Fussball
Karl-Heinz Halters Sehnsucht nach normalen Fußballzeiten
Hätte man Karl-Heinz Halter zu Beginn der Spielzeit 2019/20 prophezeit, dass er mehrere Wochen am Stück ohne seinen geliebten Fußball sein würde, ohne Mannschaftstraining und Spiele, er hätte es für einen schlechten Scherz gehalten, den Propheten keines Wortes mehr gewürdigt. Er ohne Fußball, das Spiel, das ihn schon seit Kindestagen in den Bann gezogen hat, Halter wäre das so absurd vorgekommen wie das Schreibverbot für einen Schriftsteller.
Dass mit dem Coronavirus nicht zu scherzen ist, zeigte sich ziemlich schnell. Von der Champions League bis hinab zur C-Klasse brachte das in China erstmals festgestellte Virus den Spielbetrieb zum Erliegen und Karl-Heinz Halter zum Nachdenken.
Alles verliert an Bedeutung
„Was zurzeit in der Welt abgeht, betrifft jeden“, philosophiert der mittlerweile 61 Jahre alte Fußballtrainer und spricht davon, dass „alles“ im Angesicht dieser Seuche an Bedeutung verliere. Und noch eine andere, in dieser Krisenzeit gewonnene Erkenntnis bringt Halter zum Ausdruck, dass man nämlich den Wert einer Sache oftmals erst dann richtig zu schätzen wisse, wenn sie nicht mehr da sei. „Ich vermisse den Fußball“, sagt der Coach und kommt auf seine Spieler zu sprechen, für die diese Ausnahmesituation etwas völlig Unbekanntes sei. Das treffe zwar auch auf ihn zu, aber er habe als Kind noch die schweren Nachkriegsjahre erlebt, als er froh gewesen sei, wenn er nach Hause gekommen sei und die Mutter ihm ein Stück Brot gegeben habe.
Sehnsucht nach dem Training
In einem mit Halter vor der Pandemie geführten Gespräch hatte der Trainer das mangelnde Engagement einiger seiner Spieler in der Vorbereitung auf den zweiten Saisonteil moniert. Nun aber, so Halter, „wissen die Jungs, was sie am Fußball haben“. Liebend gern würden sie sich jetzt im Training plagen und dem Ball nachjagen.
Natürlich hält Halter auch in dieser zwangsverordneten Fußballpause Kontakt zu seinen Spielern, „per Sprachnachrichten“, und verlangt von ihnen, dass sie sich durch Ausdauertraining zumindest fit halten. Die Saison gleicht momentan einer Hängepartie im Schach, die unterbrochen wurde und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden soll. Und Karl-Heinz Halter wünscht sich sehr, „dass die Runde zu Ende gespielt wird“.
„Wir hätten den Aufstieg verdient“
Bestreiten müsste er mit seiner Mannschaft noch 13 Spiele in der A-Klasse Kusel-Kaiserslautern, die er zusammen mit dem FC Queidersbach vom ersten Spieltag an dominierte. „Wir hätten es verdient, dass wir aufsteigen“, sagt der Coach, der seit dieser Saison das Bruchmühlbacher Team trainiert und mit seiner neuen Mannschaft eine ähnliche Meisterschafts- und Aufstiegsserie wie einst mit dem SV Morlautern anpeilt, den er fast im Durchmarsch von der B-Klasse bis in die Oberliga führte.
Der Rückhalt
Aber seinem Tatendrang sind Fesseln angelegt. In dieser für ihn so schwierigen Zeit gibt ihm wie vielen anderen auch die Familie Rückhalt. Zusammen mit seiner Ehefrau Conny, seiner Tochter, dem Enkelkind und seinen Hunden lebt Karl-Heinz Halter in seinem Haus in Hochspeyer und findet in seinem „2000 Quadratmeter großen Garten“ sein Betätigungsfeld. Zudem unternehme er regelmäßig Rad- und Wandertouren. Trotz dieser sportlichen Aktivitäten habe er „zwei, drei Kilo“ zugenommen, die dereinst im Training mit seiner Mannschaft aber wieder purzeln sollen. Ja, dass bald wieder Normalität in Sachen Fußball herrsche, das wünscht sich Karl-Heinz Halter, dass sich das Coronavirus wie ein böser Spuk verziehen und alles wieder so sein möge wie vor der Seuche.