. Oft säßen sie gemeinsam am Küchentisch, um über Texte nachzudenken. Meistens komme aber ganz was Anderes dabei heraus, als sie es sich ursprünglich vorgestellt haben. „Wir fangen einfach an“, so Shakti, „und später picken wir uns dann die Rosinen heraus. Wir wundern uns oft selbst, was dabei herauskommt.“ Wie bei dem Lied „Auf der Autobahn“, ein Lied nach einer wahren Begebenheit. „Wir haben“, versichert die Sängerin, „da einfach notiert, was wir gesehen haben.“
Brillante Geschichten
Gute-Laune-Lieder ja. Aber nicht Friede-Freude-Eierkuchen. Zuweilen sind ihre Lieder auch gesellschaftskritisch. Wie in dem Song „Die da oben“, bei dem man sich wundert, dass Shakti sich beim Schnellsprechen nicht die Zunge verknotet und ihr Partner neben dem Gitarrenspiel auch mit virtuosem Scat-Gesang begleitet.
Nicht selten brillieren die beiden auch mit humorvoller Selbstironie. Lieder wie „Schon wieder“ über das Verpassen von guten Neujahrsvorsätzen, „Adorno und Karl Marx“, „Thema Wohnen“, „Ecke Logen-, Eisenbahnstraße“ oder das „Western-Lied“ über Ennio Morricone sind herrliche Beispiele dafür. „Danke, dass ihr gekommen seid“, sagt Shakti Paqué am Ende. „Ihr hättet’s zuhause vielleicht auch schön gehabt.“ Dem Publikum gefiel es offensichtlich bei diesem Konzert besser. Trotz der Kälte, die an den Beinen hochzog. Mit Ovationen im Stehen bedankte es sich bei den beiden sympathischen Künstlern und bekam auch noch zwei Zugaben dafür.
Im Vorprogramm las Christian Gottschalk, den die Paqués bei einem Literatur-Festival in Belgien getroffen hatten, brillante Geschichten über seinen verhassten Werklehrer oder über einen Intensivkurs für die „Dequalifizierung arbeitsloser prominenter Geister“. Auch er bestach mit feiner Ironie.