Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Luca Munzingers Österreich-Abenteuer geht weiter

Handballprofi Luca Munzinger auf Heimaturlaub in der Sporthalle seines Jugendvereins TuS Dansenberg.
Handballprofi Luca Munzinger auf Heimaturlaub in der Sporthalle seines Jugendvereins TuS Dansenberg.

Nach seinem Wechsel in die Alpenrepublik im vergangenen Sommer zu Rekordmeister Bregenz Handball zieht es den gebürtigen Kaiserslauterer Luca Munzinger (26) nach nur einem Jahr zu Ligakonkurrent Förthof UHK Krems. Die Sommerpause verbrachte er in der Heimat.

Nach dem Ende der Saison 2023/24 beschloss Luca Munzinger, die Sommerpause in seiner Pfälzer Heimat, genauer gesagt im Trippstadter Elternhaus zu verbringen: „Ins „Hotel Mama“ kommt man immer gerne zurück“, sagte der 26-Jährige schmunzelnd. Er nutzte die freie Zeit für einen längeren Heimaturlaub, denn seit seinem Wechsel nach Österreich im vergangenen Sommer sind Besuche bei Freunden und Familie nur selten möglich, besonders ab nächster Saison, denn bis nach Krems sind es über acht Stunden Autofahrt.

In Kaiserslautern hat der Handballer noch immer viele Freunde, allen voran Michael „Zacki“ Zirkel: „Wenn ich hier bin, mache ich viel mit Zacki, er ist mein bester Freund.“ Auch Lucas alter Freundeskreis besteht fast ausschließlich aus Handballern wie Alex Schulze (TuS Nettelstedt-Lübecke), Kian Schwarzer, Tim Schaller, Marc-Robin Eisel (alle Eulen Ludwigshafen), Max Hartz (Saarbrücker Löwen) und Robin Egelhof (TV Homburg). „Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns aus und fahren auch fast jedes Jahr zusammen in Urlaub“, erzählt Luca Munzinger, der noch bis 10. Juli in seiner Heimat blieb: „Das Altstadtfest nehme ich noch mit, als Lautrer muss man das ja“, scherzte der Handballprofi.

„Es war der richtige Schritt“

Munzinger blickt auf seine erste Saison in Österreich zurück und beschreibt seine Eindrücke: „Ich fühle mich in Österreich wohl, es war der richtige Schritt. Ich bin froh, ihn gemacht zu haben. Es ist was ganz anderes, als in Deutschland Handball zu spielen. Vor allem das Play-off-System. In der Hauptrunde geht es nur um die Platzierungen, um eine bessere Ausgangslage in den Play-offs zu haben. Ist mega cool, da dann noch mal ein neuer Reiz in der Liga gesetzt wird. Das motiviert einen, dass jedes Spiel das letzte der Saison sein könnte.“

Dabei lief es für den Rekordmeister nicht wie erhofft. Statt der angestrebten Meisterschaft war schon im Viertelfinale Schluss, ausgerechnet gegen Lucas neuen Verein UHK Krems: „Es war ein komisches Gefühl danach, die Saison war Anfang Mai einfach von jetzt auf gleich vorbei“, beschreibt Munzinger. Für ihn persönlich lief es zu Beginn auf Anhieb gut, doch nach einem schlechten Spiel hatte er kurz mit Selbstzweifeln zu kämpfen: „Ich musste das im Kopf verarbeiten, es war nur ein Spiel.“

Sowohl die Vorbereitung als auch der Start in die Rückrunde waren aus seiner Sicht top, ehe sich der Linkshänder einen Finger brach und operiert werden musste, glücklicherweise an der rechten Hand: „Ich war trotzdem jeden Tag in der Halle, habe mir Würfe genommen oder sonst was gemacht, was ging“, erzählt der Pfälzer, der entgegen der prognostizierten sechs bis acht Wochen bereits nach vier Wochen sein Comeback feiern konnte. „Ich habe gleich wieder gut reingefunden.“

Internationale Einsätze

Bei seinem Wechsel war insbesondere auch die Perspektive, international spielen zu können, ein großer Anreiz. Und Bregenz war überaus erfolgreich im EHF-Cup unterwegs: „Es ist lange her, dass der Verein international in einem Viertelfinale stand. Dadurch konnten wir die enttäuschende nationale Saison ausblenden, weil wir uns international so gut und stark präsentiert hatten. Die Spiele waren große Highlights, vor allem für mich, wo ich ja noch keine internationale Erfahrung sammeln konnte.“

