Kaiserslautern Lichter der Großstadt

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Raus ins Grüne oder rein ins Museum, das muss sich nicht ausschließen. Auch wenn die Räume in der Berliner Alten Nationalgalerie beengter sind: Der Ausflug an den Badesee ist auch hier zu haben. Bilder von nackten Nymphen an den Moritzburger Seen eines Max Pechstein treffen auf die blonde Badende von Renoir und seinen üppig „Blühenden Kastanienbaum“. Im- wie Expressionisten zog es ins Freie zum Malen von Landschaft, Licht und Lebenslust.

Mit dem Motiv der Badenden beginnt der Auftritt der großen Freilichtmaler des Im- und Expressionismus auf der Berliner Museumsinsel. Stilistisch scheint sie auf den ersten Blick wenig zu verbinden. An der frischen Luft sammelten sie allerdings beide gern Licht- und Farbeindrücke, postierten ihre Staffeleien im Garten von Giverny oder im Berliner Tiergarten. Neben der Natur faszinierte sie aber vor allem die Stadt, ihr nächtlicher Glanz, die schillernde Begegnung in Cafés, freizügiges Ballett oder Kabarett. „Malen wir das Naheliegende, unsere Stadt-Welt, die tumultuarischen Straßen, die Eleganz eiserner Hängebrücken, die Gasometer … die Koloristik der Autobusse und Schnellzuglokomotiven, die wogenden Telefondrähte ... und dann die Nacht … die Großstadt-Nacht“, formulierte Ludwig Meidner 1914. Der Stadt-Apokalyptiker war ein Dramatiker des Expressionismus. Die Künstler dieser Stilrichtung feierten in ekstatischen Bildern Mensch und technischen Fortschritt, blinkende „Straßenlaternen“ oder Freizeit-Vergnügungen. Die moderne Großstadt spielt in der Schau „ImEx“ eine wichtige Rolle. Entwickelte sich doch auch der Impressionismus, also die „Eindruckskunst“ in einer Metropole – in Paris und Umgebung zwischen 1860 und 1870. Verbunden ist sie mit Größen wie Claude Monet und Edouard Manet, mit lauschigen Wintergärten und Seerosenteichen. In Deutschland nahmen Max Liebermann und Max Slevogt die Anregungen aus Frankreich auf, pinselten impressionistische Villen und Landhäuser mit blumigen Gärten. Doch keine Reaktion ohne Gegenreaktion. Dem stimmungsvollen Getüpfel setzten die Expressionisten Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „Ausdruckskunst“ entgegen. Mit fahrigen Gesten und schräger Farbgebung schufen sie kantige Mädels oder aufgetakelte Kokotten am „Potsdamer Platz“ in Berlin. Beiden Stilrichtungen gemeinsam ist der anti-akademische Affront. Schon die französischen Impressionisten übten skizzenhaft und spontan den Aufbruch in die Moderne, bevor die deutschen Expressionisten noch eins draufsetzten. Nun kann man im gesamten Mittelgeschoss der Nationalgalerie den direkten Vergleich anstellen. „Die Ausstellungen zum Thema sind Legion. Das Neue dieser Schau ist, dass beide Stile komplementär gehängt und gemeinsam zu betrachten sind“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin. Gut 160 Werke – 100 aus der eigenen Sammlung und 60 Leihgaben –, finden zueinander. Es ist ein interessanter Dialog der Moderne, dessen Kraut- und Rüben-Hängung in den Hauptsälen allerdings gewöhnungsbedürftig anmutet. Wer auf Hans Herrmanns biedermeierliche Ansicht des „Potsdamer Platzes im Jahr 1894“ stößt und auf Kirchners Gemälde des Schauplatzes, sieht einen Weltenwandel und keinerlei Verbindungen außer dem Motiv. Ähnliche Motive wie die Stadt, Tiere, Tanz oder Freizeit im Grünen, bilden die Grundlage der Bilderauswahl, die in den kleineren Räumen viele gelungene Paarfindungen präsentiert. „Die Übereinstimmungen zwischen Impressionismus und Expressionismus sind trotz konträrer Ansätze überraschend groß“, findet die Ausstellungskuratorin Angelika Wesenberg. „Diese Bilder sollten provozieren: durch das scheinbar Flüchtig-Unfertige die einen, durch eine Vorliebe für das Wild-Undeutliche die anderen.“ Subjektivität und Individualität des Pinselduktus waren den Künstlern beider Stile heilig, Farbexzesse und Lichterlebnisse, eine Konzentration auf das Sichtbare und die konkrete Umwelt nicht minder. Um dies zu beweisen, gelangten kaum gezeigte Werke aus den Eingeweiden des Depots ans Tageslicht. Unbekannte Künstler wie Curt Hermann oder Hans Looschen, lohnende und weniger lohnende Entdeckungen sowie alte Bekannte, für die sonst kein Platz ist. Wie dringend ein Museum der Moderne in Berlin benötigt wird, lässt sich beim Rundgang angesichts von Karl Schmidt-Rottluffs „Mädchen vor dem Spiegel“ und anderen Hochkarätern ermessen. Auch Gemälde vergessener Malerinnen schnuppern die verdiente Frischluft. Ins Auge stechen Maria Slavonas realistisch gesehene „Häuser am Montmartre“ (1898) oder Jakob Steinhardts monströse „Stadt“ (1913), in der Tumult und Tod sich in schrägen Straßenschluchten begegnen. Mit dem „Unbehagen an der Zeit. 1913“ am Vorabend des Ersten Weltkrieges klingt die Schau aus, die den Aufbruch von Im- und Expressionisten in die Moderne einmal anders beleuchtet. Die Ausstellung Alte Nationalgalerie, bis 20.9., dienstags bis sonntags 10-18 Uhr (donnerstags, freitags, samstags bis 20 Uhr); www.imexinberlin.de

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