Kaiserslautern Landwirt und Züchter aus Leidenschaft

Alte Lauterer kennen ihn. Zumindest vom Hörensagen. Schließlich ist er der wohl älteste Landwirt innerhalb der Stadtgrenzen. Mit Eugen Schmidt ein Interview zu führen, ist freilich gar nicht so einfach. Nicht, dass der putzmunter wirkende ältere Herr nichts zu sagen hätte, ganz im Gegenteil, sein Gedächtnis funktioniert bestens, selten muss er nach Namen aus früheren Jahrzehnten lange nachdenken und die aktuellen persönlichen Ereignisse kommen ihm behände über die Lippen, stets begleitet von einem spitzbübischen Lächeln.
Nein, er mag einfach nicht soviel preisgeben. Besonders über sein Anwesen in der Mainzer Straße und das auf dem Rotenberg. „Lossense däs weg, däs klingt so angäwerisch.“ Dieser Satz kam häufig über seine Lippen. Ein Mann, der das Unterstatement pflegt und lebt. Wie viele Firmen besitzt er? „Etliche“, kommt als Antwort. Und wie viel Hektar Land nennt er sein eigen? „Hier unten ist’s ein Hektar.“ Nun, „unten“ heißt quasi der Stammsitz der Familie, in der Mainzer Straße 95. Dort sind Stallungen für die Pferde, eine Möglichkeit, um die edlen Vierbeiner zu operieren, was Sohn Wolfgang als Veterinär zuweilen vornimmt, eben das, was zu einem landwirtschaftlichen Anwesen gehört, und das Wohnhaus. Und auch in diesem ist Bescheidenheit angesagt. Voller Stolz führt er in sein kleines Reich im Kellergeschoss, wo Holzscheite im offenen Kamin knistern. „Den habe ich mir extra einbauen lassen“, lächelt er und sieht diesen fast als Luxus an. An den Wänden hängen Utensilien, die den Hausherren als Pferdenarr ausweisen. „Die Pferde haben mich mein Leben lang begleitet. Das ist mein großes Hobby.“ Glänzende Augen kriegt er, wenn er von früheren Pferde-Wanderreisen in ganz Europa erzählt. Von wunderschönen Landschaften, die eben auf dem Rücken der edlen Vierbeiner zu erkunden, eine besondere Freude bereitet habe. Über Eugen Schmidt als Pferdezüchter zu erzählen, hieße Fußbälle auf den Betzenberg zu schießen. Nur soviel: Er war Wegbereiter und Mitbegründer des Pferdezuchtverbandes Rheinland-Pfalz/Saar und stand dem Verband von 1977 bis 1993 als Vorsitzender vor. In einer Laudatio des Verbandes hieß es unter anderem einmal: „Mit viel Sachverstand gelang es ihm, die Pferdezucht über die Landesgrenzen hinaus zu organisieren. Maßgeblich beteiligt war Eugen Schmidt auch an der Schaffung neuer Vermarktungsstrukturen in der Pferdezucht und dem Bau des Pferdezentrums in Standenbühl, der Zentrale und dem Ausbildungszentrum des Verbandes.“ Selbstredend, dass Schmidt eine Reihe hoher Ehrungen erfuhr, so mit dem Deutschen Reiter-Kreuz in Silber und von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mit der Gustav-Rau-Plakette, der höchsten Ehrung. Die Basis für all diese Auszeichnungen in Verbindung mit Pferden legte indes sein eigentlicher Beruf, den er mit Stolz nennt: Landwirtschaftsmeister. Der elterliche Betrieb, mit seinem Vater Robert und dessen Ehefrau Elisabeth, eine geborene Emrich, an der Spitze, war angesiedelt im Bereich Hackstraße/Zeisigstraße. Eugen Schmidt erinnert sich an ein landwirtschaftliches Anwesen mit Hühnern, Schweinen, Kühen und natürlich Pferden. In der Bombennacht am 28. September 1944 wurde das Anwesen völlig vernichtet. Auch alle Tiere verbrannten. In der Steinstraße 48 (heutiges Theodor-Zink-Museum) pachteten die Schmidts ein neues Gelände, der größte Teil davon beheimatete außerdem eine Mälzerei. Eugen Schmidt, als junger Soldat schwer verwundet und nach achteinhalb Monaten aus dem Lazarett entlassen, half tatkräftig mit beim Neuaufbau. Mit dabei auch seine 2010 gestorbene Ehefrau Madeleine, eine geborene Becker. Der Kriegsheimkehrer erinnert sich daran, dass „ich damals schon Interesse an dem Beruf des Veterinärs gehabt habe, aber die Entwicklung hat das verhindert“. Soll heißen: Zupackende Hände waren auf dem elterlichen Hof gefragt. 1950 erwarb die Familie Schmidt das Gelände in der Mainzer Straße 95, eine weitere Grundlage für einen landwirtschaftlichen Betrieb, der im Laufe der Jahrzehnte immer größer wurde. „Ich habe immer dazu gekauft“, erklärt ein Mann seine Maxime, die in ein Unternehmen mündete, das gewiss zu denen gehört, die eine gewisse Einzigartigkeit in Kaiserslautern besitzen. Dem „Bauer Schmidt“ eilte stets der Ruf voraus, sparsam zu sein. Als er darauf angesprochen wird, schmunzelt er, bietet dem Gesprächspartner ein Schlückchen „Kalte Ente“ an – in einem 0,05-l-Gläschen. „Sie müssen noch Auto fahren.“ Die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt er alle noch selbst. Auch wenn er die Nachfolge bei seinen Söhnen Wolfgang (Veterinär und Landwirt) und Gerhard (Landwirt), beide übrigens exzellente Springreiter und ebenfalls hoch angesehene Züchter, bestens aufgehoben weiß. Das weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannte Turnier der RSG Barbarossa Kaiserslautern mit der „Nacht der Pferde“ lockt jedes Jahr tausende Reitsport-Begeisterte auf die parkähnliche, herrlich gelegene Anlage auf dem Rotenberg. Mit Stolz vermerkt der Seniorchef das alles und freut sich, dass „mein Erbe in den besten Händen ist“. Dass unter den acht Enkeln und vier Urenkeln – seine beiden Töchter Hildegund und Gertrud haben auch für Nachkommen gesorgt – jemand dabei ist, der die Tradition der Schmidts in einer weiteren Generation fortsetzen wird, steht wohl zu erwarten. Für die Stabübergabe an Wolfgang und Gerhard hat Eugen Schmidt alles schon geregelt. Bis ins Detail. Doch er will sich noch, sofern die Gesundheit das zulässt, weiterhin nützlich machen. Mit sichtlichem Stolz führt er den Gesprächspartner in sein Arbeitszimmer, wo beide Wände voll sind mit Aktenordnern. In verschiedenen Farben. Für jede Firma eine eigene. Die Büroarbeit erledigt er noch selbst. Nicht per Computer, sondern handschriftlich. Als wir uns verabschieden, mahnt er leise zur Eile: „Ich muss noch nach Saarbrücken fahren, etwas Geschäftliches erledigen.“ Übrigens: Heute wird Eugen Schmidt 89 Jahre alt. Eine große Sause wird’s wohl nicht geben. Zum Einstimmen für die Feierlichkeiten vielleicht eine kurze Kutschfahrt am Morgen ins Eselsbachtal. Eine solche Exkursion bereitet ihm nämlich nach wie vor große Pläsier. Ob er selbst noch reitet? Er lacht: „Schreiben Sie däs blos nät. Däs wär jo Angäwerei.“