Kaiserslautern
Mittwochs-Jazz mit Engelhardt & Co.
Der regionale Jazz in all seinen Facetten hat in Kaiserslautern auch dank des Fördervereins einen hohen Stellenwert. Wesentlichen Anteil daran haben Lokalmatadoren wie der Saxophonist Helmut Engelhardt, der in vielen Formationen Impulse gibt. Seine seit Jahren erfolgreiche Mittwochsreihe setzt auf Vielfalt von Stilen, Gattungen, Genres und Besetzungen. Seit 2003 erprobt er in einer Formation, die sich jetzt in der Friedenskapelle vorstellte, ein Standardrepertoire aus Swing, Latin, Blues und Funk.
Mit Thorsten Requadt hat er einen zuverlässigen, flexiblen und am Puls der Musik orientierten Schlagzeuger, der nicht vordergründig sein Ding macht, sondern mit seismografischem Gespür auf kleinste Nuancen der Atemführung, der Verzögerungen oder Beschleunigungen im Walking Bass reagiert und alles koordiniert. Die perfekte Synchronisation mit den ostinaten Linien von Jörg Kirsch hat Seltenheitswert. Kirsch ist ein Bassist, der sehr sicher agiert und auch brillante Soli einbringt. Dazu kommt mit dem Nordlicht Philipp Huchzermeier ein Tastendrücker, der alles kann: Harmonien entwickeln, Umspielungen und Variationen einbringen und ebenso stützen wie solistisch hervortreten.
Lust am Experiment
Engelhardt nutzt solche Veranstaltungen, um sich von erstarrten Mustern, stereotypen und floskelhaften Wendungen zu lösen, um in Experimentier- und Musizierlust eigene Interpretationen zu finden und zu entwickeln. Damit bietet er eine gesunde Mischung aus bewährten Repertoiresäulen und neu hinzu genommenen Titeln. Er setzt nicht primär auf gewagte Ausuferungen, sondern gepflegte Standardtitel sowie Routine, Sicherheit und Stabilität bei gefestigten Abläufen.
Diese basieren auf dem bewährten Wechselspiel aus Themenvorstellung und Durchführung in freier Improvisation mit rotierenden Soli durchs Quartett. Das klappt mit Blickkontakt wie am Schnürchen. Puristen mögen eventuell einwenden, dass einige solistische Abschweifungen eher von der melodischen Substanz wegführen als diese zu verarbeiten. Allerdings macht das gerade den Reiz des Jazz aus, dass aus Gewohntem etwas Neues entsteht.
Aufgelockert wurden die Swinglegenden durch Bebop und Bossa. Letztlich schimmert ein bestimmter Aufführungsstil durch, der für die einen stabilisierend und für Skeptiker vielleicht an manchen Stilen etwas ermüdend klingt. Indes ergänzen sich die unterschiedlichen Musikauffassungen und Interpretationsarten. Sie ergeben zusammen ein Kaleidoskop an Musikerlebnissen.