Kaiserslautern
„Kupfer“ mit Goldwert: Münchner Duo singt für die Weltverbesserung
Dass da zwei Münchner im Haus waren, war schnell klar. Denn es gab nur zwei Gesellen an diesem Abend, die sich vor der Show erst mal ein Gläschen bayerischen Whiskey genehmigten. Das gibt es wirklich! ,,Der hat ein paar Umdrehungen“, sagte einer der beiden. Nicht weniger Umdrehungen übrigens als ihre mitgebrachten Lieder.
In einer Zeit, in der viele „Arschlöcher“ − um es mit dem deutlichen Wort der Musiker zu sagen – wichtige politische Ämter besetzen und in einer Welt, in der vielerorts Künstlern der Mund verboten wird, sagen die zwei Liedermacher aus München frei heraus, was sie denken: „World let’s hug the A**holes!“ Eine Ansage, die einen kräftigen Hauch von Ironie und Revoluzzer-Geist in sich trägt. Denn wenn das Zweiergespann namens „Kupfer“ eins nicht vorhat, dann ist es die Umarmung derer, die sie attackieren.
Im gut gelaunten Wohnzimmer
„Wir beide seh’n die gleichen Lügen, wir beide seh’n den gleichen Wahn./ Komm’, wir zerren an den Masken, denn mit dir komm’ ich da ran.“ Oder: „Die Angst-Maschinen feuern uns entgegen./ Doch wir werden Helden sein.“ Es sind Zeilen wie diese, die das musikalische Gemisch des Duos zieren, das reinstes Songwritertum mit poppigen Indie-Sounds, elektronischem Retro-Charme und wildgewordenen Grooves vereint.
Fertig ist das, was die selbst ernannten „Songkumpanen“ Stefan Weyerer und Nick Flade seit etwa vier Jahren auf die Unplugged-Bühnen der Bundesrepublik bringen. So auch an diesem Freitag, mitten in einem zwar nicht ganz so gut gefüllten, aber gut gelaunten Konzert-Wohnzimmer des Salons Schmitt.
Alter Wahnsinn in neuem Gewand
Die „Weltverbesserungs-Songs“ spielten sie gleich am Anfang weg und trieben mit der Kraft der „rhythmischen Synchronisation“ eine „Weltverbesserungs-Maschinerie“ an. Dazu gehörten neben „Alleinsein tut nicht Not“ und „Der fette Tanz des Lebens“ vor allem das rhythmisch energische „Zug nach Donezk“ − über Panzer und Soldaten in einem Dorf mit spielenden Kindern, „wo man alten Wahnsinn neu erleben kann“.
„Weyerer hat was zu sagen“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über die intelligent revolutionären und tiefgreifend menschlichen Songs des Kreativkopfs. Der Ex-Berliner und Neu-Münchner hat seine „Weltverbesserungs-Texte“ bereits im Debütalbum „Der fette Tanz des Lebens“ verewigt und verbreitete die Botschaft in allen bewährten Medien. Dazwischen schrieb er hoch gelobte Melodien fürs internationale Independent-Kino und produzierte die Musik anderer Künstler. Flade tingelt bereits seit seinem 17. Lebensjahr als Tournee- und Studiomusiker über die internationalen Bühnen, mitunter an der Seite von Chaka Kahn, Mike Stern und Aura Dione.
Zwei gestandene Profis ihres Fachs also, die sich zwischen all der musikalischen „Weltverbesserei“ nicht den Blick fürs Schöne und Ausgelassene in der Welt nehmen lassen. Nach einem Konzert in Hamburg zum Beispiel, „unter dem Einfluss von absolut legalen Drogen“, betonte Weyerer, entstand die Hymne an die nördliche Hafenstadt, die in ihm den „Frühling im Herzen“ weckte. Die frühlingshaften Melodien dank Flades schöner Klavierbegleitung taten das Übrige und erzeugten ausgelassenes Takt-Schnippen im Raum.
Mitwipp-Nummer und Manifest
So glänzten die Musiker zwei Stunden lang in stimmungsgeladenen Songs − mal gedankenversunken in politisch- und gesellschaftskritischen Anti-,,Arschlöchrigkeits“-Manifesten, mal in leichten Mitwipp-Nummern für die Seele. Zum Beispiel im lockeren Song ,,Der Drummer zählt ein“, auch wenn an diesem Abend der Drummer in Flades I-Pad steckte. Oder mit dem Track ,,Wildes Herz“ über die Versprechen, die man sich in der Jugend gegeben und nie eingehalten hat, samt absolut mustergültiger Western-Gitarre von Weyerer.
,,Im Motor unserer Seele“ gedachte der viel zu früh Verstorbenen. Ein Liebeslied aus Stefans Feder, „Der Glanz“, umarmte mit selten gutem Ausgang. Alles bis aufs i-Tüpfelchen perfekt instrumentalisiert, bis aufs Mark authentisch, aufs Wesentlichste reduziert und bis zum letzten Ton mitreißend, spannend und anders. Sie mögen sich bescheidenerweise „Kupfer“ nennen, verdient hätten Weyerer und Flade aber definitiv Goldstatus.