Pirmasens / Mainz
Mädchen-Mord: Angeklagte Mutter spricht von reinem Gewissen
Was sind das für Eltern, die ihre gemeinsame Tochter aus Pirmasens nach Worms bringen, um sie dort im Rhein zu ertränken? Der siebte Verhandlungstag im Mordprozess vorm Mainzer Landgericht brachte interessante Einblicke in die Persönlichkeitsstruktur der beiden Angeklagten.
Im Zeugenstand waren zwei Männer, die den aus Afghanistan stammenden Hasan M. näher kannten.
Mit einem seiner Landsmänner teilte dieser eine Wohnung in der Rodalber Straße – nicht zuletzt deshalb, weil er die Familienwohnung in der Schäferstraße nicht mehr betreten durfte. Das Pirmasenser Amtsgericht hatte schließlich eine Gewaltschutzverfügung gegen ihn erlassen, nachdem er seine Frau mehrfach geschlagen hatte.
Die Trennung von der Familie sei dem Mann nicht gut bekommen, erzählte der Zeuge, der mittlerweile in Nordrhein-Westfalen lebt. Der 31-Jährige sagte, der Angeklagte sei psychisch angeschlagen gewesen. „Er war seelisch so gestört, dass ich Angst vor ihm hatte.“ Auf die Nachfrage des Gerichts, was ihm Angst gemacht habe, berichtete der junge Mann von mehreren Äußerungen des Angeklagten. Hasan M. habe immer wieder gesagt: „Ich möchte meine Frau töten.“ Tötungsabsichten gegenüber seiner Tochter habe er hingegen ihm gegenüber nie geäußert, beteuerte der Afghane via Dolmetscher vor Gericht. Er bezeichnete den Angeklagten als einen Mann, der oft gelogen habe: „Er erzählte unglaubhafte Geschichten. Man konnte ihm einfach nicht glauben.“
Ein notorischer Lügner
Das Bild eines notorischen Lügners zeichnete auch ein weiterer Afghane, der mit Hasan M. im Frankenthaler Gefängnis Zeit verbrachte, mittlerweile aber wieder frei ist. Er sagte: „Hasan hat zu jedem Thema immer zwei oder drei Versionen erzählt.“
Seine mitangeklagte Ehefrau verfolgte die Schilderungen der beiden Landsmänner mehr oder weniger regungslos. Auch als der Mithäftling unterschiedliche Versionen der Tat schilderte, wie er sie von Hasan M. gehört haben will, schüttelte sie lediglich den Kopf.
In Widersprüche verstrickt
Im Gerichtssaal wurden Ausschnitte eines Films gezeigt, bei dem die Ermittler die Tat aus Sicht der Mutter rekonstruiert haben. Dort ist zu hören, wie sie unweit des Tatorts gegenüber Polizisten sagt: „Ich habe kein schlechtes Gewissen. Mein Herz ist sauber.“ Das Gericht konfrontierte sie jedoch mit einer Aussage vom Tag nach der Tat. Aus Handyprotokollen geht hervor, dass sie gegenüber ihrem Mann gesagt habe: „Mein schlechtes Gewissen lässt mich so nicht leben – ich gehe zur Polizei.“ Sie bestreitet nach wie vor die Vorwürfe, hat sich aber in den Ermittlungen in Widersprüche verstrickt. Ihre Verteidigerin stellte in Aussicht, dass sich Maryam M. am nächsten Verhandlungstag erneut äußern werde.
Am Freitag erschien in Mainz auch ein 16-jähriges Mädchen aus dem Winzler Viertel. Sie war eine Schulfreundin der getöteten Roqia M. Die Freundin charakterisierte die Tote als „sehr liebevoll und hilfsbereit“. Roqia habe das Gute in Menschen gesehen. Dann folgte das große Aber. Das habe sich nämlich geändert, als sie falsche Freunde gefunden habe. Durch sie sei Roqia in Kontakt mit Drogen gekommen und kriminell geworden. „Sie wollte da raus“, beteuerte die Zeugin mit Blick auf Roqia und deren neuen Freundeskreis, mit dem sie sich am Exe getroffen habe.
Polizei führt Zeugin vor
Kommende Woche wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird wohl auch eine junge Pirmasenserin auftauchen, die am Freitag nicht beim Landgericht erschienen war. Der Richter verhängte nicht nur ein Ordnungsgeld von 500 Euro (ersatzweise drei Tage Ordnungshaft) gegen die 19-Jährige, sondern sorgte auch dafür, dass sie nicht noch mal einen Termin verpasst. Die Pirmasenser Polizei soll sie zum Mainzer Landgericht bringen.
