Sport in der Corona-Krise
Mit Rollerskiern in der Warteschleife
Es war alles perfekt. Der Schießstand, das Herzstück eines Target-Wettkampfes, sollte am Alten Markt, mitten in Landstuhl, aufgebaut werden. Die Runden-Laufstrecke war für die Zuschauer gut einsehbar arrangiert. Target-Weltmeister Sven Müller vom Schützenverein Edelweiß Steinwenden-Weltersbach hatte alle hinter sich gebracht, die Verantwortlichen der Stadt, die Verbandsgemeinde, den Landkreis, den Landesverband der Pfälzischen Sportschützen und natürlich den eigenen Verein. Alle zogen an einem Strang, wollten im Juni 2020 dem internationalen Wettkampf in Landstuhl eine Plattform bieten. Nur, 2020 kamen keine Sportler, sondern das Virus. Folglich wurde alles abgesagt.
Lernen statt Trainieren
Monate sind seitdem vergangen, Monate ohne große sportliche Ereignisse, jedenfalls nicht im Target-Sprint. Allmählich scharren die Sportler mit den Laufschuhen wollen ihren Sport, zu dem neben dem mehrfachen Sprint auch das Schießen gehört, zurück. Im Biathlon wird es ja gerade vorgelebt. Es geht also. Natürlich hatten die Target-Sportler das einsame Lauftraining nie eingestellt, längst wird auch das Schießen wieder vermehrt trainiert. Wenngleich – wie bei vielen jungen Leistungssportlern – die Uni und das Lernen in den vergangenen Monaten doch viel Raum eingenommen haben, einnehmen konnten. Es gab ja keine Wettkämpfe.
„Das Studium läuft sehr gut. Ich bin aktuell noch mitten in der Klausurphase und arbeite an einem Projekt am Hochschul-Technologie-Zentrum am Innovations Campus Saar“, berichtet Sven Müller, der in Saarbrücken Erneuerbare Energien/Energieeffiziente Systeme studiert.
Alles in der Schwebe
„Die Termine der Wettkämpfe für dieses Jahr stehen immer noch und wurden noch nicht abgesagt. Mit Wettkämpfen in Ägypten, England, Italien, Schweiz und Ungarn ist die World Tour sehr spannend aufgestellt“, sagt dazu Sven Müller. Er weiß natürlich, dass noch immer alles in der Schwebe ist und es die Entwicklung der nächsten Monate abzuwarten gilt. „Wir werden auf jeden Fall weiter trainieren und sind bereit, wenn es endlich wieder losgeht“, spricht Müller für die gesamte Sportlergruppe beim Schützenverein Steinwenden. Für ihn selbst war das weitgehend wettkampflose 2020 im Grunde kein verlorenes Jahr. Müller war zwar 2019 an der Spitze der Target-Welt unterwegs, aber es hatten sich doch kleinere körperliche „Problemchen“, wie er sagt, eingestellt. Sein Körper hat wohl die Zeit zur Regeneration genutzt.
Training mit dem Bruder
„Das Training lief für mich die vergangenen Monate sehr gut, es macht wieder richtig Spaß zu trainieren“, kommentiert er seine momentane Verfassung. Gemeinsam mit Bruder Marco, der sich in der Target-Szene längst auch einen Namen gemacht hat, wurde viel Stabilisationstraining absolviert. „Wir haben eine gute Grundlage geschaffen und sind guter Dinge für die ersten Wettkämpfe“, sagt Sven Müller.
Wenn es dann endlich wieder in den Wettkampf geht, dann wird er glücklich an den Start gehen und – wie für ihn typisch – in der ersten Laufrunde direkt viel Druck aufbauen, wird versuchen, zum Schießen hin die Konkurrenz schon ein paar Meter hinter sich zu lassen.
Junge Talente
Sein Fokus lag in den vergangenen Monaten allerdings nicht nur auf sich. Als Trainer hat er den Nachwuchs mit auf den Weg zurück in den Sport genommen. Beim Alternativtraining auf den Rollerskiern war so auch Tessa Dietrich an seiner Seite. „Tessa ist eine sehr ehrgeizige Athletin. Bei ihrem ersten Wettkampf im letzten Jahr hat sie bereits ihr Potenzial gezeigt. Sie lernt sehr schnell und versucht Tipps direkt umzusetzen. Es macht sehr viel Spaß zu sehen, wie sie sich von Monat zu Monat immer wieder verbessert“, ist Müller begeistert, dass mit Tessa und all den anderen Talenten der Verein gut aufgestellt in die Zukunft gehen kann. „Ich freue mich schon sehr darauf, mit unseren jungen Sportlern in die Saison zu starten.“ Lange war Training mit der Jugend nur online ein Thema. Müller hofft darauf, dass hier schnell wieder „echtes“ Training möglich sein wird. „In den letzten Jahren hat sich unsere Jugendabteilung immer mehr vergrößert, hoffentlich sieht das nach Corona immer noch so aus“, weiß er, dass Online-Training für viele kein Ersatz war.
„Wir hoffen weiter“
Ein bisschen Kopfzerbrechen macht es ihm dann aber doch, wenn er die geplanten Wettkämpfe in Landstuhl sowie in Steinwenden ins Visier nimmt. „Wir haben sie noch im Kopf und noch ist nichts abgesagt, allerdings werden wir die Situation beobachten müssen, um zu entscheiden, wie, wo und ob wir die Wettkämpfe durchführen können.“ Dass es in dem großen, bereits geplanten Rahmen stattfinden kann, das sei nach aktuellem Stand schwer vorstellbar. „Wir geben aber nicht auf und hoffen weiter“, gibt sich der Weltmeister auch als Organisator der Target-Wettkämpfe kämpferisch.