Kaiserslautern Mit dem Dosenöffner auf dem Mars

Das Blechbläser-Ensemble Brass Cats aus Kaiserslautern brachte am Sonntag mit einem abwechslungsreichen Programm Schwung und Stimmung ins Congress Center Ramstein. Sie sind in allen Stilen und Epochen zu Hause – egal ob Barock, Klassik oder Romantik, Kirchenmusik oder Oper, Volks- und Kinderlieder, Jazz, Pop oder Filmmusik: Die Brass Cats trafen immer den richtigen Ton.
Zu den Höhepunkten des Abends gehörten die „Three Brass Cats“ von Chris Hazell. Der englische Komponist, der in einem Dorf nördlich von London lebt, porträtiert in diesem Werk seine Katzen, die ihm – oder seinen Fähigkeiten als Kühlschrank- und Dosenöffner – zuliebe ihr Streunerleben aufgaben. Kraftvoll-innige Töne, in weicher Intonation und weiten Klangbögen gespielt, charakterisierten dabei den Schmusekater Mr. Jums. Ruhiger ließ es allerdings der faule Black Sam angehen, seine Melodie klang gedämpft und verhalten, wie aus einer fernen Distanz. Dann aber brachte der umtriebige Chaot Borage Bewegung ins Spiel. Schräge Klänge voller Spannung beschrieben das Pirschen und Herumstreichen des tollen Katers auf der Suche nach häuslichen Abenteuern in immer wieder überraschenden musikalischen Wendungen, mal schwollen sie plötzlich kraftvoll an, mal brachen sie abrupt ab. Doch die Chefin des Katertrios, Katzendame Kraken, kam ebenfalls musikalisch zu Wort: Langgezogene, vor leiser Spannung vibrierende Akkorde fanden sich zu einer Melodie zusammen, die in ihrer Geschmeidigkeit die kapriziösen Bewegungen Krakens lautmalerisch lebendig werden ließ. Neben diesem tierischen Intermezzo bezauberten auch die Filmmusiken von der „Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ und „Pippi Langstrumpf“. Karel Svobodas volkstümliche Weise zu Nils Holgerssons Reise gestalteten die Brass Cats in warmen, weich-wiegenden Klängen, voller Ruhe. Munter und flippig dagegen ließen die Musiker die bekannte Pippi-Langstrumpf-Melodie über einem durchlaufenden, kurzen Begleitmotiv in dunklen Farben dahinhüpfen. Abenteuer, wenn auch nur in der Fantasie, waren auch das Thema von David Bowies Song „Life On Mars“, in dem sich ein Mädchen fragte, ob es nicht noch etwas anderes geben müsse als das triste Leben auf der Erde. Mit ihrem packenden Ausdruck zogen die Brass Cats die Zuhörer in ihren Bann, immer eindringlicher gingen die Klänge regelrecht unter die Haut. Peppig und beschwingt gestaltete das Blechbläserensemble auch die Beatles Hits „Michelle“ und „When I’m ixty-Four“. Ein musikalischer Scherz war der „Empty Stage Blues“ von Hugo Luis. Aus einem nostalgischen Blues-Solo entwickelte sich hier ein jazzig-groovendes Duett, bei dem sich die beiden Musiker immer wieder „ins Wort fielen“ und in das nach und nach alle anderen Musiker des Ensembles einstimmten. Aber auch in der Welt der Klassik waren die Brass Cats zu Hause. In der Blechbläserfassung von Georg Friedrich Händels bekannter Arie „Lascia ch’io pianga“ aus seiner ersten Londoner Oper „Rinaldo“ überzeugte das Ensemble durch klar abgesetzte Phrasierungen mit innig-gefühlvollem Ausdruck und einem schönen, einheitlichen Klangbild. Elegant und volkstümlich zugleich waren die ursprünglich für den Leierkasten geschriebenen Bänkelsängerlieder aus dem 17. Jahrhundert. In klarer Intonation und volltönenden, dabei aber ganz leicht, nahezu schwerelos strömenden Melodiebögen hoben die Musiker die innigen Weisen mit subtil gestalteten Echos hervor. Anfang und Ende des Konzertes aber bestimmten geistliche Lieder: eine Choralfanfare von Buxtehude und der Choral „Es ist genug“ aus Bachs Kantate „O Ewigkeit du Donnerwort“.