Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Making of Pfalz“: Kaiserslauterer Ausstellung zeigt Geschichte der Region

„Making of Pfalz“ – die ersten Besucher sehen sich am Samstag die neue Ausstellung an.
»Making of Pfalz« – die ersten Besucher sehen sich am Samstag die neue Ausstellung an.

Hambacher Fest, Ruinenromantik, die Wäscherinnen am Rhein: Die Ausstellung „Making of Pfalz“ zeigt, wie die Region zu dem wurde, was sie heute ist. Ein Besuch.

Sie konnte sich über alle politischen Prozesse des 20. Jahrhunderts hinweg als Region mit unverwechselbarem Profil behaupten: die Pfalz. Die berühmten historischen Zeugen in der Landschaft am Rhein prägen in den Bildern und Texten des 19. Jahrhunderts noch das Pfalz-Marketing der Gegenwart. Die Entstehung der pfälzischen Identität zeichnet die am Samstag eröffnete Ausstellung „Making of Pfalz“ in der Pfalzbibliothek in sieben Stationen nach.

Jeder kennt eine dieser Ansichten spätestens seit seiner Grundschulzeit: Hier fällt der Blick über die romantische Darstellung einer Gruppe von Wäscherinnen am Rhein hin zur monumentalen Erscheinung des Speyerer Doms. Mit seiner romanischen Apsis und den vier herrschaftlich aufragenden Türmen ist sein Bild aus dem kollektiven Bewusstsein weit über die Region hinaus nicht wegzudenken.

Der Speyrer Dom in einer Auenlandschaft

Maria Männig von der RPTU stellte den zahlreichen Gästen die einzelnen Abschnitte der Ausstellung vor. Über die Stationen „Blickwechsel“, „Skizzenbuchblätter“, sowie „Bildtechniken und Medienwechsel“ hinaus erläuterte sie die Stationen „Wege durch die Pfalz“, „Sagen und Märchen“ ebenso wie „Burgenromantik und Burgenforschung“ sowie „Kirchen und Klöster“. In der Vitrine zur letzten Station ist ein Stahlstich im Querformat zu sehen. Er zeigt den Speyerer Dom in einer Auenlandschaft. Im Vordergrund sind Wäscherinnen bei der Arbeit auf einem Kahn erkennbar. Das romantische Motiv steht im Gegensatz zur strengen Form der im Hintergrund aufragenden Sakralarchitektur. Die Grafik ist 1860 im Buch „Der Kaiserdom zu Speier“ erschienen. Es enthält 14 Stahlstiche und diente als kunstvoll gestalteter Begleitband für Besucher des Doms und als kulturhistorisches Erinnerungswerk für die Pfalz.

Getragen von Sehnsucht und Melancholie, entsteht um 1800 die sogenannte Ruinenromantik. Anhand der Vitrinen der Station 6 erfahren die Gäste, dass Dichter, Maler und Historiker die Ruinen als Orte von Liebe, Tragik und Heldenmut erfassen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in den Schriften von Friedrich Blaul, der in seinen 1838 erschienenen Träumen und Schäumen vom Rhein seiner Burgenverehrung Ausdruck verlieh. Ruinen gelten dabei nicht als Zeichen des Verfalls, sondern als poetische Sinnbilder für den Fluss der Zeit.

Pfalz als Entstehungsort des demokratischen Staates

Zu sehen ist natürlich auch die berühmte Lithografie vom Hambacher Fest 1832. Sie wird eingeordnet als Wahrzeichen der Demokratie. Die Darstellung der romantischen Ruine auf einem Hügel mit weiten Blickachsen ins Land dient der Symbolisierung der Freiheit. Im Mittelpunkt steht die schwarz-rot-goldene Flagge, die als Sinnbild eines einheitlichen Deutschlands gilt. Diese Darstellung des Hambacher Schlosses ist zu einer Art Ikone geworden, die die Pfalz als einen Entstehungsort des demokratischen Staates repräsentiert.

Klaus Weichel, der stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende, hatte zu Beginn der Veranstaltung die Gäste begrüßt und eine spannende Ausstellung angekündigt. Die Inhalte bewegten sich im Spannungsbogen zwischen Wein und revolutionärem Eigensinn. Er freue sich darüber, dass der Bezirksverband als Träger der Pfalzbibliothek habe Pate stehen können für diese Ausstellung. Auch Claudia Germann, Leiterin der Pfalzbibliothek, hatte die Gäste begrüßt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ wies sie darauf hin, dass das Konzept der Ausstellung „Making of Pfalz“ sowie deren Umsetzung etwas Neues darstelle im Rahmen des traditionellen Hoffestes. Ansonsten seien die Elemente des Festes, der Bücherbasar und die Bewirtung im Hof seit Jahren bewährt.

Konzipiert wurde die Ausstellung von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Maria Männig stellte die Exponate inhaltlich vor. Bernd Carqué von der RPTU und Andreas Böhn vom KIT sprachen zur Thematik und zur Entstehung der Ausstellung.

Info

Die Ausstellung ist bis 13. September 2025 zu den Öffnungszeiten (Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 9 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 Uhr und Samstag 10 bis 14 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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