Kaiserslautern
Kriegserlebnisse und Mundarttexte: Günter Speyer wird 95
Das Mammutwerk „Mein Krieg“ (2021) entstand erst, als er schon 90 war: Da schrieb er drei Jahre lang seine prägende Jugendzeit nieder, die er bis ins junge Mannesalter zwangsweise als Soldat und Gefangener verbringen musste. Es wurde ein Antikriegsbuch erster Güte, trotz folgenschweren Erlebens. Günter Speyer wurde 1927 in Pirmasens geboren. Als er 15 war, kam ein Stellungsbefehl zum Luftwaffenhelfer in Saarbrücken für die gesamte Klasse. Er musste in den Krieg und kam erst im Juni 1947 zurück – nach Stationen in Rostock, Weimar, Breslau, Kiew und Kupjansk, wo er in russischer Kriegsgefangenschaft war. Den letzten Aufenthalt fasst er mit „Überall Verlust, Verwundung, Tod“ zusammen.
Der Weg ins normale Leben war hart: Krankheit als Kriegsfolge, vergeudete Lehr- und Wanderjahre, keine Chance auf den Traumberuf als Musiker oder Literat. Stattdessen besuchte er eine Wirtschaftsschule, wurde Betriebswirt, arbeitete in kaufmännischen Berufen und war von 1976 bis bis zur kriegsbedingten Frührente 1988 Geschäftsführers der Kaiserslauterer Volkshochschule.
Musizieren und schreiben
Klavier und Orgel waren seine Instrumente. In den Hohenecker und Dansenberger Kirchen musizierte er 40 Jahre als Organist in den Gottesdiensten. Neben der Musik war das Schreiben seine Passion. Im Ruhestand legt er so richtig los. Die erste Zuneigung gehörte dem Heimatdialekt. Es entstanden Gedichte und kurze Prosastücke, zahllose Artikel in Print- und Audiomedien, es folgten 16 Preise, darunter häufiger Preise beim Bockenheimer Mundartdichter-Wettbewerb und beim Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe.
Mit zwölf Gleichgesinnten gründete er den Mundartverein Kaiserslautern. Er schrieb Bücher wie „Vun allerhand Leit“ (1984), „Freihändig über die Friedenstraße“ (1994), „Des sieht mer ähnlich“ (1997), „Mit Leib un Seel erlebt“ (2007). und „Alderserschoinung“.1999 verfasst er mit „Hinkelsverkehr“ ein Theaterstück in Pfälzer Mundart. Er steht im Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten und im Literatur-Lexikon Rheinland-Pfalz. Er ist Mitglied beim Literarischen Verein der Pfalz und bei der Bosener Gruppe im Saarland.
Der seit 62 Jahren verheiratete Vater von fünf Kindern, sieben Enkeln und einem Urenkel gab 2013 das reizvolle Kinderbuch „Galin – wie ein Huhn der Massentierhaltung entkam“ heraus.