Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Linken-Kandidatin Lena Edel: „Wir brauchen mehr Ärzte und Lehrer“

Nimmt den dritten Anlauf für ein Landtagsmandat: Lena Edel von den Linken.
Nimmt den dritten Anlauf für ein Landtagsmandat: Lena Edel von den Linken.

Ob Lena Edel künftig die Abgeordnetenbank in Mainz drückt, hängt von ihr selbst kaum ab: Die Linke muss den Einzug in den Landtag schaffen. Dann aber stehen Edels Chancen gut.

Mit 29 Jahren schon ein alter Hase: Genau das ist Lena Edel. 2015 trat die „waschechte Lautrerin“ den Linken bei, seit 2019 sitzt sie im Stadtrat. Für die Landespolitik hat sie sich jedoch schon früher interessiert – und zwar aktiv: Bereits 2016 und 2021 bewarb sie sich für ein Mandat in Mainz. „Die Chancen waren noch nie so gut wie jetzt“, meint sie auf die Frage, ob die Linke die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Und für diesen Fall würde Edel, die auf Listenplatz drei steht, im dritten Anlauf endlich ihren Traum verwirklicht haben.

Sorge bereitet der Lehramtsreferendarin, dass der soziale Zusammenhalt immer mehr verloren geht. „Es wird immer mehr nach unten getreten, nach Sündenböcken gesucht – und das spaltet“, lautet ihre Beobachtung. Sie fordert mit ihrer Partei eine „klare Kante gegen rechts, Rassismus und Sexismus“. Gegen Angriffe, vor allem in den sozialen Medien, habe sie sich inzwischen „ein dickes Fell zugelegt“. Eine Vermögenssteuer – „erst ab einer Million Euro!“ – könnte zum Nutzen der Allgemeinheit verwendet werden, zum Beispiel um Straßen oder Schulen zu sanieren, nennt sie ein Beispiel, mehr für die Gesamtgesellschaft zu bewirken.

Mehrere Mittel gegen zu hohe Mieten

Ein großes Thema, für das sich ihre Fraktion auch im Stadtrat immer wieder stark macht, ist Wohnen. „Die Miete macht mittlerweile oft über die Hälfte des Einkommens aus“, beschreibt sie ein Szenario, das sie gern ändern möchte. „Mit der Mietwucher-App der Linken kann man für etliche Städte errechnen lassen, ob die eigene Miete zu hoch ist, ob Mietwucher vorliegt“, nennt Edel einen ersten Schritt dagegen. „Allerdings ist Kaiserslautern nicht in der App, denn uns fehlt ein qualifizierter Mietspiegel für den Vergleich“, bedauert sie. „Mietwucher“, wenn die Miete also um 50 Prozent über der ortsüblichen liegt, „ist eine Straftat“, macht sie klar. Doch auch ohne Mietspiegel könne man die Miete mit Nachbarn beispielsweise vergleichen. „Und sich gegebenenfalls zusammenschließen.“

Mehr Genossenschaften und kommunale Wohnungsbaugesellschaften sowie mehr sozialen Wohnungsbau sieht Edel als Weg zu niedrigeren Wohnkosten. Dass „die Bindung für sozialen Wohnungsbau in Rheinland-Pfalz nach 25 Jahren endet,“ müsse geändert werden.

Durch Praxis kam sie zur Lehrtätigkeit

Die 29-Jährige, die vom Studium der Mathematik und Wirtschaftswissenschaften in Kaiserslautern nach Aushilfslehrtätigkeit an der Kurpfalz-Realschule plus auf Mathe und Chemie als Lehramt wechselte, hat 2024 ihren Abschluss gemacht. „Nach eineinviertel Jahren an der Realschule plus in Miesau bin ich jetzt im Referendariat an der BBS I.“ Politisch motiviert und engagiert ist sie schon seit ihrer eigenen Schulzeit am St.-Franziskus-Gymnasium, wo sie als Kurs- und schließlich Stadtschülersprecherin erste Erfahrungen sammelte. Zwischen Grünen, SPD und Linken pendelnd entschied sie sich 2015 für die Linke.

Unterstützung beim Wahlkampf bekommt sie, wie schon zuvor, vom langjährigen Mentor, dem Stadtratsfraktionschef Stefan Glander. Andere Unterstützer haben gewechselt: Hündin Lucy ist leider nicht mehr dabei, dafür nun „Mischling Zia und Border Collie Karl“. Auf die passen auch mal ihre Eltern auf, mit denen sie in einem Haus wohnt. Pause von der Politik macht sie auch beim Lesen von Romanen oder Treffen mit Freunden.

„Der Numerus clausus bei Medizin ist hinderlich“

Aber natürlich kommt sie auch da nicht komplett an politischen Themen vorbei. Dass man inzwischen „bis zu einem halben Jahr auf einen Arzttermin warten muss“, will sie nicht hinnehmen. „Es gibt zu wenig Ärzte“, konstatiert sie. Zu lösen sei dies nur, indem man „mehr Studienplätze einrichtet, das wurde verschlafen“, kritisiert sie, „nicht nur in der Medizin, auch im Lehramt“. Die Studiengänge müssten attraktiver werden: „Der Numerus clausus ist hinderlich. Und drei mal drei Wochen Praktikum in der Schule im ganzen Studium reichen nicht, um sich ein Bild vom Lehrberuf zu machen.“ So komme es, dass laut GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) 5000 Lehrkräfte im Land fehlten. „Bildung hängt leider immer noch vom Geldbeutel der Eltern ab.“ Deshalb fordert sie mit den Linken, das „Bafög zu erhöhen oder andere Förderungen einzurichten“.

Info: Wahlkreis 44

Der Wahlkreis 44 umfasst die kreisfreie Stadt Kaiserslautern ohne die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie ohne die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt.

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