Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kriminelle Maschen in der Region: Wie man sich vor Betrug am Telefon schützen kann

Betrüger kommen heute oft übers Telefon oder Internet.
Betrüger kommen heute oft übers Telefon oder Internet.

Sie kommen als Polizist, Staatsanwalt oder Finanzberater und wollen angeblich vor Schaden bewahren – in Wahrheit wollen sie nur Geld. Wie man sich vor Betrug schützt.

100.000 Euro: Das ist die Summe, die ein 95-jähriger Lauterer durch Betrug verlor. Mehrere hunderttausend Euro wurden einem 84-Jährigen aus dem Landkreis durch dieselbe Masche aus der Tasche gezogen. Ebenfalls um einen sechsstelligen Betrag wurde eine Seniorin aus der Verbandsgemeinde Weilerbach gebracht. Über 30.000 Euro verlor ein 44-Jähriger Lauterer bei einem vermeintlichen Anlagegeschäft. Und 340.000 Euro ergaunerten Betrüger von einer 46-Jährigen auf ähnliche Art.

Dies sind nur einige der Fälle aus den vergangenen Wochen, mit denen Bürger um ihr Erspartes gebracht wurden. Eine Masche führte in der Region kürzlich mehrfach zum Erfolg: die des falschen Polizisten. „Sein Vermögen sei in Gefahr, Gauner hätten es darauf abgesehen. Der Anrufer trug alles so glaubhaft vor, erzählte mein Schwiegervater, dass er überzeugt war, mit einem echten Polizisten zu reden“, berichtet Monika J. Über mehrere Tage habe der falsche Polizist ihren Schwiegervater am Telefon geschickt ausgefragt und bedrängt, bis der 95-Jährige aus seinem Banksafe Goldbarren im Wert von 100.000 Euro holte. „Die Bankmitarbeiter stünden im Verdacht, gemeinsame Sache mit den Verbrechern zu machen, erzählte man ihm. Er wurde genau instruiert, wie er sich denen gegenüber verhalten soll. Und auch niemand anderem sollte er etwas sagen, denn sonst könnte die Festnahme vereitelt werden.“

Ein Bote in Zivil holt die Goldbarren ab

Damit die „Verbrecher“ keinen Verdacht schöpfen, kam zum angekündigten Zeitpunkt ein Bote in Zivil, um die Goldbarren abzuholen. „Denn das Haus werde von den Verbrechern observiert, hieß es weiter. Erst auf ein Codewort öffnete mein Schwiegervater die Tür.“ Als der „Bote“ dann im Haus war und die Goldbarren gesichtet hatte, „ging plötzlich bei ihm ein Anruf ein: Ein Überfall stehe bevor, und zusammen mit meinen Schwiegervater brachte er sich im Obergeschoss in Sicherheit. Als die beiden wieder runterkamen, waren die Barren weg: Die Tür war nicht richtig geschlossen.“

„Die Masche ist bekannt“, bestätigt Bernhard Erfort, Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz. „Die falschen Polizisten erzählen zum Beispiel: ,Bei einem Verbrecher haben wir einen Zettel mit Ihrem Namen gefunden. Deswegen schicken wir einen Beamten vorbei, um Ihr Hab und Gut zu sichern.’“ Mit sehr häufigen oder langen Telefonaten werden die Betroffenen „unter Druck gesetzt, so dass sie gar keine Gelegenheit haben, jemandem davon zu erzählen“, weiß Erfort. „Die Täter erfragen geschickt, was wo zu holen ist und passen dann ihre Strategie an.“

Fast 1,6 Millionen Euro Schaden 2004 durch falsche Polizisten in Rheinland-Pfalz

Solche Betrugsmaschen finden überregional statt , informiert Dagmar Meyer, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz; es könne jedoch zu Häufungen kommen, wenn Betrüger Rufnummern einzelner Regionen „abtelefonieren“. In Rheinland-Pfalz wurden „2024 insgesamt 1786 Fälle des falschen Polizeibeamten registriert. Bei insgeamt 56 Fällen kam es zu Tatvollendungen mit einem Gesamtschaden von 1.578.175 Euro“, teilt sie mit. Die Westpfalz scheint weniger betroffen zu sein: Das Polizeipräsidium Westpfalz verzeichnete 63 Fälle mit sechs Tatvollendungen und einer Gesamtschadenshöhe von 343.050 Euro. Allein im Januar und Februar 2025 entstand jedoch bei drei erfolgreichen Taten schon ein Schaden von 151.000 Euro.

Mehrfach haben Betrüger, die sich als Polizei ausgaben, von Senioren Goldbarren erbeutet.
Mehrfach haben Betrüger, die sich als Polizei ausgaben, von Senioren Goldbarren erbeutet.

