Kaiserslautern
Kammgarn-Konzert mit Liedermacherin Christina Lux
Lux war offensichtlich glücklich, in einem ihrer ersten Konzerte nach dem Corona-Lockdown wieder auf einer Bühne agieren zu können. Diese positive Grundstimmung übertrug sich auf die zahlreiche Zuhörerschaft.
Die Künstlerin kreierte zusammen mit ihrem vielseitigen Bühnenpartner Oliver George - abwechselnd als Sänger/Gitarrist und Schlagzeuger aktiv - ein Programm, das in jedem Moment, jedem Ton unter die Haut ging. Vom Titelsong ihrer vielbeachteten CD „Leise Bilder“ bis zu „Tag“, den sie fast dadaistisch scattend einleitete und in jazzige Höhen führte, deckte die Musikerin einen Bereich ab, der letztlich weit über das hinaus ging, was „klassische“ Liedkunst ausmacht.
Es waren an diesem Abend insbesondere Lieder mit deutschen Texten von ihrem aktuellen Album, mit dem Lux und ihr ebenbürtiger Co-Musiker das Publikum schon rein über die Texte beeindruckten. Da gab es Philosophisches über das Leben an sich („Was ist, wenn unsere Geschichten nur Bilder sind, die in uns leben und uns weiter bewegen?“), aber auch folgerichtig über den Tod.
Dazwischen ergossen sich kaskadengleich und wirkungsvoll lyrische Gedanken über die Überheblichkeit mancher Zeitgenossen („Was zählt für dich?“), über das Jammern auf hohem Niveau („Heul nicht“) und über falsche Selbsteinschätzung („True Self“). Kein Leerlauf, keine Oberflächlichkeit, purer Inhalt auf hoher musikalischer Ebene.
Gesteigert wurde die Nachdenklich- und Tiefsinnigkeit mitunter noch mit Surrealistischem: „Wenn ich das Meer wäre und du das Land ...“ heißt es etwa. Ja, da wäre man immer füreinander da, nie würde man sich verlieren. Es kommt nicht häufig bei Live-Konzerten vor, dass man an einem Lied wie diesem mindestens noch bis zum nachfolgenden gedanklich angenehm zu knabbern hat.
Angereichert wurde Lux’ Konzert bei aller Ernsthaftigkeit mit ein paar auflockernden „Albernheiten“, wie sie selbst sagte, etwa indem die in Karlsruhe geborene Wahl-Kölnerin urplötzlich auch mal in rheinischen Dialekt verfiel. Gemindert wurde dadurch nichts, im Gegenteil das Gravitätische des Konzerts noch einmal auf leichterer Basis herausgestellt.
Das war inhaltlich ergiebig und persönlich, bis auf ein paar Elektro- Effekte und Passagen musikalisch handgemacht und direkt. Chapeau!