Kaiserslautern Makellos und voller Wärme

Das Mainzer Kammerorchester präsentierte am Sonntag im Ramsteiner Congress Center etwas ganz Besonderes: ein Programm mit dem Gesangsensemble LaCappella und der Harfenistin Isabelle Müller, die in Ramstein schon mehrmals zu hören war. Mit romantischen Werken aus Deutschland, England, Norwegen und Schweden stimmte das preisgekrönte, fünfstimmige Damen-Ensemble auf die Vorweihnachtszeit ein.
Die wunderbaren, klaren Stimmen der fünf jungen Frauen des Ensembles LaCappella waren nahezu so perfekt produziert und kontrolliert, dass sie mit dem feinsten Pianissimo noch den Hörer in der letzten Reihe erreichten. Ihr Gesang war Klang gewordene romantische Innigkeit und Empfindsamkeit. Selbst in hohen Lagen intonierten sie makellos und voller Wärme, empfindsam beseelt. Das zeigte sich schon in dem Lied „Velkomne med aera“ des Norwegers Geirr Tveitt (1908 bis 1981), das offensichtlich von der norwegischen Folklore und dem französischen Impressionisten beeinflusst ist. Mit traumwandlerischer Sicherheit trafen sie auch bei Gustav Holst (1874 bis 1934) „Two Eastern Pictures“ (begleitet von der Harfe), Joseph Rheinbergers (1839 bis 1901) „Gute Nacht“-Lied und Max Regers (1873 bis 1916) „Mariä Wiegenlied“ den Charakter der Stücke. Einer der gesanglichen Höhepunkte des ersten Sets waren die Romanzen von Robert Schumann (1811 bis 1886), die ein weites Spektrum an Gestaltungsmitteln zeigten und anspruchsvolle, subtile Musik sind. Das Ensemble meisterte diese Romanzen mit Bravour. Ihm glückten Interpretationen, die man als mustergültig bezeichnen kann. Denn Kunstfertigkeit paarte sich hier mit Natürlichkeit, das Gespür für balladeske Dramatik mit volksliedhafter Schlichtheit. Besonders ergreifend war der fünfstimmige polyphone Gesang. Höhepunkt des zweiten Teils war „A Ceremony of Christmas Carols“ von Benjamin Britten (1913 bis 1976), das der Komponist während es Zweiten Weltkrieges schrieb. Auch hier war das Ausdrucksspektrum, das ausgelotet wurde, erstaunlich breit. Das Ensemble spannte einen weiten Bogen der Emotionen und gab jedem Lied einen ganz persönlichen Tonfall. Schon der Einzug der Sängerinnen durch den dunklen Saal mit dem Lied „Procession, heute ist Christus geboren“ war spektakulär. Die Sopranstimme war engelsgleich, die Artikulation der Frauen war deutlich, der Gesang überhaupt geschmeidig und homogen. Harfenistin Isabelle Müller begleitete dabei mit größter Sicherheit und feinster Nuancierung. In ihrem Zwischenspiel waren die Töne so hauchzart wie Wind in den Weiden. Ihre große Kunstfertigkeit stellte Isabell Müller erst recht mit der Fantasie für Harfe solo c-moll, op. 35, von Louis Spohr (1784 bis 1859) unter Beweis. Sie überließ sich dabei quasi dem freien Flug der Fantasie, kehrte aber immer wieder zu sonatenmäßigen Passagen zurück. Pointiert setzte sie die rhythmischen Verschiebungen um, bewies eine enorme manuelle Sicherheit bei den zarten Arpeggien und virtuosen Läufen und schuf dabei eine enorme atmosphärischer Dichte. Mit großer Kompetenz und musischer Hingabe spielten auch Beate Klehr und Isabelle Müller Bachs Sonate C-Dur. Ihr Flötenton klang im Adagio elegisch, poetisch und bezaubernd durchsichtig, herrlich plastisch und mit großer Sensibilität. In den beiden Menuetten blies sie bei intelligent abgestufter Dynamik virtuos und mitreißend. Müllers Harfe begleitete dazu kongenial, mit viel Sinn für klangliche Delikatessen und klare Ausgestaltung der Linien. Begeisterter Beifall war der verdiente Lohn für alle Beteiligten.