Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheimer Bläserphilharmonie im SWR-Studio: Ein Spitzenorchester

Beeindruckender Klangkörper: die Mannheimer Bläserphilharmonie.
Beeindruckender Klangkörper: die Mannheimer Bläserphilharmonie.

Das grandiose und in Superlativen zu rühmende Konzert der Mannheimer Bläserphilharmonie kam der Szene „spanisch vor.“

Nicht nur im Hinblick auf das Konzertprogramm mit ausschließlich spanischen Komponisten, einer spektakulären Uraufführung sowie insgesamt interpretatorischen Glanzleistungen. Schon der am Samstag im SWR-Studio schweifende Blick zwischen Podium und Publikum wirkte irritierend.

Wenn auf der Bühne mehr Personen als im Publikum sitzen und ein Spitzenorchester aus der Kurpfalz gastiert, versteht man die Welt nicht mehr. Da muss unsere Region über Musikschulen, regionale Schulen, Kreismusikverband mit den vielen örtlichen Vereinen einfach „Flagge“ und Solidarität, zumindest Interesse zeigen: Weil das optimal und teilweise sogar überbesetzte Konzert-Blasorchester (verstärkt noch durch Celli und Kontrabässe) als Spitze des Eisberges das demonstriert, was andere anstreben – aber hier weitgehend ignorieren.

Charismatische Dirigenten

Das Toporchester mit immerhin 88 Instrumentalisten hat sogar einige Glanz- und Pluspunkte aufgezeigt, die sogar manches Berufsorchester in den Schatten stellen: Das beginnt mit einem informativen Programmheft, das in dieser Gestaltung und Hinführung entgegen des häufig verbreiteten Minimalismus Seltenheitswert hat. Setzte sich mit zwei charismatischen Dirigenten fort, die nicht nur das Orchester, sondern auch die Zuhörer mit ihrer charismatischen Ausstrahlung faszinieren: Seit 2015 leitet Miguel Ercolino aus Caracas die Mannheimer Bläserphilharmonie und erwies sich als ein Dirigent, der nicht nur für präzise Abläufe und Spannung sorgt, sondern eindeutig klanglich arbeitet: Die Melodien führend und vordergründig, Begleitungen dezent im Klanghintergrund, Nachschläge federnd und nicht polternd; dazu alles subtil ausbalanciert. So hörte man bei den Kompositionen von Antonio Alvares, Isaac Albeniz und Manuel de Falla nicht nur bestrickende Klangreize, sondern alle kompositorischen Finessen in tänzerisch beseelter Rhythmik oder sukzessiv sich entwickelnder Melodik wie bei Asturias von Albeniz. Das schaffte hier Juan Mas Quiles, danach bei der Ballettmusik von de Falla Douglas McLain. Der Charakter dieser Orchestrierungen ist nicht nur auf Klangpracht, sondern auch auf feinste Stimmungsbilder in pastosen Klangfarben und im lichten Glanz von Soli (hauptsächlich der Holzbläser) ausgerichtet. Ob brillante und ansprechende Soli oder angenehm ausbalancierte und wohlklingende Tutti, die Bläserphilharmonie überzeugte restlos.

Damit aber nicht genug: Es folgte im noch alles übertreffenden zweiten Konzertteil eine Uraufführung, die zu einem Geniestreich avancierte. Gastdirigent und Komponist Ferrer Ferran aus Spanien wagte den musikalischen Brückenschlag zwischen iberischer Halbinsel und der Kurpfalz: Er stammt aus Valencia und somit einer Gegend, die eine blühende Musikkultur in Sachen Bläsertradition hat und schuf mit seiner 6. Sinfonie (genannt Traumland-Sinfonie) eine Synthese aus spätromantischer sinfonischer Dichtung nach Art von Richard Strauss sowie spanischem Kolorit und verarbeitete dabei noch als Hommage und Widmung an die Mannheimer Bläserphilharmonie das Volkslied (Jäger aus Kurpfalz) in vielen Variationen darin.

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