Fussball
„Mein Pass liegt noch in Pirmasens“
Nampa im US-Bundesstaat Idaho zählt ganz sicher nicht zu den Hotspots amerikanischer Universitätsstädte. Und doch hat Nils Knosala an der Northwest Nazarene University, wo er vor zwei Jahren ein Sport-Stipendium begonnen hatte, schon einiges von dem erlebt, was man gemeinhin unter Studentenleben versteht. Nicht nur auf dem Campus. Knosala genießt die Vorzüge eines Auslandsaufenthaltes: Ein Konzert des Rappers Nelly in Seattle, ein Road-Trip durch Kalifornien, Snowboarden in den Rocky Mountains. Unbeschwerte Freiheit.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn weil auch die College-Liga über höchst professionelle Strukturen verfügt und er mit seinen Idaho Nighthawks eine Stadt nach der anderen bereist, besteht keine Sorge, dass ihm langweilig wird. „Nebenbei“ muss er schließlich auch noch studieren. Auch das scheint zu klappen. Bei einem so genannten „Grade Point Average“ von 4,0 steht er aktuell bei 3,7. Ein Notendurchschnitt, der ihn im nächsten Jahr berechtigt, seinen Bachelor in Wirtschaft anzugehen.
Freundschaft im Flieger
Dabei begann alles mit reichlich Komplikationen. Corona und das dadurch erst einmal verweigerte Visum machten ihm nach dem Abitur auf dem Heinrich-Heine-Gymnasium einen Strich durch die Rechnung. Als es dann endlich geklappt hatte, saß im Flieger nach Idaho ausgerechnet der Kapitän seiner neuen College-Mannschaft: Lorenzo Valentini, früher selbst beim FKP und dem 1. FC Saarbrücken aktiv, nahm den „Freshman“, wie Erstsemester in den USA genannt werden, „an die Hand“ und half ihm, sich in der Uni zurechtzufinden. „Wir sind sehr schnell gute Freunde geworden“, ist Knosala noch heute dankbar für die Starthilfe.
Eine weitere wichtige Bezugsperson in der Fremde ist Lukas aus Litauen. Die beiden hatten sich schon vor ihrem Aufenthalt in den USA darauf verständigt, gemeinsam ein Zimmer zu teilen und sind heute beste Freunde. Nach einem Jahr suchten sie sich ein eigenes Appartement, fünf Minuten vom Campus entfernt. „Ich bin seitdem viel selbstständiger geworden, kümmere mich um meine Wäsche und kann zwischenzeitlich sogar ein bisschen kochen“, freut sich der Student, der seinen Kommilitonen gerne später in Litauen besuchen möchte.
20 Flüge in drei Monaten
Während im Frühling vergangenen Jahres lediglich eine Ersatzsaison mit zahlreichen Testspielen ausgetragen wurde, ging es im Herbst 2021 für Nils Knosala richtig los. Mehr als 20 Flüge innerhalb von drei Monaten in zehn verschiedene Bundesstaaten und nach Kanada, dauernde Hotelaufenthalte und zwei Spiele pro Woche standen auf dem Plan. Da muss dann eine Examensprüfung zur Not auch mal im Hotelzimmer geschrieben werden.
Die College-Liga hat nach Knosalas Einschätzung „durchaus das Niveau unserer Oberliga“. Sieben Tore und zehn Assists sprechen dafür, dass er sich in der neuen Heimat auch fußballerisch wohlfühlt. Die Strukturen sind hochprofessionell: Fünfmal pro Woche Mannschaftstraining, zusätzlich zwei Krafteinheiten, alle Spiele per Livestream abrufbar. Inzwischen ist Nils Knosala sogar eine kleine Berühmtheit an seiner Uni, nachdem das Foto von ihm mehrere Monate lang an das Campus-Gebäude projiziert wurde.
Auf Heimaturlaub
Schon ein knappes Jahr vor seiner geplanten Rückkehr nach Deutschland im Mai 2023 schwärmt Knosala von den USA, ihren Menschen und dem Geschenk, Freundschaften in alle Welt schließen zu können. Das habe ihn reifer werden lassen, erwachsener. Nicht nur, weil er jetzt auch seine Hosen selbst bügeln kann.
Und er möchte ein bisschen auch seine Eltern Jenny und Gregor stolz machen. Die beiden haben von Anfang an seinen Traum von Idaho unterstützt. „Sie standen immer hinter mir, haben mir den Rücken gestärkt“, freut sich Nils über den elterlichen Rückhalt. Verlassen konnte er sich in den beiden letzten Jahren aber auch auf die Wertschätzung seines Vereins. Mit FKP-Trainer Martin Grieß und U23-Spielertrainer Christopher Ludy steht er in regelmäßigem Kontakt.
So kam es denn auch, dass Nils Knosala in der Vorbereitungszeit auf die Saison ein paar Trainingseinheiten mit der Verbandsliga-Mannschaft absolvierte und in Testspielen zum Einsatz kam. „Der Pass liegt schließlich noch in Pirmasens.“ In der Winterpause will Nils Knosala mit den Verantwortlichen des FKP über seine fußballerische Zukunft sprechen. „Oberliga traue ich mir mittlerweile zu“, hat er sich bereits selbstbewusst um einen Kaderplatz beworben.