Kaiserslautern „Leben und Glauben zusammenbringen“
Kottweiler-Schwanden. Zum christlichen Glauben hat Anja Sachs schon früh gefunden, doch einen Beruf hat sie erst später daraus gemacht. Seit vier Jahren ist sie nun als Gemeindereferentin der katholischen Pfarrei Heiliger Wendelinus der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach tätig. Geboren in Rodalben, aufgewachsen in Pirmasens und jetzt wohnhaft in Kottweiler-Schwanden ist sie nach Zwischenstationen ihrer Heimat und auch ihren Eltern wieder nähergerückt.
„Ich erinnere mich, dass der Glaube schon da war, als ich noch ein Kind war. Ich habe ihn schon damals als Bereicherung empfunden“, sagt Sachs. Die Gemeindereferentin der katholischen Pfarrei Heiliger Wendelinus ist in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem Gebete und Abendrituale selbstverständlich waren. Diese hat die 42-Jährige aus Kottweiler-Schwanden verinnerlicht, sodass sie bis heute eine Rückschau auf jeden Tag in Form eines Gebets hält. Obwohl sie sich in ihrer Kindheit und Jugend in der örtlichen Kirchengemeinde engagiert, kommt sie erst nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin auf ihren jetzigen Beruf. Im Alter von 17 Jahren zieht sie mit der Mittleren Reife in der Tasche nach Speyer um, um dort an der Erzieherinnen-Fachschule ihre Ausbildung zu machen. Anschließend arbeitet sie sieben Jahre lang in einem kommunalen Kindergarten und in einem Hort in der Vorderpfalz. In ihrer Freizeit bringt sich die junge Frau ehrenamtlich in der dortigen Kirchengemeinde ein und lernt die Eheleute kennen, die beide als Gemeindereferenten tätig sind und sie auf diesen Beruf aufmerksam machen. „Ich hatte ihn vorher einfach nicht auf dem Schirm“, erzählt sie und zuckt lachend mit den Schultern. Mit 27 Jahren gibt Sachs ihrem Leben eine neue Wendung. „Es war eine schnelle Entscheidung“, sagt sie im Nachhinein. Sie bewirbt sich beim Bistum Speyer als Gemeindereferentin und schreibt sich an der katholischen Fachhochschule Mainz für den vierjährigen Studiengang Praktische Theologie ein. Daran schließt sich ein Praktikum an, das sie für ein Jahr lang in die Nordpfalz bringt. Sie wirkt in einer Pfarrei in Lambrecht mit, bevor sie sich für die Stelle in der Westpfalz entscheidet. Die Nähe zu ihren Eltern, aber auch Land und Leute, die sie sich vor ihrer Bewerbung angeschaut und kennengelernt hat, sind ausschlaggebend. „Ich bin angenommen und angekommen, nicht nur in Kottweiler-Schwanden, sondern in der ganzen Pfarrei“, resümiert sie diese vier Jahre nach ihrer Ankunft. 14 Orte, acht Kirchen und sieben Kirchengemeinden gehören zu ihrem Zuständigkeitsgebiet. „Die Pfarrei ist relativ groß und ich bin ein kleiner Teil von vielen“, lenkt sie den Blick auf die anderen Menschen, die ihren Teil zum Gelingen und zum Weitertragen der Botschaft Gottes beitragen. „Viele sind nötig, die ihre Ideen und ihre Zeit mit einbringen und so der Kirche ein buntes Gesicht geben“, ist Anja Sachs überzeugt. Zu den Aufgaben der Gemeindereferentin gehören die Vorbereitung der Erstkommunion, die pastorale Begleitung zweier Kindertagesstätten, der Religionsunterricht an zwei Grundschulen, das Halten der Ansprachen bei Beerdigungen und das Mitorganisieren von Gottesdiensten für Kinder und Familien. Fasziniert ist sie von unterschiedlichen Menschen und Gruppen, die sich miteinander auf den Weg machen. „Dabei können schöne Dinge herauskommen. Das wirkt nach außen und ist zu spüren.“ Als Beispiel führt sie die wöchentlichen Familiengottesdienste in der Fastenzeit in diesem Jahr an, die immer an anderen Orten abgehalten wurden und, wie sie sagt, in einer „überwältigenden Osternacht“ mit einem Osterfeuer gegipfelt haben. „Ich glaube, dass solche Dinge ihre Wirkung haben“, sagt sie. „Über Wochen ist das Gemeinschaftsgefühl gewachsen. Es ist ein Stück weit gelungen, Leben und Glauben zusammenzubringen.“ Eine weitere Aufgabe von Sachs ist die Seelsorge. Wenn Menschen in Lebenskrisen auf sie zukommen, stellt das für sie keine Belastung dar. „Ich wünsche mir, dass sie mich ein Stück weit heiler verlassen, als sie gekommen sind“, zitiert sie den Satz eines Ausbilders, um ihr Tun zu umschreiben. Dass sie dabei manchmal an ihre eigenen Grenzen und die ihres Glaubens stößt, ist für Sachs unabdingbar, um andere Blickwinkel zu eröffnen und neue Antworten zu finden. „Ich glaube, dass Glaube ein permanentes Auseinandersetzen mit dem eigenen Glauben ist, gepaart mit einem Blick in die Zukunft, der weiter reicht, als der Blick zurück. Das ist unheimlich befreiend“, sagt die Gemeindereferentin. Die Serie Er ist rot, er zieht sich durch und er verbindet: In der Reihe „Der rote Faden“ geht es um Menschen aus der Region. Jeder Porträtierte entscheidet, wer als nächstes vorgestellt wird. Diesmal reicht Anja Sachs den Faden an Markus Marhöfer weiter.