Kaiserslautern
Mit ausländischen Azubis gegen den Fachkräftemangel in der Gastronomie
Auf dem Ausbildungsmarkt Kaiserslautern/Pirmasens finde die Hälfte der Unternehmen trotz großer Anstrengungen keine geeigneten Auszubildenden, so Veronika Pommer, Regionalleiterin der Industrie- und Handelskammer Kaiserslautern. Von 2772 gemeldeten Ausbildungsstellen seien 997 Stellen nicht besetzt. Am Beispiel des Barbarossahofs ließ Pommer von Flockerzie aufzeigen, mit welchen kreativen Mitteln das seit 1865 in Kaiserslautern ansässige Familienunternehmen dagegen hält.
Den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in der Gastronomie bekommt auch das 280-Betten-Hotel mit seinen 75 Mitarbeitern aus zwanzig Nationen und 14 Auszubildenden an der Eselsführt zu spüren. Von neuen Ausbildungsberufen wie „Fachkraft in der Gastronomie“ und „Fachkraft Küche“ verspricht sich Flockerzie zusammen mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz eine Möglichkeit, Jugendlichen beruflich entgegenzukommen.
Gute Erfahrung hat der Barbarossahof seit dem Frühjahr 2023 mit drei jungen Frauen aus Vietnam gemacht. Sie absolvieren zurzeit eine Ausbildung als Fachkraft in der Gastronomie. Bei der Auswahl zu Hilfe kam dem Barbarossahof IECS, eine Agentur in Ludwigshafen mit Kontakten nach Vietnam. Die Agentur treffe entsprechend den Anforderungen des Auftraggebers eine Vorauswahl der Bewerber, so Flockerzie.
„Ausbildungsreife wird immer geringer“
Yen Hoang Tran und Linh Nhat Ta sind zwei der drei vietnamesischen Auszubildenden, die im Barbarossahof eine zweijährige Ausbildung als Fachkraft in der Gastronomie absolvieren. Die beiden 20-jährigen Frauen verfügen über einen mittleren Bildungsabschluss und Deutschkenntnisse entsprechend den Anforderungen von B2. „Die beiden sprechen besser Deutsch als sie sich trauen.“
Die Ausbildungsreife von Jugendlichen in Deutschland werde immer geringer, bedauert Flockerzie. „Für uns mit ein Grund, nach Auszubildenden im Ausland zu suchen.“ Neben einer Ausbildungsvergütung von 1000 Euro im ersten und 1100 Euro im zweiten Ausbildungsjahr haben die Auszubildenden aus Vietnam Kost und Logis im Barbarossahof frei. „Hinzu kommen die Vorteile eines Familienbetriebs.“ Auch nehmen die Vietnamesinnen zweimal die Woche an einem Deutschkurs teil. Die Arbeitszeiten sind je nach Schicht von 6.45 bis 15.45 Uhr und von 15.45 bis 23 Uhr. Entsprechend der dualen Berufsausbildung besuchen die Auszubildenden die Fachklasse an der Berufsbildenden Schule I Technik.
Das Heimweh der jungen Frauen sei groß, zeigt Flockerzie Verständnis und sieht sich gelegentlich als „Seelentröster“. Gewöhnen müssen sich die Gäste des Barbarossahofs an die ausländischen Fachkräfte im Service. „Für die einen sind sie nicht verständlich, für andere machen die Frauen einen guten Job“, berichtet Flockerzie.
Nach der Ankunft im Winter gefroren
„Alles in Deutschland ist besser, außer dem Essen“, meint Yen. Am liebsten esse sie täglich einen Burger, wenn möglich vom Barbarossahof, lobt sie die Qualität. Auch auf die Jahreszeiten mussten sich die Auszubildenden aus Vietnam einstellen. „Als wir nach Kaiserslautern kamen, war Winter und wir haben gefroren.“
„Die Gastronomie in Deutschland wird ein neues Gesicht bekommen.“ Wie andere Betriebe wird die Personalchefin des Barbarossahofs Mitarbeiter künftig im Ausland suchen. Gute Erfahrungen hat sie bereits mit Arbeitskräften aus Ägypten gemacht. „Warum nicht auch aus Marokko und Tunesien?“, setzt sie ihre Hoffnung auf das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz.