Kaiserslautern Leser-Erinnerungen an den 11. September 2001: „Nichts ist mehr so, wie es einmal war“

Feuerwehrleute klettern über die Trümmer des Marriott-Hotels und des in sich zusammengefallenen zweiten Turms nach dem Terrorans
Feuerwehrleute klettern über die Trümmer des Marriott-Hotels und des in sich zusammengefallenen zweiten Turms nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center.

Eine ganze Reihe von Leserinnen und Lesern ist unserem Aufruf gefolgt und hat Erinnerungen an die Terroranschläge des 11. September 2001 mit uns geteilt. Das Ereignis jährte sich in der vergangenen Woche zum 20. Mal.

Amerikanische Familie für ein paar Tage aufgenommen

An besagtem Termin war ich nachmittags zwischen Mannheim und Stuttgart im ICE unterwegs zu einer Tagung in Tübingen. Im Zugabteil nutzten einige Reisende, darunter auch ich, die an den Sitzen vorhandenen Radioanschlüsse. Als die erschütternden Nachrichten durchdrangen und rege ausgetauscht wurden, entstand unter allen Mitreisenden ein einmaliger Schockzustand. Aber auch Nähe und ein sehr empathisches Zusammengehörigkeitsgefühl lagen in der Luft.

Selbstverständlich war auch die Tübinger Tagung von den Eindrücken des Terrorattentats betroffen, zumal etliche Teilnehmer aus Übersee angereist waren. Ein Wissenschaftlerehepaar mit Sohn konnte wegen des eingeschränkten Flugverkehrs zunächst nicht in die USA zurückkehren. Wir luden die drei zu uns nach Trippstadt ein. Hier verbrachten unsere Familien einige Tage in intensiven Gesprächen, die uns menschlich sehr viel näher brachten. Auch Ausflüge, unter anderem zum Luitpoldturm auf dem Weißenberg, sowie gemeinsame Gartenarbeiten, sind bleibende Erinnerungen. Ein zweites Mal derartig zur Völkerverständigung beizutragen, muss dennoch nicht sein. (Eckhard Friauf, Professor am Fachbereich Biologie der TU Kaiserslautern, Trippstadt)

Auf einer Autobahnraststätte mit den Eltern telefoniert

Als ich zum ersten Mal von den Geschehnissen in New York hörte, war ich in meinem Auto auf der Autobahn von der Uni Saarbrücken nach Kaiserslautern. Im Autoradio kamen auf allen Sendern Unterbrechungen mit den News. Bei der ersten Gelegenheit hielt ich an einer Raststätte an und telefonierte aus einer Telefonzelle zuerst mit meinen Eltern in Kaiserslautern. Dann telefonierte ich mit unseren Verwandten in North Carolina. Die standen genauso wie wir unter Schock. Zuerst noch dachte man an einen Unfall, dann wurde aber klar, dass der Schrecken durch Terroristen verursacht wurde. Zum Glück war niemand in unserer Familie direkt betroffen. Aber die Sache ging einem nach, besonders am Abend, als man die Bilder und die Sondersendungen auf allen Sendern sah. Da wurde langsam klar, dass dies alles große Folgen von historischer Bedeutung hat. (Jochen Schöfer, Kaiserslautern)

Unschönes Ende einer schönen Urlaubsreise

Wir waren zu dieser Zeit in Tunesien in Urlaub. Als wir an der Getränke-Bar die schrecklichen Bilder im Fernsehen sahen, dachten wir im ersten Moment, es wäre ein Unfall gewesen. Aber dann kam ja nach und nach die schreckliche Nachricht von einem Attentat, und unsere letzten Urlaubstage waren nicht mehr so unbeschwert und fröhlich wie sonst immer. Vielen anderen Urlaubsgästen ging es genauso. Am 11. September denke ich immer an diesen Urlaub. Über ihn kann ich mich leider nicht so freuen, wie bei allen anderen Urlauben. So schrecklich waren die Bilder und Nachrichten damals. (Wolfgang Baumhacker)

„Wie die Kamikaze-Flieger der Japaner im Krieg“

Damals war ich 34 Jahre alt und mit meiner heutigen Ehefrau Dina im Karstadt einkaufen. Ein Freund begegnete uns dort und fragte uns aufgeregt, ob wir schon gehört hatten, was in den USA passiert war. Wir verneinten dies, und er erzählte uns, dass „irgendwelche Verrückte mit Flugzeugen in Gebäude gerammt seien – wie die Kamikaze-Flieger der Japaner im Krieg“. Wir konnten mit dieser Information zuerst nicht viel anfangen, da es uns zu absurd erschien. Erst zu Hause, nach dem Anschalten des Fernsehers und der 20-Uhr-Tagesschau sowie der sich anschließenden Sondersendung wurde uns klar, was los ist. Wir waren geschockt, da wir die Millenniumsfeier in New York verbracht hatten und dort auch im Januar 2000 auf dem World Trade Center waren. Das ließ mir einen kalten Schauer über die Schulter laufen. Erst im Jahr 2005 besuchten wir wieder die USA und sahen, dass das Land sich sehr verändert hat. (Jürgen Schäfer, Kaiserslautern)

„Schauen die hier jetzt Katastrophenfilme?“

Ich kam in mein Stammlokal Benderhof und der Fernseher lief, was außergewöhnlich war. Es liefen die inzwischen berühmten Bilder von den Twin Towers. Mein erster Gedanke war: Schauen die jetzt hier Katastrophenfilme? Es war so unwirklich. Erst nach zweimaligem Nachfragen kapierte ich, dass die Bilder echt waren. Wir alle waren entsetzt und sprachlos. (Wolfgang Dobner, Kaiserslautern)

„Die Freiheit und die Leichtigkeit sind verflogen“

20 Jahre sind vergangen, die Erinnerungen sind wach, als wäre es gestern gewesen. Als Personalreferent des Personaldirektorats der US-Luftwaffe war ich während meiner Dienstzeit (1981 bis 2017) etliche Male zu Lehrgängen und Konferenzen in vielen Teilen der USA, unter anderem im Verteidigungsministerium, dem Pentagon, in Washington D.C.

Der sogenannte 9/11 war ein regulärer Arbeitstag, ein Dienstag, als wir kurz nach 15 Uhr (9 Uhr Ortszeit) die Nachricht erhielten, ein Flugzeug sei um 9.02 Uhr (Ortszeit New York) in den Südturm des World Trade Centers gelenkt worden und dieser sei am Einstürzen. Kurz zuvor war der Nordturm von einem Flugzeug getroffen worden.

Wir schalteten die Fernseher ein und sahen das ganze Ausmaß der Verwüstungen. Kurz darauf kam die nächste Schreckensmeldung: Ein weiteres, mutmaßlich gekapertes Flugzeug der American Airlines, eine Boeing 757, sei gegen 9.40 Uhr Ortszeit in das Gebäude des Pentagon gestürzt. Dort traf es den frisch renovierten und noch im Bau befindlichen Teil des Pentagon, dessen Büroräume nur spärlich besetzt waren. Sofort versuchten wir, unsere Kolleginnen und Kollegen telefonisch oder per E-Mail zu erreichen, was uns nur zögerlich oder gar nicht gelang. Die Sorge war groß. Erst viele Stunden und Tage später haben wir erfahren, dass es in unserem Bekanntenbereich keine Toten und Verletzten gab, doch die Bestürzung, Wut und Trauer waren immens.

Bei diesem feigen Terroranschlag wurden fast 200 Personen (Militärs und Zivilisten) getötet, 72 mussten zum Teil schwer verletzt in die Krankenhäuser gebracht werden, 800 wurden leichter verletzt und ambulant behandelt.

2004 war ich erstmals nach dem Anschlag wieder im Pentagon. Die Spuren waren noch immer sichtbar. Eine Gedenkstätte („09/11 Memorial“) wurde im Gebäude errichtet, mit den Namen und Erinnerungstücken der Opfer. Ich habe eine Kerze angezündet und die Broschüre „The Pentagon Attack“ erhalten.

Seit „9/11“ ist für uns alle nichts mehr so, wie es einmal war. Das Herz der USA und der freien Welt wurde auf das Empfindlichste getroffen. Die Bedrohungen sind überall zu spüren. Die Freiheit und die Leichtigkeit sind verflogen.

Vor allem war zu befürchten, dass auch der Flugplatz Ramstein, besonders das Hauptquartier, in dem sich unsere Büros befanden, das Ziel eines weiteren Terroranschlags sein könnte. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden massiv erhöht, sowohl in Ramstein und der gesamten „Kaiserslautern Military Community“, als auch bei den Flugreisen in die USA und besonders in den USA. Die Dienstpläne wurden geändert, so dass wir in den ersten Monaten nach dem Anschlag, 24/7 – im Schichtdienst – im Einsatz waren – Militärs und Zivilisten (US- Amerikaner und deutsche Zivilangestellte).

