Kaiserslautern Mit gutem Schloss und Versicherung vor Fahrraddiebstahl schützen
Unbekannte Diebe brachten vor wenigen Tagen auf dem Betzenberg einen Fahrradzulieferer um sein Arbeitsmittel. Der Angestellte eines Auslieferdienstes für Lebensmittel stellte sein E-Bike vor einem Mehrfamilienhaus ab. Er ließ sein Fahrrad nur für zwei Minuten unbeaufsichtigt. Diese kurze Zeit nutzten die Täter und entwendeten das E-Bike. Vom Dieb und dem grauen Fahrrad mit der Aufschrift „Kalkhoff“ fehlt bisher jede Spur.
Immer wieder berichtet die Polizei von Vorfällen wie diesen. Dabei sind statistisch gesehen die Zahlen rückläufig. Wurden in Kaiserslautern im Jahr 2018 noch 558 Fahrräder gestohlen, waren es im vergangenen Jahr „nur“ 280. Ein bundesweiter Trend übrigens, wie Christian Ponzel, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungsgesellschaft (GDV), auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilt. Der Rückgang ist nach Ansicht von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen eine Folge der Pandemie: „Aufgrund von Corona blieben viele Menschen zu Hause. Die Fahrräder waren seltener im Freien unbeaufsichtigt abgestellt. Somit haben sich auch weniger Gelegenheiten zum Diebstahl eröffnet.“
Die Schadenssumme lag 2020 bundesweit indes unverändert bei 110 Millionen Euro, im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Westpfalz belief sich der Schaden auf knapp 240.000 Euro (bei 514 Diebstählen). Damit bestätigte sich der seit Jahren anhaltende Trend zu immer teureren Fahrrädern, die gestohlen werden. Mit 730 Euro erreichte die durchschnittliche Entschädigung der Versicherer einen Höchststand. „Der Erfolg der E-Bikes dürfte die Schadenssumme in Zukunft weiter ansteigen lassen“, prognostiziert Asmussen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren zahlten die Versicherer für ein gestohlenes Rad durchschnittlich 400 Euro.
Laut polizeilicher Kriminalstatistik sank die Anzahl der gestohlenen Fahrräder 2020 im Bundesschnitt um sechs Prozent auf 260.000, lediglich 145.000 Fahrräder waren jedoch versichert, so Ponzel. Übrigens: Der Rückgang an Fahrraddiebstählen fiel in der Region Kaiserslautern sogar deutlich höher aus als im Bundesdurchschnitt. Die niedrige Aufklärungsquote macht es schwer, ein Täterprofil exakt zu identifizieren. Fest steht: Zumeist sind Einzeltäter am Werk, Hinweise auf bandenmäßiges Vorgehen liegen dem Polizeipräsidium Westpfalz aktuell nicht vor.
Radklausel in Hausratversicherung prüfen
Je teurer ein Fahrrad, desto wichtiger ist der Versicherungsschutz: Wird ein Fahrrad aus verschlossenen Abstellräumen, Kellern oder Wohnungen gestohlen, übernimmt in der Regel die Hausratversicherung den Schaden. Meist ist jedoch die offene Straße der Tatort. Schutz bietet hier eine Zusatzklausel in der Hausrat-Police. Wichtig: Das Velo muss stets durch ein verkehrsübliches Schloss gesichert sein. Von den gut 26 Millionen Versicherungsverträgen haben fast die Hälfte die Fahrradklausel eingeschlossen.
Erstattet wird bei einem Diebstahl der sogenannte Wiederbeschaffungswert. Dieser bemisst, wie viel ein neues gleichwertiges Rad kostet. Die Höchstentschädigung wird in der Regel auf einen bestimmten Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrates festgelegt. „Gerade für höherwertigere Räder und E-Bikes kann es sich daher lohnen, die Versicherungssumme zu erhöhen oder eine spezielle Fahrradversicherung abzuschließen“, so Ponzel.
Übrigens: Auch Studierende können vom Schutz der Hausratversicherung profitieren. So wie WG-Zimmer noch von der elterlichen Hausratversicherung abgedeckt werden, ist auch das Fahrrad von Studierenden darüber versichert. Einzige Bedingung dafür: Die elterliche Hausratversicherung muss die Fahrradklausel beinhalten.
