Kaiserslautern Mit ungarischem Temperament

Placeholder-Image

Beethovens siebte Sinfonie von einem Laienorchester gespielt, das ist eine Nummer. Das Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern (SOKL) unter Leitung von Christian Weidt eröffnet das neue Jahr am Sonntagabend damit und bot ein fulminantes und beschwingtes Konzert. Star des Abends war die amerikanische Koloratursopranistin Margaret Rose Koenn.

Die 7. Sinfonie in A-Dur, op. 92, von Ludwig van Beethoven wird seit Wagner als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet und ist als Stimmungsausdruck zu werten. Tanz heißt Rhythmus. Und in der Tat bestimmt ein rhythmisches Erlebnis die ganze Sinfonie. Nie vorher oder nachher hat Beethoven eine Musik geschrieben, die so ausschließlich von einem rhythmischen Grundmotiv beherrscht wird. Transparenz und Temperament sind die Prädikate, mit denen der Dirigent Christian Weidt in Ramstein das Werk in Angriff nimmt. Um der Eintönigkeit des Rhythmus zu begegnen, bietet Weidt mit seinem Ensemble erregende Orchesterfarben und harmonische Rückungen auf, vor allem in der vielgestaltigen, kühn pointierten Durchführung. Nach einem fahlen a-Moll-Akkord erhebt sich der Hauptteil in allmählichem Crescendo zu höchster Intensität. Das erhabene Schreiten steigert sich im strahlenden Glanz des vollen Orchesters zu eindringlicher Größe, um dann wieder in die Anfangsstimmung abzugleiten. Eine zarte, beglückende Dur-Melodie tritt wie ein Intermezzo dazwischen. Diese wird aber hart unterbrochen, das erste Thema, nunmehr herb und kämpferisch abgewandelt, beherrscht den weiteren Verlauf des Satzes. Auf einen ähnlichen Kontrast wie das Allegretto ist auch der dritte Satz gestellt. Neben dem lebhaft wirbelnden Scherzo steht die besinnliche Ruhe des Trios. In dieser Triomelodie wird der tänzerische Elan ins Lyrische gewendet. Der Schlusssatz trumpft vital auf. Der ganze Satz ist von einer überschäumenden Lebenskraft getragen und erreicht in seiner Schlusssteigerung einen Taumel der Ekstase. Das höchst anspruchsvolle Werk bewältigt das SOKL mit Bravour. Weidt kombiniert die Vorzüge traditioneller, dramatisch-geschärfter Lesarten mit stechender Attacke und motorischem Drive zu einem spannenden, gestisch durchgeformten, stets luftig-lockeren Klanggeschehen. Aus romantischen Passagen macht er tief empfundene Kostbarkeiten. Die hochmotivierten und bestens disponierten Musiker verschmelzen dabei zu einem ästhetischen Ganzen. Pluspunkte dabei sind der seidige Streicherklang sowie die Akkuratesse und der Biss des ganzen Orchesters. Das Finale allerdings wird von Anfang an mit brachialem Hochdruck und ohne jegliche melodische Physiognomie herausgepeitscht. Später fehlen dann die Reserven für die entscheidende Steigerung. Nach Champagner schmeckt der erste Teil des Konzerts. Ob Stücke von Otto Nicolai, Carl Millöcker, Puccini oder Johann Strauß, die Handschrift des unerbittlichen Musik-Exegeten bleibt auch diesmal unverkennbar. Zu begeistern weiß aber vornehmlich die Koloratursopranistin Margaret Rose Koenn, die schon an etlichen Theatern der Republik gastierte und am Pfalztheater Kaiserslautern die Musetta in „La Bohème“ gab. In Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ gibt sie die zornige und listige Frau Fluth, die die Männer für ihre Zudringlichkeit büßen lassen möchte. Aus höchster Tonlage kullern die Koloraturen herab wie Perlen. Mit Brillanz flammt ihre Stimme auf. Auch in der Walzer-Arie „Il Bacio“ von Luigi Arditi und der Arie der Rosalinde aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß jr. begeistert sie mit ebenmäßigem Koloratursopran von großem Umfang und ungarischem Temperament. Selbst in den höchsten Lagen bekommt ihre Stimme durch die Intensität Brillanz. In Laurettas Arie aus „Gianni Schicchi“ hingegen besticht sie mit lyrischem Pianogesang. Kongenial und höchst sensibel begleitete dazu das Orchester. Bezaubernd schön und einschmeichelnd präsentierte es die Ouvertüre zu Nicolais „Lustigen Weibern“, schmissig, mitreißend und mit sattem Sound den Marsch aus „Apajune, der Wassermann“ und die schnelle Polka aus „Cyprienne“ von Carl Millöcker.

x