Kaiserslautern
Kuult im Cotton Club: Quirlig und nahbar
Zwei gute Bands, ein gelungener Abend und ziemlich viele Gefühle: Die erste halbe Stunde gehörte ganz Sänger Mathis Kloss und seiner Band. Mit seinen ansprechenden, oft abseits der gängigen Klischees liegenden deutschsprachigen Titeln um Liebe, Freundschaft und menschliche Nähe traf er vielfach den Nerv des bis dicht vor der Bühne stehenden Publikums. Knackige Instrumental-Soli und ein ungewöhnlich dickes Lob der erstmals in Kaiserslautern auftretenden Gruppe für die „tolle Location“ sorgten dann weiterhin für eine immer dichter werdende gute Atmosphäre.
Darauf konnte die Band Kuult direkt aufbauen und die vorhandene Stimmung noch weiter vorantreiben. Mit ihren ebenfalls deutschsprachigen Liebes- und Lebensliedern auf sauber gesetztem (Indie-) Pop-Fundament zog insbesondere Chris Werner als quirliger, nahbarer Frontmann mit ausdrucksstarker Stimme die Aufmerksamkeit auf sich. Zusammen mit Gitarrist/Keyboarder Andreas Köckerbauer, Bassist Christian de Crau und Schlagzeuger Marinus Olbrich bot auch Kuult vor allem inhaltsstarke Lieder über menschliche Beziehungen – darunter solche mit kreativen Titeln und Aussagen wie „Fallschirmvertrauen“ (dem Titelsong ihres aktuellen Albums) und das ungemein zu Herzen und direkt unter die Haut gehende „Ein Zeichen“, ein beeindruckendes Lied über Vergänglichkeit und Hoffnung.
Besondere Gänsehaut-Momente
Kein Wunder, dass die Band mit solchen und weiteren wirkungsvollen Nummern wie etwa „Kinder der 90er“ (und das dürften auch die meisten Fans im Cotton Club gewesen sein) ihr Publikum in Kaiserslautern permanent in ihren Bann zog. Da wurde denn stellenweise im Saal ausdauernd getanzt und immer wieder auch ganze Textpassagen laut und auswendig (mit-)gesungen – an einer Stelle sogar ganz ohne Instrumente und völlig ohne Vorgabe des Frontmanns. Das war ein besonderer Gänsehaut-Moment, den sogar der Sänger selbst zu empfinden schien.
Einen weiteren Höhepunkt erreichte das Konzert schließlich, als Chris Werner mitten ins dichte Publikum eintauchte und von dort aus in enger Verbundenheit mit den nun noch mehr begeisterten Fans zeigte, was er stimmlich und eben auch in Sachen nahbarer Performance zu leisten vermag. Werner ist halt ein echter Profi, den auch solche unerwarteten und eigentlich unerfreulichen Ereignisse wie eine zuvor mitten im Cotton Club-Auftritt gerissene Kette nicht aus der Ruhe bringen können. Das dürfte ihm noch zusätzliche Sympathie-Punkte eingebracht haben. Nicht nur deswegen gab es zum Schluss noch einen lautstark geforderten ordentlichen Zugaben-Teil, der den Kuult-Auftritt dann endgültig und sauber abrundete.