Bei Diebstahl Foto und Rechnung nützlich
Ob E-Bikes im Hausrat mitversichert sind, hängt übrigens von der Leistung des Rades ab. Pedelecs oder E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 Stundenkilometer können in die Hausratversicherung eingeschlossen werden. S-Pedelecs haben eine höhere Motorleistung und erreichen bis zu 45 Stundenkilometer. Wie auch für Mofas und Mopeds ist für sie gesetzlich eine Kfz-Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Mit einer Kaskoversicherung ist man dann auch bei einem Diebstahl geschützt.
Wenn das Fahrrad gestohlen wurde, sollte der Diebstahl immer zunächst der Polizei gemeldet und bei bestehendem Schutz umgehend die Hausrat- oder Fahrradversicherung kontaktiert werden. Fotos tragen zum Nachweis des Diebstahls bei und nützen dem Schadenprotokoll für den Versicherer. Es ist wichtig, die Rechnung des Fahrrads aufzubewahren und die Rahmennummer an die Polizei weiterzugeben, um das Fahrrad möglichst wiederzufinden.
Taucht das Fahrrad tatsächlich wieder auf, sollte man unverzüglich den Versicherer informieren. Hat man bereits eine Entschädigung für das Fahrrad erhalten, kann man innerhalb von zwei Wochen entscheiden, ob man das Geld behält oder sein Fahrrad zurückhaben möchte.
Weitere Informationen finden Fahrradbesitzer in der Broschüre „Räder richtig sichern“, die kostenfrei über das Beratungszentrum des Polizeipräsidiums Westpfalz, Telefon 0631/369-1444, oder über die E-Mail-Adresse beratungszentrum.westpfalz@polizei.rlp.de bezogen werden kann.
Wie schütze ich mich vor Diebstahl?
Die Polizei bemängelt, dass Radbesitzer es Dieben mit billigen Schlössern oft zu leicht machen. Um das Rad vor Diebstahl zu schützen, sollte in ein gutes Schloss investiert werden. Als Faustregel gilt, fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises in das Schloss zu investieren.Je stabiler das Schloss, desto länger brauchen Diebe, um es zu knacken. Da sie häufig unter Zeitdruck arbeiten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Rad geklaut wird.
Den besten Diebstahl-Schutz bieten stabile Ketten-, Bügel- oder Faltschlösser. Diese sollten groß genug sein, um das Rad an einem festen Gegenstand anzuschließen, zum Beispiel an einem Fahrradständer oder Laternenpfahl. Sind die Schlösser zu dünn, lassen sie sich leicht mit einfachen Hilfsmitteln oder Werkzeugen wie Kombizange oder Seitenschneider „knacken“. Speichenschlösser sind als Diebstahl-Schutz ebenfalls nicht ausreichend.
Viele Elektrofahrräder (E-Bikes, Pedelecs) haben ein Rahmenschloss, das allerdings nicht als Diebstahl-Schutz reicht. Diebe können die Fahrräder trotz Sicherung mit dem Rahmenschloss wegtragen oder auf dem Vorderrad wegrollen. Das Elektrorad sollte deshalb immer mit Hilfe eines separaten stabilen Fahrradschlosses mit Rahmen, Vorder- und Hinterrad an einen festen Gegenstand angeschlossen werden. Am besten möglichst weit vom Boden entfernt, damit Diebe den Bolzenschneider nicht auf dem Boden absetzen können, um das Schloss mit Hilfe ihres Körpergewichts zu knacken. Wertvolle Zubehörteile wie den Akku sollte man unbedingt mitnehmen oder mit einem zusätzlichen Schloss sichern.
Hilfreich können zudem Fahrradpässe und -Apps sein, die bei Präventionsangeboten des Polizeipräsidiums Westpfalz eine wichtige Rolle spielen. Hat ein Fahrrad keine Rahmennummer oder eindeutige Markierung, sollte es von einem Fachhändler codiert werden. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) nehmen Codierungen vor. Für höherwertige Räder kann ein GPS-Tracker sinnvoll sein. Bei einem Diebstahl schlägt es Alarm, sendet eine SMS auf das Handy des Eigentümers und übermittelt den Ort, an dem sich das Fahrrad gerade befindet.