Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert mit dem Landespolizeiorchester reißt Zuhörer mit

Mitreißend: das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Stefan Grefig.
Mitreißend: das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Stefan Grefig.

Ein Konzert der Extraklasse hat das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz auf Einladung des Kreismusikverbands Westpfalz am Sonntag im Congress Center Ramstein-Miesenbach gegeben. Die Einnahmen fließen der Jugendarbeit des Kreismusikverbandes und der Kreismusikschule Kaiserslautern zu.

Ein Einstieg mit Wucht: Die „Opening Fanfare“ von Guido Rennert mit dem gewaltigen Tusch ließ die Besucher sich nahezu an ihrem Sitz festhalten. Da nieteten die Gesetzeshüter eine wuchtige Klangarchitektur zusammen, bei der die Fanfaren eine energiegeladene Vibration in Dreierpotenz vollführten. Bereits dieser erste Titel war ein Indikator für das hohe Niveau aller Beteiligten. Und: Das war’s auch schon mit der Aggressivität. Denn schließlich sind die Polizisten ja das Auge des Gesetzes.

Eine Zauberin der Melodie

In der Ouvertüre aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß präsentierten sich die 35 Musikerinnen und Musiker unter Leitung von Stefan Grefig als abgeklärte Künstler. Die Art und Weise, wie sie diese eingängigen Melodien zelebrierten, wie sie den Walzer schwungvoll servierten, wie sie einzelne Phrasen besonders betonten, wie sie im Finale nochmals Vollgas gaben, das zog den Hörer unwiderstehlich in einen Sog. Mit ausgetüfteltem Klangfarbsinn und kunstvoller Phrasierungspräzision erforschte der Dirigent die Klangsprache von Strauß bis ins Detail und war dabei mehr an den Hintergründen als an der glanzvollen Oberfläche interessiert. Absolute Transparenz war höchstes Gebot. Jeder Instrumentalist war bestens disponiert. Jeder Ton wurde perfekt ausgeleuchtet.

Einen ersten Höhepunkt bot die brillante Klarinettistin Anne Voit mit ihrem Solo im „Concerto for Clarinet“ von Arti Shaw (Arrangement von Peter Matejcek). Ihre technisch meisterhafte Spielweise, ihre Beweglichkeit und die Sensibilität ihres Tons, die sich zu starker Dynamik entwickelten, waren verblüffend. Das Zwiegespräch dieser Zauberin der Melodie mit der Rhythmusgruppe riss das Publikum ein ums andere Mal mit. Das begleitende Orchester bewies dabei, dass es auch Bigband kann, machte immer wieder mit ideenfunkelnden Überraschungen voller unerwarteter Wendungen auf sich aufmerksam.

Pfiffe durch die Zähne

Dass Wachmänner auch „Freunde und Helfer“ eines schmissigen Marsches sind, bewiesen sie mit dem „Frühlingseinzug“ von Franz von Blon. Um die schönste Zeit des Jahres ging es auch in der „Romanian Overture“ von Thomas Doss. Ein berauschendes rumänisches Frühlingsfest präsentierte sich dabei. Da spiegelte sich die Fusion von mitteleuropäischen, südeuropäischen und orientalischen Klängen voller Kontraste, die harmonisch, melodisch, rhythmisch und auch technisch neue Welten erschlossen. Da parlierten locker die Holzbläser und jubilierte die Piccoloflöte. Zudem animierte der Dirigent seine Musiker immer wieder mit schrillen Pfiffen durch die Zähne. In die Hände klatschen, laute Rufe, Pfeifen versinnbildlichten das wilde Treiben.

Dass in dem Orchester jede Musikerin und jeder Musiker ein brillanter Solist ist, bewiesen die nachfolgenden Stücke. In dem Bigband-Jazz-Stück „John Brown’s Other Body“ von John Oddo beeindruckten die Saxophonisten mit akkuraten Phrasierungen, während die Formation raffinierte Soundschichten übereinander häufte. Joachim Lösch, der auch als Arrangeur in den beiden Stücken überzeugte, glänzte in dem durch Whitney Houston weltberühmt gewordenen Titel „I Will Always Love You“ auf seinem Flügelhorn: behutsam und mit traumwandlerischer Sicherheit und Finesse.

Von Jazz zur „Berliner Luft“

In „Exodus“ aus dem gleichnamigen Film brillierten die Blechbläser, während die Rhythmusgruppe wirbelte wie der Teufel, und die rauputzraue Hammondorgel sich mit kochendem Sound einmischte. Zum Finale blies Joachim Lösch ein lupenreines High-Note-Blowing, dass einem der Atem stockte. Mitreißenden Jazz zelebrierte in „Tequila“ das Saxophon-Quartett mit Fryderik Jona, Jürgen Letter, Martin Zörb und Peter Matejcek, der auch das Arrangement schrieb. Und zum guten Schluss machte die Formationen einen Ausflug in lateinamerikanische Rhythmen, wobei Stefan Grefig 13 Solisten nochmals Gelegenheit gab, sich zu profilieren – mit einer reichen dynamischen Palette und formvollendeten Spannungsbögen. Frenetischer Beifall im Stehen und zwei hinreißende Zugaben folgten: „Music“ (Markus Privat an der Trompete) und „Berliner Luft“.

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