Turnen RHEINPFALZ Plus Artikel Kniebeugen vor dem Spiegel

Achim Wätzold daheim am Schreibtisch, mit Unterstützung seiner kleinen Tochter Elli.
Achim Wätzold daheim am Schreibtisch, mit Unterstützung seiner kleinen Tochter Elli.

Achim Wätzold ist in normalen Zeiten ein extrem bewegter Mann, ist Turner, Trainer, Lehrer und Dozent. Jetzt unterrichtet er im digitalen Klassenzimmer und genießt die entschleunigte Zeit gemeinsam mit seiner Frau Lea und der kleinen Tochter, die just am Frühlingsanfang das Licht der Welt erblickte.

„Anfangs war dies eine völlig neue, absolut ungewohnte, fast schon bedrückende Situation neben der Schule von täglichen Trainings- und Sitzungsabenden mit Lehrgangsmaßnahmen an Wochenenden in einen absolut ruhigen Tagesausklang zu wechseln“, schildert Achim Wätzold, wie sich der weitgehende Stillstand für ihn als aktiven Turner und Trainer beim Turn Team Sickingen, Lehrer am Reichswald-Gymnasium Ramstein, Vizepräsidenten beim Pfälzer Turnerbund und als Lehrbeauftragter für Geräteturnen an der TU Kaiserslautern so anfühlt.

Alternativlos

„Das war und ist natürlich ganz weit weg von meinen eigentlich von mir auch sehr geschätzten Tätigkeiten, aber die Situation ist alternativlos, macht dies erforderlich, und dann versuchen wir natürlich im Sport und an der Schule, das Beste daraus zu machen“, sagt Wätzold, der nun seine Zeit daheim am Schreibtisch verbringt. Als Sportlehrer weiß er, Bewegung, neben möglichst festen Strukturen im flexiblen Tagesablauf gerade in der aktuellen Situation, ist enorm wichtig.

Immunsystem stärken

„Eine lockere Joggingrunde am Morgen oder auch einfach ein gemütlicher Spaziergang am Nachmittag bringen unseren Organismus bei den vielen sitzenden Tätigkeiten in Schwung, stärken unser Immunsystem und sind nebenbei bemerkt auch von Virologen in Zeiten des Coronavirus empfohlen“, so Wätzold. Dies schaffe zudem Entspannung im familiären Umfeld. Die zahlreichen Fitness-Apps, Video-Tutorials und die aus dem Boden spießenden Challenges der Vereine in den sozialen Netzwerken wertet der Sportlehrer als tolle Sache für die Kids und als einen riesigen Fundus an Betätigungsfeldern.

„Bedacht werden muss dabei allerdings, dass die sonst an Sportstätten vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen wie Matten oder freies Umfeld zuhause nicht überall gegeben sind und zudem die Rückmeldungen durch Trainingspartner, Trainer, Coaches fehlen“, ist für Wätzold Vorsicht geboten.

Übungen korrekt ausführen

„Selbst eine einfache Kniebeuge sollte stets korrekt ausgeführt werden, um insbesondere bei hohen Wiederholungszahlen Sportschäden zu vermeiden“, empfiehlt Wätzold, durch einen Spiegel selbst Rückmeldeprozesse zu ermöglichen und bei der Auswahl der Übungen lieber einmal mehr die leichte Variante zu wählen, die absolut sicher beherrscht werde. Auch sei es besser, öfter die Übung zu variieren und beispielsweise Liegestütze in verschiedenen Griffvarianten auszuführen.

Er selbst geht locker Joggen und absolviert daheim kleine Stabilitäts- und Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht. „Ich zwinge mich, die dringend erforderliche Routine im Beweglichkeitstraining einzuhalten“, verweist Wätzold auf einen Punkt, den viele oft vernachlässigen. Rumpfbeugen etwa seien nicht wirklich beliebt.

Jonglieren üben

Dass er die Unterrichtsvorbereitung für den digitalen Unterricht auch für die eigene Fitness nutzt, gesteht Wätzold, gibt aber zu, dass er befürchtet, seine 5. Klasse werde wohl nach der aktuellen Schulschließung besser Jonglieren können als er selbst. „Trotz mehrfachen Übens meinerseits.“

Für Wätzold ist die verordnete Heimzeit, bei allen Tücken und Einschränkungen, allerdings auch ein großer Genuss. Seit ein paar Tagen sind er und seine Frau Lea Eltern einer kleinen Tochter. „Ich ziehe nun den positiven Nutzen aus der Misere und darf die ersten Lebenstage und Wochen meiner Tochter hautnah miterleben, wofür ich mir gerade am Morgen sehr viel Zeit nehme. Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück und etwas Sport geht es dann meist für einige Stunden an den Schreibtisch – ab und an mit kleiner Unterstützung“, sagt er und gibt zu, dass er das Zusammensein der kleinen Familie schon sehr genießt.

Schreibtisch statt Turngerät

Statt Turngerät und Klassenzimmer also nun der heimische Schreibtisch mit einem täglich prall gefüllte E-Mail Postfach, Telefonate, Vor- beziehungsweise Nachbereitung der Unterrichtsmaterialien, ein Stapel Korrekturen. „Nicht wenige Stunden verbringt man auch mit Warten, bis die Lernplattform endlich wieder online ist“, schildert Wätzold, wie seine Tage derzeit aussehen. Das Leben hat gerade für alle einen anderen Weg eingeschlagen, bei Achim und Lea Wätzold hat sich genau an der Weggabelung eine Tochter dazugesellt.

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