Kaiserslautern „Meine Rettung“

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Für schwerbehinderte Menschen ist es oft schwer, eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Die Inklusionsinitiative Westpfalz (IWP), die im Sommer 2016 angelaufen ist, will ihnen dabei helfen. Zwei, die davon schon profitieren sind Nicole Reiser und Heinz Becker.

Endlich ist Nicole Reiser an ihrem Ziel angekommen: Seit Dezember hat sie einen festen Arbeitsplatz. Sie sitzt am Empfang des Simotec-Kochwerks, der Großküche des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz, begrüßt die Kunden, managt das Telefon und die Post. „Die Arbeit macht mir großen Spaß, sie ist sehr abwechslungsreich“, sagt die 26-Jährige und strahlt über das ganze Gesicht. „Nach sieben Jahre Arbeitslosigkeit bin ich glücklich, dass es jetzt geklappt hat.“ Der Weg dahin war gepflastert mit erfolglosen Bewerbungen, unzähligen Praktika und Enttäuschungen. Den Grund sieht die gelernte Bürofachkraft in ihrer Behinderung, die einen Rollstuhl nötig macht. Aufgeben kam für sie trotzdem nicht infrage. Unterstützung fand sie schließlich bei der Inklusionsinitiative Westpfalz, einer Kooperation der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz, der Heinrich-Kimmle-Stiftung und des Evangelischen Diakoniewerks Zoar mit den Jobcentern der Region. Das Projekt wird aus Bundesmitteln finanziert und ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Sein Ziel ist es, schwerbehinderten Menschen, die keine Werkstattberechtigung haben, zu einem sozialversicherungspflichtigen, nachhaltigen und passgenauen Job zu verhelfen. Dabei leisten Mitarbeiter der Projektpartner als Fachbegleiter individuelle Unterstützung. „In persönlichen Gesprächen versuchen wir zu ermitteln, welche Wünsche und Vorstellungen die Menschen haben und wo ihre Fähigkeiten und Potenziale liegen“, sagt Fachbegleiter Thilo Clemens. Da jeder Vermittler nur bis zu zwölf Personen begleite, könne er individuell auf sie eingehen. Das hat sich auch für Nicole Reiser ausgezahlt. „Meine Ansprechpartnerin hat nicht nur darauf geachtet, dass der Arbeitsplatz barrierefrei ist, sie hat sich auch darum gekümmert, wie ich ihn am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreiche.“ Vom Bewerbungsschreiben über das Vorstellungsgespräch bis hin zur neuen Stelle werden die Menschen professionell beraten und begleitet. 30 Personen haben die IWP-Mitarbeiter seit dem Projektstart bereits vermittelt. Für die stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, Martina Sarter, ist das ein Beweis dafür, dass das innovative Konzept auf einem erfolgversprechenden Kurs ist. Nicht zuletzt weil die Kooperationspartner ihre Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen bündeln können und bereits gute und vertrauensvolle Kontakte zu Unternehmen der Region pflegen. Auch die profitieren von IWP. „Denn unsere Unterstützung endet nicht mit der Vermittlung. Wir begleiten die Menschen, bis sie sich an ihrem Arbeitsplatz eingewöhnt haben und informieren über mögliche Hilfsmittel und Zuschüsse“, erklärt Fachbegleiterin Katja Fothke. Sie hat auch Heinz Becker aus Landstuhl zur Seite gestanden. Als Kraftfahrer war er viele Jahre für eine Spedition tätig, bis eine Erkrankung 2012 dies nicht mehr zuließ. Selbst nach der Genesung fand er nicht in seinen Beruf zurück. „Aber die Zeit mit Däumchendrehen zu verbringen, das kam für mich nicht infrage. Ich habe immer gerne gearbeitet und wollte wieder etwas zu tun haben“, sagt der 62-Jährige. Zusammen mit Katja Fothke machte er sich Gedanken, wo seine Neigungen und Stärken liegen. „Ich bin gern in Bewegung, am liebsten im Freien. Außerdem bin ich handwerklich begabt.“ Die Lösung fand sich im Projekt Bahn Aktiv. Hier ist er nun mit anderen aus der Gruppe dafür zuständig, im Umkreis von Kaiserslautern die Bahnhofsanlagen sauber zu halten. Vier Tage in der Woche rückt er vollen Müllereimern und Unkraut auf den Leib, kehrt und nimmt kleinere Reparaturen vor. „Es ist toll, wieder eine Aufgabe zu haben. IWP war meine Rettung.“ Das sieht auch Nicole Reiser so. „Ich habe mich zuhause zwar nützlich gemacht und meiner Familie im Haushalt etliches abgenommen. Aber ein richtiger Job ist doch etwas anderes. Außerdem komme ich hier mit vielen Menschen zusammen und verdiene mein eigenes Geld.“ Über die neue Mitarbeiterin freut sich auch Christine Ohnesorg, Geschäftsführerin von Simotec. „Mit ihrer freundlichen, offenen Art ist Frau Reiser am Empfang genau richtig.“ Kontakt IWP ist über die Agentur für Arbeit in Kaiserslautern, Telefon 0631/41557919, E-Mail an kaiserslautern@iwp-info.de oder im Internet unter www.iwp-info.de erreichbar sowie über die Agentur für Arbeit in Pirmasens, Telefon 06331/50829433 oder E-Mail an pirmasens@iwp-info.de.

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