Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Wiebelt knackt beim Frankfurt-Marathon einen 32 Jahre alten Rekord

Glücksgefühle beim Zieleinlauf: Rekordläufer Michael Wiebelt auf den letzten Metern beim Frankfurt-Marathon.
Glücksgefühle beim Zieleinlauf: Rekordläufer Michael Wiebelt auf den letzten Metern beim Frankfurt-Marathon. Foto: Frei

Diesen Rekord wollte Michael Wiebelt laufen, und er lief ihn. Beim Frankfurt-Marathon 2019 ging der Läufer der TSG Kaiserslautern an den Start und bewältigte die 42,195 Kilometer in 2:38:50 Stunden. Damit stellte er einen neuen Vereinsrekord auf. Über fünf Minuten blieb er unter der alten Rekordzeit, die Ewigkeitsbestand zu haben schien.

Als Michael Wiebelt unter dem Jubel der Zuschauer über die Ziellinie lief, wusste er, dass er einen neuen Rekord gelaufen war. Mit seiner fabelhaften Zeit gelang ihm, was über drei Jahrzehnte kein Marathonläufer der TSG Kaiserslautern geschafft hatte: Er verbesserte den von Wolfgang Schwichtenberg vor 32 Jahren beim Marathon in München gelaufenen Vereinsrekord. Eine Bestzeit, die schon in der Rekordliste der TSG stand, als Michael Wiebelt noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte.

Für den 31-Jährigen war es in Frankfurt gewissermaßen ein Rekordlauf mit Ansage. Wiebelt wollte die Marathonstrecke schneller laufen als damals Schwichtenberg. Dass ihm das auf so eindrucksvolle Weise gelang, überraschte ihn dann aber auch selbst. „Dass ich unter der magischen Zwei-Stunden-40-Marke bleiben würde, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt der neue Rekordhalter, der sich auf diesen Lauf so akribisch vorbereitet hatte. Die Zwischenzeiten zeigten ihm an, dass er auf dem besten Weg war, eine neue Bestzeit aufzustellen. Je näher er aber dem Ziel kam, verspürte Michael Wiebelt eine gewisse Angst, dass ihm auf den letzten Kilometern womöglich noch ein Missgeschick passieren, dass er umknicken, sich verletzen und den Lauf nicht beenden könnte. Bei aller noch so sorgfältigen Planung bleibt doch ein jeder Marathonlauf ein 42.195 Meter langes Abenteuer, das erst dann erfolgreich bestanden ist, wenn man die Ziellinie überquert hat.

160 Kilometer in der Woche

Auf den Schlusskilometern sei ihm auch durch den Kopf gegangen, „wie viel ich für diesen Marathonlauf trainiert habe, um beim Startschuss topfit zu sein“, schildert Wiebelt seine Gedanken während des Laufs. Rund 160 Kilometer hatte er in der Vorbereitungszeit in einer Woche bei Trainingsläufen abgespult, hatte nach einem speziell für ihn erstellten Ernährungsplan gelebt und natürlich auch Wettkämpfe bestritten. Darunter auch im Sommer den Kaiserslauterer Citylauf über fünf Kilometer. Für den Langstreckler eigentlich eine Kurzdistanz, die aber auch auf seinem Vorbereitungsplan stand. Auch ein Jahr zuvor hatte er sich mit der gleichen Disziplin und Sorgfalt auf den Marathonlauf in Frankfurt vorbereitet, wollte er doch auch da schon den Rekord knacken. Da spielte aber das Wetter nicht mit. Starke Windböen setzten Michael Wiebelt und den anderen Läufern arg zu und bliesen alle Rekordhoffnungen hinweg. Doch an diesem 27. Oktober herrschte Rekordwetter, die äußeren Bedingungen waren bestens und ermöglichten dem Buchenlocher einen „perfekten Lauf“.

Marathondebüt 2006 in Mainz

Dass er ihn in Frankfurt lief, war kein Zufall. Lebte und arbeitete der Diplomkaufmann, der auch den juristischen Abschluss Master of Laws besitzt, viele Jahre in der Bankenmetropole und startete regelmäßig beim dortigen Marathon. In diesem Jahr lief er ihn zum fünften Mal in Folge. Fasziniert hatten ihn die 42,195 Kilometer lange Strecke, die für jeden Langstreckenläufer das Nonplusultra ist, schon sehr früh. So war er knapp 18 Jahre alt, als er 2006 in Mainz sein Marathondebüt gab. 3:45 Stunden habe die Uhr damals für ihn beim Überlaufen der Ziellinie angezeigt, erinnert sich der gebürtige Kaiserslauterer, der sich in jungen Jahren der TSG Kaiserslautern anschloss. Aber nicht nur in der Leichtathletikabteilung zeigte sich sein sportliches Talent. Er war auch als Fußballer erfolgreich. So gehörte er (wen wundert's!) als laufstarker Mittelfeldspieler der Buchenlocher Mannschaft an, die damals in der Fußball-Verbandsliga für Furore sorgte.

Dass sich Michael Wiebelt, der vom Main wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hier auch beruflich tätig ist, nach dem Rekordlauf nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen gedenkt, ist bei diesem ehrgeizigen Athleten nicht allzu verwunderlich. Für das kommende Jahr hat er sich ein neues Ziel gesetzt. So will er seinen ersten Triathlon über die Ironman-Distanz bestreiten. Wo? Natürlich in Frankfurt. Und auch bei dieser neuen Herausforderung wird er der Langstrecke treu bleiben. Denn nach 3,86 Kilometern Schwimmen und 180 Randkilometern folgt als Krönung noch ein Marathon.

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