Interview
Maurice Roth: „Ich bin absolut sicher, dass der FCK den Klassenerhalt packt“
Tabellenerster mit der Eintracht und als Leistungsträger an 38 Prozent der Tore beteiligt. Wie fällt Ihre persönliche Saisonbilanz aus?
Wir hatten eine hervorragende Saison gespielt und hätten gerne den Schwung noch mitgenommen und die Saison sportlich zu Ende gebracht. Wenigstens standen wir beim Abbruch auf dem ersten Platz. Ich persönlich bin natürlich mit meiner Bilanz auch sehr zufrieden. Wäre ich gegen Bingen nicht ausgefallen, wäre sogar eine noch bessere Quote möglich gewesen. Das Umfeld in Trier hat sich seit meinem Wechsel total gut entwickelt. Die früher in Trier oftmals praktizierte Hauruck-Euphorie ist einem klaren sportlichen Konzept gewichen. Dadurch war der diesjährige Erfolg nicht überraschend.
Nach dem Oberligaaufstieg und dem Pokalsieg mit dem SV Morlautern folgte jetzt eigentlich ein noch größerer sportlicher Erfolg. Sie sind Erster der Oberliga, eventuell Aufsteiger in die Regionalliga. Wie fühlt es sich an, dass dieser Erfolg am grünen Tisch entschieden wird?
Es ist ein absolut komisches Gefühl. Wir haben hart gearbeitet, damit wir an dieser Position stehen. Trotzdem ist es skurril und irgendwie ein beklemmendes Gefühl, wenn man am grünen Tisch hochgehen sollte. Man ist froh, über die Platzierung. Aber richtige Feierstimmung kam nie auf. Dennoch denke ich, dass wir zurecht an dieser Position stehen. Aber als richtiger Aufsteiger fühlt man sich nicht. Dazu sind wir zu sehr Sportler. Besonders weh tut bei einem Umfeld wie in Trier, dass keine Feier mit den Fans möglich war und dass bei den Siegen in der Saison keine Zuschauer dabei sein durften. Gegen Koblenz oder FCK II hätten wir garantiert viele Fans im Stadion gehabt. Richtig freuen kann man sich eigentlich wirklich nur, wenn man sich bewusst macht, welche attraktiven Gegner nächste Saison bei einem Aufstieg in die Regionalliga auf dem Programm stehen könnten.
Wie groß ist die Freude auf Vereine wie SSV Ulm oder die Offenbacher Kickers und wie würde das Team damit umgehen, wenn es bei der Entscheidung des Verbandes bliebe, dass die Ersten der Oberligen nicht aufsteigen?
Wir freuen uns unheimlich auf solche Gegner. Es ist ein Traum, vor einer Kulisse wie auf dem Bieberer Berg zu spielen und in so einem Stadion einzulaufen. Wir sind immer noch optimistisch, dass das auch nach der aktuellen Entscheidung des Verbandes klappt. Im vergangenen Jahr hat Kassel nur juristischen Einspruch angedroht und durfte dann aufsteigen. Die Eintracht hat entschieden, ebenfalls den juristischen Weg zu gehen. Wenn das nicht klappen würde, wäre es natürlich erst mal totaler Frust für uns. Aber ich denke, dann werden wir das Ziel erneut angehen. Planungssicherheit hat der Verein im Moment nicht. Deshalb plant die Eintracht erst mal mit dem aktuellen Oberligakader. Der soll je nach Liga-Zugehörigkeit dann punktuell verstärkt werden. Aber ganz ehrlich: Meine Freude und die meiner Mitspieler ist momentan noch viel größer, wenn wir endlich einmal wieder auf dem Platz stehen können und gemeinsam trainieren dürfen. Alles andere ist noch so weit weg. Auch für mich als erfahrenen Spieler ist es durchaus etwas Besonderes, gegen diese Traditionsvereine zu spielen. Aber leider ist es immer noch eine sehr ungewisse Entscheidung, ob wir mit unserem juristischen Weg den Aufstieg noch erreichen können.
