Kaiserslautern Mehr als nur alte Hüte

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Totenkränze aus hauchdünnem Goldblech für die Reichen, Bollenhüte für die unverheiratete Schwarzwälderin und eine mit Türkisen reich geschmückte Brautkrone aus Usbekistan: In der Ausstellung „Erhobenen Hauptes – Kopfschmuck aus aller Welt“ im Schmuckmuseum Pforzheim kann man lernen, was das Tragen von Diademen, Zierkämmen und Hauben über die Person, ihre Haltung und ihren gesellschaftlichen Status aussagt.

Etwa 120 Schmuckstücke vom Hellenismus bis ins 20. Jahrhundert hat das Museum zusammengetragen. Natürlich ist dies – was Europa angeht – eine weitgehend historische Ausstellung. Kein Mann hält heute den Zylinder für einen unverzichtbaren Bestandteil seiner Garderobe, behütete Damen sind derzeit ein eher seltener Anblick auf unseren Straßen. In anderen Kulturen gehört der Kopfschmuck dagegen nach wie vor zur gelebten Tradition. Er ist Standesmerkmal, sagt viel über Bräuche und Sitten aus. Er erzählt vom Alter seines Besitzers, beglaubigt seine politische oder religiöse Bedeutung, hat magische Schutzfunktion, verleiht Kraft und wehrt das Böse ab, das durch Mund, Nase und Ohr seinen Weg in den Körper findet. Die kostbaren Perlenkronen in Vogel- oder Menschengestalt der westafrikanischen Yoruba-Könige endeten in einem Vorhang aus Perlenschnüren, hinter denen der Herrscher sein Gesicht verbarg – kein gewöhnlicher Mensch durfte je sein Antlitz erblicken. Das erhöhte die Aura, den Nimbus des Göttlichen. Äthiopische Stämme prunkten mit phallischem Kopfschmuck. Er wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben, galt als Würdezeichen und sollte die Manneskraft erhalten. Entzückt steht der Besucher vor den aufregend modern wirkenden, abstrakten silbernen und kupfernen Talismanen, mit denen die Tuareg ihre indigoblauen Turbane verzieren. Und angesichts der hochglänzenden, überaus eleganten Bronze-Schlangen, die die Kopftrachten der Krieger aus dem indonesischen Sulawesi krönen, dürfte mancher moderne Schmuckdesigner vor Neid erblassen. Dass ihr Glanz die Feinde habe erblinden lassen, kann man allerdings getrost in der Rubrik „Legenden“ ablegen. In Europa haben nicht nur im ländlichen Raum bis weit ins 19. und 20. Jahrhundert verheiratete Frauen Hauben getragen. Das wird heute gerne verdrängt. In der Redensart „unter die Haube kommen“ hat sich diese Tatsache immerhin im Sprachschatz erhalten. Und eine „lose Person“ war damals nicht von üblen Sitten, sondern einfach nur ledig. Natürlich darf in diesem Zusammenhang der mit den auffallenden roten Bommeln aufgepeppte Gutacher Bollenhut im schwarzwaldnahen Pforzheim nicht fehlen; er signalisierte, dass die Trägerin noch zu haben war. Richtig teuer wurde es im Jugendstil, als Nobel-Goldschmiede wie René Lalique und Lucien Gaillard von Paris aus die Dame von Welt mit sündhaft schönen Diademen, modischen Zierkämmen und exquisiten Haarnadeln belieferten. Raffinierte, mit den schillernden blauen Federn des Eisvogels geschmückte Haarnadeln kommen als Beispiele eines hoch entwickelten Kunsthandwerks aus dem China vor der Kulturrevolution. Die Eisvogelfedern galten als Symbol für eheliche Treue und Glück. Aus archäologischen Grabungen stammen die floralen Totenkränze und -kronen aus dünnem Goldblech. Ihre historische Spur zieht sich in der Ausstellung vom vorchristlichen Griechenland bis ins alte Rom. Zahlreich sind die Beispiele von üppig dekorierten Brautkronen aus dem vorderasiatischen Raum, von schamanischen Kopfbedeckungen und unterschiedlichen Ethnien zuzuordnenden Zierkämmen in einfacher bis reichster Ausstattung. Bleibt noch anzumerken, dass die wenigsten der überwiegend dem ethnographischen Bereich zuzurechnenden Ausstellungsstücke aus eigenem Bestand kommen. Namentlich bekannte Privatsammler und solche, die anonym bleiben wollen, haben diesmal das meiste zur Ausstellung beigetragen.

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