Neben dem falschen Polizisten ist auch die Masche der Schockanrufe sehr verbreitet: „Ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht, und um einen Haftbefehl zu vermeiden, müsse schnell eine hohe Kaution gezahlt werden“, skizziert Erfort sie. Was bei allen Fällen gilt: „Weder ein Polizist noch ein Staatsanwalt wird am Telefon solche Dinge erfragen und Geld fordern! Wenn ein Anrufer etwas über die finanziellen oder familiären Verhältnisse wissen will, sollte man einfach auflegen.“

Die Verbrecher simulieren Anrufnummern, doch 110 ist nicht die Polizei!

Betrüger könnten jegliche Anrufnummer im Display erscheinen lassen, „auch eine Lauterer Nummer“. Erscheint jedoch „110“ im Display, „dann ist es definitiv nicht die Polizei!“, versichert Erfort. Bei verdächtigen Anrufen sollte man auflegen und die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle wählen, „nicht die Rückruftaste, dann landet man wieder beim Täter“, warnt der Polizeisprecher. Auch einen angeblichen Polizisten vor der Haustür sollte man nicht hereinlassen und bei der Polizei anrufen.

Monika J. hätte sich gewünscht, dass ihr Schwiegervater mehr über solche Maschen gewusst hätte, um den Betrug rechtzeitig zu erkennen. Der Vorfall habe sich schon Ende vergangenen Jahres abgespielt, „jetzt bekamen wir die Nachricht von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt wurde“. Ihre Enttäuschung darüber kann sie nicht verbergen, auch wenn sie verstehe, dass es schwer sei, solche Täter zu fassen. Deswegen möchte sie andere warnen. „Von meinem Nachbarn erfuhr ich gerade, dass eine Bekannte durch dieselbe Masche rund 30.000 bis 40.000 Euro verloren hat.“

Doch die Ermittler können auch Erfolge verzeichnen: Im Jahr 2024 konnten „in Rheinland-Pfalz 22 solcher Fälle aufgeklärt und 39 Tatverdächtige ermittelt werden“, informiert Meyer. Beim Abholen der Vermögenswerte schnappt die Polizei zum Beispiel zu.

Der falsche Enkel steckt in einer Notlage und braucht dringend Geld

Die Betrüger kommen nicht nur per Anruf, sondern auch per SMS oder Messenger. Mit Nachrichten wie „Hallo Mama, hallo Papa, ich habe mein Handy verloren. Hier ist meine neue Nummer ...“ versuchen sie unter falscher Identität Kontakt zu dem Opfer aufzubauen. Häufig kommen dann Geldforderungen, aus einer vorgetäuschten Notlage heraus. Statt der angegebenen neuen Nummer sollte man die bekannte Nummer wählen und die Nachricht überprüfen, rät die Polizei.

Die Täter werden mit den technischen Möglichkeiten immer kreativer. Falsche Microsoft-Mitarbeiter behaupten, der Computer sei gehackt und sie wollen den Fehler beheben. Die Polizei warnt: niemals auf telefonische Bitten eine Software installieren, so dass die Verbrecher Zugriff auf das System erhalten! Niemals Zugangs- oder Bankkontodaten herausgeben!

Zum großen Teil sind ältere Menschen Opfer solcher Betrugsmaschen. Doch nicht nur: Als Geschäftspartner, Finanzberater oder neuer Arbeitgeber täuschen Verbrecher auch Jüngere. „Wenn die Angestellte nicht schnell an den mutmaßlichen Geschäftspartner eine Summe überweist, ist sie schuld, wenn der Firma ein großer Auftrag entgeht“, nennt Erfort eine Masche, mit der Verbrecher kürzlich erfolgreich eine Bankmitarbeiterin unter Druck setzten. Zwei Mittvierziger wurden von mutmaßlichen Anlageberatern um ihr Geld gebracht, ein Betrüger erschlich sich das Vertrauen über eine Dating-Plattform. Bei derartigen Betrügereien geht das LKA von überregional organisiertem Verbrechen aus, im Gegensatz zur Masche des falschen Polizisten.

Tipps der Polizei zum Schutz vor Betrug

Gibt sich eine Person am Telefon oder vor der Tür als Polizist aus, bei der Polizei vor Ort nachfragen (Polizeidirektion Kaiserslautern 0631 369-0).

Erscheint 110 im Telefon-Display, ist dies nicht die Polizei!

Polizei oder Staatsanwaltschaft fragen nie am Telefon nach finanziellen oder familiären Verhältnissen. Einfach auflegen!

Bei Textnachrichten von mutmaßlichen Enkeln oder Kindern („Hallo Mama, hallo Papa ...“) die Person unter der bekannten Nummer anrufen. Nennt der mutmaßliche Enkel oder das Kind nicht selbst seinen Namen, misstrauisch werden!

Nie am Telefon Bankdaten oder Online-Zugangsdaten nennen!

Von Online-Bekanntschaften, mutmaßlichen Anlageberatern oder Geschäftspartnern nie zur einer Überweisung drängen lassen.

Vorbeugend: Telefonbucheintrag löschen oder den Vornamen abkürzen, damit nicht aufs Alter geschlossen werden kann; Titel weglassen wegen vermuteten Vermögens.

Weitere Tipps auf der Website der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

x