Wie sehen Sie die Perspektive für Eintracht Trier in der Regionalliga, falls es mit dem Aufstieg klappt, und Ihre persönliche Rolle?
Wir haben eine tolle Mentalität entwickelt und sind seit zwei Jahren in Trier unbesiegt. Wenn wir diese Euphorie mitnehmen, etwas Frechheit zeigen und auf unsere Heimstärke bauen, können wir auch in dieser Liga eine gewisse Rolle spielen. Wenn ich sehe, wie unser Team zu einer eingeschworenen Truppe zusammengewachsen ist, können wir uns auch eine Klasse höher durchaus behaupten. Ich selbst bin optimistisch, auch in der Regionalliga meinen Stammplatz nicht zu verlieren. Trier will auf den aktuellen Kader bauen und vertraut dem Stamm. Für Stareinkäufe fehlen die finanziellen Mittel.
Auch privat gab es bei Ihnen erfreuliche Nachrichten: Sie haben Ihre langjährige Lebensgefährtin Eva Pfaff geheiratet und sind jetzt stolzer Vater eines Sohnes. Mit Ihrem Studium stehen Sie kurz vor dem Bachelor-Abschluss. Wie geht es Ihrer Familie, und hat sich das Familienglück auch sportlich ausgewirkt?
Uns geht es gut, wir sind alle gesund. Hier hat der Lockdown ausnahmsweise seine guten Seiten. Ich kann meinen kleinen Sohn intensiv aufwachsen sehen. Aber am Anfang war das brutal. Wenn Du im Vollgas-Modus warst mit Studium, Beruf und Eintracht Trier und plötzlich fast nur noch zuhause bist, ist das schon für die ganze Familie eine heftige Umstellung. Aber mittlerweile genießen wir die Situation als Familie total. Es ist schon toll, wenn man ein Kleinkind hat, so nah bei der Familie zu sein. Auch in der Endphase des Studiums ist es von Vorteil, nicht nach Trier pendeln zu müssen. Als Familienvater bin ich auf dem Platz etwas gelassener geworden. Es gab sogar aus der Mannschaft schon Sticheleien, dass noch zwei bis drei weitere Kinder von mir für den Mannschaftserfolg förderlich wären.
Verfolgen Sie noch intensiv die Entwicklung beim SV Morlautern, mit dem Sie große Erfolge als Kapitän feiern konnten?
Als Fußballer hat man großes Interesse an der Region, und ich hab’ auch noch Kontakt zu vielen Ex-Kollegen. Seit meinem Weggang gab es weiterhin eine sehr positive Entwicklung beim SVM. Die Mannschaft ist sehr gut zusammengestellt, und es wird eine tolle Arbeit geleistet. Etwas überrascht war ich über die Spiele, die in der abgelaufenen Saison in meinen Augen völlig unnötig abgeschenkt wurden. Ich hätte von diesem Kader schon erwartet, dass er ganz vorne steht. Aber mit den herausragenden Neuverpflichtungen für die neue Saison muss es eigentlich diesmal mit dem Aufstieg klappen.
Für alle Kaiserslauterer eine wichtige Frage zum Schluss: Wünschen Sie sich eher ein Derby mit Eintracht Trier in der Regionalliga gegen den 1. FC Kaiserslautern oder drücken Sie als Lauterer dem FCK die Daumen für den Klassenerhalt?
Ich war früher als FCK-Bub geschminkt im Stadion. Als ehemaliger Fan und Fußballer, der in Kaiserslautern wohnt, ist es für mich ein Tabu, dass der Verein absteigt. Natürlich hätte ich gerne das Spiel der Eintracht vor vollem Haus gegen den FCK. Aber nicht auf Kosten eines FCK-Abstieges. Ich weiß, was der Verein für die Region und die Stadt bedeutet. Auch in Trier haben wir sehr viele FCK-Fans, die leiden. Ich bin aber absolut sicher, dass der FCK in den letzten Spielen den Klassenerhalt packt.