Als mittlerweile 70-jähriger Ruheständler bin ich froh, nicht mehr diesen immanenten Gefahren ausgesetzt zu sein. (Ottmar Frenger, ehemaliger Mitarbeiter des Personaldirektorats der US Luftwaffe)

„Ich glaube, der Dritte Weltkrieg bricht gerade aus“

Für meine Familie und mich war es überhaupt schon ein sehr trauriger Tag: Meine Mama verstarb am 6. September und wurde am 11. September 2001 zu Grabe getragen.

Ich vergesse nie, als wir von Friedhof heimkamen und mein Sohn die Treppe runter kam und sagte: „Mama, ich glaube, der Dritte Weltkrieg bricht gerade aus.“ Wir haben zwar den Fernseher eingeschaltet, aber so richtig realisieren konnten wir das an diesem Tag nicht. Erst ein oder zwei Tage später verstanden wir, was da geschehen war. Für mich wird also der 11. September 2001 unvergessen bleiben. (Ruth Kuhn)

In der Sitzung direkt den Fernseher eingeschaltet

Am 11. September 2001 hatten wir eine Aufsichtsratssitzung in meiner Firma. Plötzlich wurden wir von einem Kollegen unterbrochen, der uns mitteilte, was eben passiert ist. Sofort haben wir den Fernseher eingeschaltet und das aktuelle Geschehen miterlebt. Wir waren alle geschockt über die Ereignisse. Unser Aufsichtsratsvorsitzender, der damalige Oberbürgermeister Bernhard Deubig, nahm sofort Kontakt mit seinen Mitarbeitern im Rathaus und den amerikanischen Verbündeten in Ramstein auf, um nähere Informationen zu bekommen. (Peter Lembach)

„Alle waren fassungslos und vom Geschehen betroffen“

Ich arbeite in einer größeren Zahnarztpraxis in Kaiserslautern und habe damals recht schnell mitbekommen, welche Katastrophe sich da ereignete.

In all unseren Zimmern gab es Fernsehgeräte und wie immer war ein großer Nachrichtensender eingeschaltet, und jeder – egal ob Zahnarzt, Patient oder Mitarbeiter – war gleichermaßen geschockt. Der Tag musste irgendwie aber weitergehen, keiner konnte ein anderes Gespräch führen, alle waren fassungslos und vom Geschehen betroffen.

An den darauffolgenden Tagen war überall eine beklemmende Stimmung, nicht nur in der Praxis. (Christiane Herz)

Mit „Angst im Nacken“ auf dem Heimweg gemacht

Es war ein Dienstag. Wir, das heißt, der Radfahrverein Landstuhl, etwa 20 Personen, fuhren wie jeden Dienstag mit den Rädern in einen anderen Ort in der Westpfalz. So auch an jenem Tag nach Mackenbach. Einkehr unserer Gruppe war in einer dortigen Gaststätte, wo wir angemeldet waren. Das war so gegen 15 Uhr. Wir parkten unsere Räder vor dem Haus. Die Ersten unserer Gruppe gingen schon in das Lokal. Plötzlich schrie einer: „Kommt schnell herein, was da passiert ist!“ Wir stürmten alle in das Lokal und sahen auf dem laufenden Bildschirm das Geschehen. Alle standen wie versteinert vor dem Fernseher. Einer setzte sich. lch weiß nicht, ob ich dort noch etwas getrunken habe. Ich machte mich schnell auf den Heimweg – mit der Angst im Nacken, so etwas könnte auch auf der Air Base in Ramstein passieren.

Daheim angekommen, saßen meine 93-jährige Mutter und eine Nachbarin tränenüberströmt vor dem Fernseher. Sie rief immer wieder: „Diese armen Menschen!“ Auf dem Bildschirm sah man die brennenden Gebäude und wie Menschen aus dem Gebäude in die Tiefe sprangen. Erschütternde Szenen!

Dieser 11. September war ein so einschneidendes Ereignis in meinem Leben, das ich nie vergessen werde. Am 20. Jahrestag werden diese schrecklichen Erinnerungen wieder lebendig. (Hannelore Kuhn, Steinwenden)

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