In der ersten Runde setzte sich der Club vom Bodensee wie erwartet souverän gegen den estnischen Vertreter Mistra mit 63:49 (über zwei Spiele) durch, ehe auch der litauische Verein VHC Sviesa nach einem deutlichen Sieg im Hinspiel mit 50:53 geschlagen werden konnte. In der dritten Runde dann die erste große Hürde, Bregenz bekam den norwegischen Topclub Runar Sandefjord zugelost, der in der heimischen Liga bereits Meister Kolstad IL geschlagen hatte. „Da wussten wir, das wird noch mal zwei Nummern stärker“, so der Linkshänder, der sich gerne an die Auswärtspartie im eisig kalten Norwegen im Dezember erinnert.

Lautstarke Fans in Rumänien

„Es war einfach cool, mal eine neue Stadt kennenzulernen, wo man als Tourist nicht hinkommen würde. Es ist einfach ein geiles Erlebnis, einen Tag früher anzureisen, dort zu trainieren und dann zu spielen vor den ganzen Fans.“

Nach einem sensationellen 33:29-Heimsieg reichte im hohen Norden eine 28:29-Niederlage, um das Achtelfinale zu erreichen. „Wir sind wie durch ein Wunder noch mal eine Runde weitergekommen“, fasst der Rückraumspieler die Sensation in Worte. Dort wartete ausgerechnet Ligakonkurrent Krems, den man anders als in den heimischen Play-offs mit 59:56 bezwingen konnte, ehe dann im Viertelfinale gegen den CS Minaur Baia Mare aus Rumänien die Reise zu Ende ging.

Den Grundstein für das Weiterkommen legte Baia Mare in der heimischen Halle vor über 2200 Zuschauern mit einem 37:31-Sieg: „Die Kulisse in Rumänien war der Wahnsinn, es war unfassbar laut. Die Heimfans auf beiden Seiten der Halle haben versucht, sich gegenseitig darin zu überbieten, wer lauter ist“, beschreibt der Linkshänder die Atmosphäre. Auch ein 30:28-Heimsieg vor über 1500 Zuschauern am Bodensee reichte nicht aus, um das Halbfinale zu erreichen.

„Es hat alles gepasst“

Munzinger hatte in Bregenz nur einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben: „Ich wusste nicht, wie mir die Liga gefällt, weil ich sie ja nicht kannte. Ich habe mich aber schnell wohlgefühlt.“ Er wäre gerne am Bodensee geblieben, doch es gab Uneinigkeiten bei den Modalitäten einer Vertragsverlängerung: „Wir kamen nicht auf einen Nenner“, erklärte der 26-Jährige enttäuscht. Dann kam Ligakonkurrent Förthof UHK Krems, der schon zwei Jahre zuvor, vor Munzingers Wechsel zum TV Großwallstadt, den Kontakt zu ihm gesucht hatte, auf ihn zu: „Es hat alles gepasst. Ich habe schnell gesagt okay, dann geht die Reise in Krems weiter. Da der Trainer mich schon vor zwei Jahren angefragt hatte, wusste ich, die scouten mich schon länger, wissen, wer ich bin und wollten mich unbedingt haben. Das gibt einem Wertschätzung. Das ist sehr wichtig, dass man das spürt“, erklärt Munzinger die Beweggründe für den Wechsel.

In der kommenden Saison will er mit seinem neuen Team, mit dem er am 15. Juli in die Vorbereitung startet, Meister werden und freut sich insbesondere auf die Duelle mit Ex-Club Bregenz: „Da will man sich natürlich noch mal mehr beweisen, will sich gut präsentieren und zeigen, schaut, was ihr verloren habt.“

Auch nach der Profikarriere möchte der gebürtige Lauterer „irgendetwas im Sport machen. Egal welche Sportart, da kann ich mich schnell für begeistern. Was genau, da mache ich mir aktuell noch keinen Druck und schaue einfach, was sich in den nächsten Jahren entwickelt und welche Tür sich öffnet. Jetzt will ich erst mal in Krems ankommen und dort, wenn es gut läuft und alles passt, auch mal länger bleiben.“

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