Kaiserslautern
Lautern gewinnt in Dresden: Nie mehr Dritte Liga!
Dass „das Endspiel“, das zweite Relegationsspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen die SG Dynamo Dresden, nicht in der Barbarossastadt, sondern in Dresden stattfindet, das lässt sich hier auf den ersten Blick nicht erkennen: Die Straßen sind schon am Dienstagnachmittag voller FCK-Fans, die ihre Leidenschaft, ihre Treue zum Verein stolz und weithin sichtbar mit rot-weißen Trikots und Schals zeigen. Selbst die Busse der SWK Verkehrs-AG sind mit rot-weißen Fähnchen ausgestattet.
Wer keine der 7500 Karten für das Public Viewing im Fritz-Walter-Stadion ergattert hat und nicht zu Hause am Fernseher sitzt, ist in einer der vielen, vielen Lautrer Gaststätten und Kneipen, um mit Gleichgesinnten um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga zu fiebern. Oder um sich, gegen 19 Uhr, noch in einem Restaurant für den Abend zu stärken. Für die Lautrer jedenfalls ist klar: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt ein junger FCK-Fan. Wie schon am Freitag ist die Stimmung vor dem Spiel ausgelassen und die Leute geben sich siegessicher für die Roten Teufel. Der Wunsch lautet selbstverständlich: Aufstieg. Kaum ein Lokal an diesem Abend zeigt nicht das Spiel. Überall ist eine Farbe präsent: Rot.
Auf dem Weg zum Betzenberg grüßen sich die Fans
Auf dem Weg hoch zum Betzenberg ebenso, hier grüßen sich am frühen Abend die FCK-Fans: Immer wieder hupen Autofahrer (in Trikots) freundlich, wenn sie an Fußgängern (in Trikots) vorbeifahren. Am Treppenaufgang zum Stadion stockt’s ein wenig, innen ist die Stimmung vor dem Spiel bestens. Beispielsweise bei Franz Marquardt, für den ein besonderer Tag ist – nicht nur, weil ein besonderes Spiel ist. Der Ordner und FCK-Fan mit Leib und Seele hat am heutigen 24. Mai Geburtstag und wünscht sich nur eins: „Einen Sieg. Mich hätte heute nichts daheim gehalten.“ Seine Prophezeiung: „Ein 2:1-Sieg für den FCK. Und Boydt schießt das entscheidende Tor.“
Auf zwei großen Leinwänden wird das Fernsehbild im Stadion live übertragen, die Zuschauer schauen von der Nordtribüne aus zu. TV-Ausschnitte, bei denen die schwarz-gelb gekleideten Dresden-Anhänger zu sehen sind, quittieren die Lautrer Fans mit Pfiffen. Die Stimmung ist voller Vorfreude. So auch beim Beigeordneten des Landkreises Südwestpfalz, Peter Spitzer, der eine Viertelstunde vor Anpfiff durch die Fanhalle in der Nordtribüne eilt: Er hat frühzeitig die Feier zum 75. Jubiläum der „Pirmasenser Rundschau“ der RHEINPFALZ verlassen, um noch rechtzeitig zum Spiel da zu sein. „Ich hoffe, dass wir die Chance zum Aufstieg nutzen. Es wäre eine richtige Initialzündung für die ganze Region.“
Die Fans sorgen für Stimmung im Stadion
Anpfiff. Während Fans im Stadion für ordentlich Leben in der riesigen Bude sorgen, ist die Innenstadt um Rathaus, Mall und Fußgängerzone fast wie ausgestorben. Nur wenige Menschen sind hier noch unterwegs, ebenso kaum Autos – weswegen selbst an der Einkaufsmall die Gesänge aus dem Fritz-Walter-Stadion zu hören sind. Scheint, als hänge ganz Kaiserslautern an den Fernsehgeräten. Auch in kleinen Kneipen scharren sich Menschen um Fernseher und kommentieren das Geschehen im Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion.
Mit der Stimmung dort können es die FCK-Anhänger auf dem Betzenberg locker aufnehmen, denn sie fiebern so mit, als würde das Spiel vor ihnen auf dem Rasen ausgetragen; sie scheinen auszublenden, dass sie auf Leinwände blicken. Die Spannung ist in der ersten Halbzeit fast greifbar, auch, weil die Dresdner deutlich besser spielen als am Freitag in Kaiserslautern.
Vorstandsvorsitzender siegesgewiss
Halbzeit. Schlechte Karten hat jetzt jeder, der die Halbzeitpause nutzen will, um im Stadion an eine Wurst zu kommen: Die Warteschlangen sind einfach zu lang. Dafür kann man in der Pause Tobias Frey, den Vorstandsvorsitzenden des FCK, treffen. Er ist sichtlich angespannt, aber gut gelaunt. Klappt’s mit dem Aufstieg? „Selbstverständlich!“
Die zweite Halbzeit läuft. 21.50 Uhr. 0:1 für den 1. FCK! Applaus brandet auf, das Stadion bebt und bis in die Innenstadt sind die Jubelschreie zu hören.
0:2! Das sind nicht die letzten Jubelgesänge an dem Abend, in dieser Woche: Der 1. FC Kaiserslautern spielt in der kommenden Saison endlich wieder in der Zweiten Bundesliga!
