Breitensport
Kohlenhydrat ist nicht gleich Kohlenhydrat – Was Sportler bei ihrer Ernährung beachten sollten
Wer kennt nicht die Bilder, wenn sich Radfahrer vor einer „Tour de France“-Etappe noch eifrig große Mengen Nudeln einverleiben. Immer mit der Prämisse einen möglichen Hungerast, wie damals im Jahr 1998 Jan Ullrich im Kampf gegen den italienischen Kletterkünstler Marco Pantani, zu vermeiden. Ullrich brach ein – und verlor die Tour an den Italiener.
Immer wieder brechen Radfahrer, die während des Wettkampfs etwa 1000 Kalorien je Stunde verbrennen, ein. Deshalb gehören auch Energiegetränke, Reiskuchen, aber auch mal eine Cola zu den Nahrungsmitteln, die ein Profifahrer während eines stundenlangen Rennens zu sich nehmen muss, um der Kalorienzufuhr genüge zu tun. Da Tausende von Kalorieneinheiten während einer Etappe über die Wupper gehen, muss schon ordentlich gefrühstückt werden, auch hier darf die Pasta nicht fehlen. Nach dem überqueren des Zielstrichs geht es dann weiter mit der Nahrungszufuhr.
Kohlenhydrate – das Gold des Radsportlers
Sind Kohlehydrate für den Rennradfahrer Gold, ist es für den Kraftsportler genau umgekehrt. Auf seiner Homepage gibt Heinz Ollesch, ein bekannter Kraftsportler, der Betonkoffer trägt oder LKW zieht, in seinen Ernährungsplan wieder. Er isst äußerst eiweißhaltig und trinkt nach eigenen Angaben etwa sieben Liter pro Tag.
Auch der Deutsche Fußballbund gibt Tipps, wie eine Ernährung gestaltet werden kann und empfiehlt fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag. Jean Zimmer, ehemaliger FCK-Profi, in Landstuhl aufgewachsen, achtet auf die Ernährung. Der Bundesligaspieler von Fortuna Düsseldorf war Kunde von Silke Schirra, Ernährungsberaterin der Firma Bodymed in Ramstein-Miesenbach. „Er war früher, als er beim FCK war, bei mir“, erzählt die 51-Jährige. Ihre Kundschaft beschränke sich eben nicht nur auf Diabetiker oder Personen, die mit dem Gewicht zu kämpfen haben, sondern umfasse auch Profi- und ambitionierte Amateursportler. Zu ihren Kunden zählen auch Hockeyspieler und Rennfahrer. Auch André Bour, Spitzenläufer des TuS Heltersberg, werde von ihr in Sachen Ernährung beraten.
Aber gibt es einen Plan, der für alle Sportler gilt? „Es müssen individuelle Wege gefunden werden. Jeder Mensch und jeder Sportler brauch einen anderen Plan. Für jeden ist etwas anderes gut“, stellt Schirra fest. Doch einige Tipps seien universell gültig. „Reis ist nicht gut. Da sind sogar Nudeln noch besser“, räumt die in Kaiserslautern wohnende Schirra mit dem Irrglauben auf, Kohlehydrat sei immer Kohlehydrat. Am besten ist ihrer Ansicht nach das Naturprodukt Kartoffel. „So hat sich der Mensch auch schon in der Steinzeit ernährt. Die Industriewelt macht es für die Menschen heute natürlich schwieriger.“
Zudem rät sie jedem Sportler einmal in der Woche ein sogenanntes Nüchterntraining am Morgen durchzuführen. Dabei sei es möglich, den Körperfettanteil zu senken, weil der Körper dann eben nicht zuerst die Kohlehydratereserven angreife, sondern sich direkt die Fette, als positiven Effekt, kralle. Doch das Nüchterntraining könne durchaus problematisch werden. Denn der Körper könne arg strapaziert werden, sodass ein leichtes Training durchaus äußerst anstrengend werden könne. Für andere hingegen sei das Training mit leerem Magen optimal. Auch hier gelte, wie generell bei der Ernährung, dass man in sich hinein hören müsse und individuell beurteilen solle, ob Training nüchtern helfen kann, so Schirra.
Zudem empfiehlt Schirra eine Unterstützung mit Vitamin D, das am Natürlichsten über die Sonne aufgenommen wird „Das empfehle ich jedem“, sagt Schirra, die eine Zuführung über Kapseln oder Öle für sinnvoll erachtet, da eine Zusatzzufuhr über die Sonne schwierig sein kann.
Grundsätzlich: Kein Tag ohne Salat und Gemüse
Auch während des Wettkampfs ist Ernährung eine Wissenschaft für sich. „Zu viel Wasser ist nicht gut“, stellt Schirra im Bezug auf Ausdauersportler fest, was gerade für Triathleten, Marathon- oder Ultraläufer wichtig ist. Denn schließlich kann eine zu hohe Wasserzufuhr, gerade bei Ausdauersportlern, zu einer sogenannten Wasservergiftung führen. Dies kann zu körperlichem Unbehagen und Problemen führen. „Langsames Trinken ist gut. Über Isogetränke kann man Energie reinholen“, empfiehlt die Ernährungsberaterin.
Doch es gibt auch Grundsätze, die für alle Sportler gelten. „Es sollte keinen Tag ohne Salat oder Gemüse geben“, erklärt Schirra eine Gemeinsamkeit, die aber nicht nur für die Sportler gilt.