Kaiserslautern
Laufladen-Inhaber: „Der Laufsport ist corona-resistent“
Der Geruch der Renovierung hängt noch in der Luft – es riecht nach neuen Möbeln und Holzspänen. Erst kurz vor der Eröffnung am 3. Dezember wurde alles fertiggestellt. „Wir haben bis um 0.30 Uhr in der Nacht gearbeitet“, berichtet Inhaber Fredy Kolb. Mitten in der Corona-Krise ist er mit seinem Laden vom Altenhof in die Eisenbahnstraße gezogen. Es ist bereits der zweite Umzug in der Geschichte des „Laufladens“. Als Kolb den Laden um die Jahrtausendwende übernahm, war dieser noch in der Glaserstraße und gerade einmal 50 Quadratmeter groß.
Laufen ist für Kolb eine Art Therapie
Dass der gelernte Physiotherapeut damals zum Ladenbesitzer wurde, war Zufall, denn eigentlich wollte sich Kolb mit einer eigenen Praxis selbstständig machen. Kurz davor kamen ihm jedoch Zweifel. „Damals stand eine Gesundheitsreform an“, erinnert sich Kolb, „ich hatte Angst, dass die Krankenkassen die Kosten für die Physiotherapie nicht mehr übernehmen. Genauso war es den Masseuren einige Jahre zuvor ergangen.“ Der Zufall wollte es, dass zur gleichen Zeit der Laufladen zum Verkauf stand. Kolb selbst ist begeisterter Läufer und kannte das Geschäft bereits als Kunde. „Da hab’ ich mir gesagt, dann mach ich halt den Laden.“
Auch wenn seine Befürchtungen bezüglich der Gesundheitsreform letztendlich nicht eingetreten sind, hat er seine Entscheidung nie bereut. „Es freut mich besonders, dass ich einige Leute mit meiner Begeisterung zum Laufen bringen konnte“, erzählt Kolb. „Das ist ja auch eine Art Therapie – jemand der regelmäßig läuft, muss weniger zum Arzt.“
Kolb: „Laufen ist zum Volkssport geworden“
Mit den Jahren habe der Laufsport immer mehr geboomt. „Am Anfang waren die Läufer noch die Verrückten“, erinnert sich Kolb. Das habe sich mittlerweile stark geändert. „Laufen ist zum Volkssport geworden.“ Für die große Nachfrage wurde der Laden in der Glaserstraße bald zu klein, sodass Kolb 2004 an den Altenhof zog. In den neuen Räumlichkeiten hatte Kolb nun 200 Quadratmeter auf zwei Etagen zur Verfügung und damit genug Platz, einen breiten Kundenkreis zu bedienen. „Hier kauft der Profisportler ein, der schon seit 30 Jahren läuft, genauso wie der Hobbyläufer, der es einfach mal ausprobieren will.“ Gerade der Laufsport eigne sich gut zum Reinschnuppern. „Der Laufschuh ist die einzige Investition, die man machen muss“, so Kolb. Gute Mittelklasse-Schuhe gebe es für 140 bis 150 Euro. Das seien auch die Modelle, die am meisten verkauft werden. „Alles andere sind dann Sachen, die man nicht braucht, aber haben kann.“
Die Erfahrung als Krankengymnast hilft
Um den richtigen Schuh für den Kunden zu finden, setzt Kolb seit vielen Jahren eine Laufanalyse ein. Per Video wird dabei das Laufverhalten des Kunden aufgenommen und anschließend analysiert. „Dabei hilft mir meine Erfahrung als Krankengymnast“, so Kolb. Im neuen Laden hat er die Laufanalyse weiterentwickelt. Statt eines Laufbandes gibt es nun eine Laufbahn, die auf dem Boden aufgemalt ist. „Nicht alle Kunden haben sich auf dem Laufband wohlgefühlt“, erklärt Kolb. Der Grund für den Umzug war jedoch ein anderer: In den Räumlichkeiten am Altenhof befanden sich Büro, Lager und Laufanalyse im Untergeschoss, sodass die Mitarbeiter die meiste Zeit dort verbringen mussten. „Wir wollten auch mal aus dem Fenster schauen“, sagt Kolb lachend.
Die neue Lage gefällt dem Inhaber sehr gut
Die lichtdurchfluteten Räume in der Eisenbahnstraße hatte Kolb schon länger im Blick. „Die Lage hat mir gut gefallen. Es ist sehr zentral und hat eine schöne Ecklage zwischen zwei Fußgängerzonen-Übergängen.“ Ende 2019 entschied er sich umzuziehen und traf eine mündliche Vereinbarung mit dem Eigentümer. Doch dann kam Corona und Kolb musste seinen Laden während des Lockdowns schließen. „Ich habe schon überlegt, ob ich wieder absagen soll“, gesteht er. „Der Vermieter hat zum Glück keinen Druck gemacht, also haben wir abgewartet.“ Nachdem der Laden wieder öffnen durfte, lief es für Kolb gut. Viele Leute hätten das Laufen für sich entdeckt und auch viele Sportler seien aus anderen Sportarten zum Laufen gewechselt, da Hallen und Schwimmbäder geschlossen waren. Mit diesem Aufwind im Rücken entschied Kolb: „Wir machen das!“
Der Laufladen-Cup musste 2020 abgesagt werden
Gemeinsam mit der Schreinerei Rahm renovierte er den Laden. Schreiner Max Rahm hat selbst als Aushilfe im Laden gearbeitet und den neuen Laden geplant. „Das Gute ist, dass er den Laden kennt und genau wusste, worum es geht“, sagt Kolb. Bei der Eröffnung seien die neuen Räumlichkeiten gut angekommen. „Alle waren begeistert“, berichtet der Inhaber. „Für die Leute ist es auch angenehm, dass sie nicht mehr die Treppe runter müssen.“ Vom ersten Tag an sei der Laden gut besucht gewesen. „Wir mussten sogar darauf achten, dass nicht zu viele Leute auf einmal im Laden waren.“
Der Laufladen scheint der Krise zu trotzen, dennoch gibt es für Kolb einen Wermutstropfen: Der Laufladen-Cup, den er gemeinsam mit den regionalen Laufsportvereinen ins Leben gerufen hat, musste in diesem Jahr coronabedingt ausfallen. Wie es mit dem Wettbewerb weitergeht, ist bisher unklar. „Im Moment fehlen Sponsoren, um das Ganze wieder auf die Beine zu stellen“, berichtet Kolb.
Doch egal, wie lange die Pandemie noch andauern sollte, bei einem ist sich Kolb sicher: „Der Laufsport ist corona-resistent.“ Schließlich brauche man nur wenig Ausrüstung und könne den Sport überall und jederzeit ausüben. „Auch vom gesundheitlichen Aspekt ist Laufen ideal“, schwärmt Kolb, „besonders jetzt, wenn man den ganzen Tag im Homeoffice sitzt.“