Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mackenbach: Die Wandermusikanten als bewegendes Stück Heimatgeschichte

Placeholder-Image

Tiefe Einblicke in das Leben und die Geschichte der Wandermusikanten bot am Donnerstagabend die Lesung mit Musik im Mackenbacher Saal Kaiser. Von Barbara Seeliger vorgetragene Texte und live gespielte Wandermusiker-Stücke erinnerten an die große Tradition. Ein bewegendes Stück Heimatgeschichte des Musikantenlandes.

Das Musikantenland zeigt Flagge und Traditionsbewusstsein: Sehenswerte Museen – etwa in Mackenbach oder auf der Kuseler Burg Lichtenberg –, Publikationen über die Heimatgeschichte der Wandermusikanten sowie bearbeitete Notensammlungen und weitere ausgewertete Quellen sind eine Fundgrube nicht nur für Musiker und Heimatforscher. Der alle drei Jahre vergebene Kuseler Musikantenlandpreis bestätigt die Wertschätzung dieser Musiktradition. Es sei allerdings im Nebensatz nicht verschwiegen, dass sich der Kuseler Kreismusikverband dem Kaiserslauterer angeschlossen hat und nach den Statistiken die Zahlen der aktiven Musiker in den Musikvereinen beider Verbände rückläufig sind. Wir berichteten darüber am 16. März.

Bewegende Auszüge aus Musiker-Biografien

Um so mehr können Veranstaltungen wie die am Donnerstag im Saal Kaiser in Mackenbach weitere wertvolle Impulse geben. Mit Lesungen aus gesicherten Quellen durch Barbara Seeliger, Mitglied des Pfalztheater-Schauspielensembles, und Klangbeispielen aus überlieferten Notensammlungen der legendären Wandermusikanten konnte sich die bereits vierte Veranstaltung dieser Art (zuvor an anderen Zentren des Musikantenlandes) einen regen Zuspruch sichern.

Die musikalische Lesung erinnerte an die „Trafo-Bewerbung“ des Landkreises Kusel, bei der sich im Mai ein Team der Kreisverwaltung mit elf Musikern mit dem „Trafo-Bus“ für die beiden Landkreise für dieses Gemeinschafts-Kulturprojekt bewarb.

Mit eindringlicher Deklamation und in gewandter, geschliffener Rhetorik rezitierte der Gast vom Pfalztheater, Barbara Seeliger, aus sozial- und kulturgeschichtlichen Publikationen (wie Friedrich Kirschenheuter) oder aus persönlichen Aufzeichnungen von Musikern (etwa bei einer Tour mit dem Circus Burton 1862 in Australien). Das ergab ein Bild von den damaligen Begleitumständen, von abenteuerlichen Verkehrswegen auf strapaziösen Reisen. Schließlich lösten autobiografische Werke wie jenes in Ausschnitten vorgetragene von Hermann Moos Betroffenheit aus, rekonstruierten sie doch an lebendigen Fallbeispielen Einzelschicksale vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, sozialer oder familiärer Probleme.

„Schnorranten“ und echte Musikanten

Kulturgeschichtlich erfuhr man den Unterschied zwischen dilettierenden „Schnorranten“ mit geringen Notenkenntnissen und nur kleinem Repertoire, die im Kontrast zu echten Musikanten frei nach Gehör spielten. Und die, das ergab die musikalische Vortragsfolge und die rezitierten Begleitumstände, hatten durchaus beachtliches Konzertniveau und schafften teilweise sogar den Sprung in Sinfonie-Orchester. Schließlich ließ Seeliger noch einen Auszug aus dem eigens entwickelten Vokabular der Wandermusikanten folgen – die sich auch mit selbst für Einheimische ungewöhnlichen, schwer verständlichen Redewendungen und Ausdrücken bewusst abgrenzten.

Die von einem Quartett dargebotenen Klangbeispiele aus Sammlungen von Heinrich Maurer (Pfälzer Volksmusik) und weitere von Oskar Kreischer (Walzer im leicht jazzigen Stil, von Paul Engel bearbeitet) sind eine Musik an der Schnittstelle zwischen Volks- und Kunstmusik. Auch Gattungen wie Polka, Walzer und verschiedene Charakterstücke entfalten ihren melodischen Liebreiz oder ihren tänzerischen Schwung nur, wenn sie so meisterhaft gespielt werden wie hier: Die exzellente Geigerin Antje Scotti-Pollmann nahm sich dieser Kleinodien mit Akribie und Esprit an, spielte sie mit geigerischer Brillanz und Eleganz der Bogenführung und in nobler, betörend schöner Tonkultur.

Peteks Gitarre und Scotti- Pollmanns Violine im Wettstreit

Albert Peteks Gitarrenpart trat dazu in konzertanten Wettstreit, brachte gekonnt Überleitungen und Gegenbewegungen ein und ließ auch auf der Querflöte mit ansprechenden Kantilenen aufhorchen. Birgit Alters sicheres Rhythmusgefühl und deren füllende Akkorde sowie der grundsolide Part des Bassgitarristen Werner Leist (alles unplugged, also mechanische Instrumente) garantierten präzise Abläufe bei sicherem harmonischen Zusammenspiel. Da trafen die versierten Musiker jedes der vielen ausgewählten Musikstücke stilsicher am Nerv.

x