Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kammgarn Kaiserslautern: Bluesmusik-Star Aynsley Lister beweist Altersmilde

Saiten- und Soundtüftler Aynsley Lister begeisterte am Mittwoch in der Kaiserslauterer Kammgarn Foto: VIEW
Saiten- und Soundtüftler Aynsley Lister begeisterte am Mittwoch in der Kaiserslauterer Kammgarn

Bei seinem mittlerweile vierten Gastspiel in der Kammgarn hat der 42-jährige Musiker aus Leicester bewiesen, dass er reifer geworden ist

Lister hatte sein neues Studioalbum „Eyes Wide Open“ dabei. Nach acht Studioalben und regelmäßig ausverkauften Tourneen in ganz Europa muss man dem Musiker, einst als Wunderkind in der britischen Bluesszene gehandelt, eigentlich nicht mehr vorstellen. Der Gitarrist, Sänger und Songwriter hat sich in der Blues/Rock-Szene in den vergangenen 18 Jahren einen exzellenten Ruf erspielt. Bei den British Blues Awards wurde Lister 2014 als „Songwriter of the Year“ und 2015 als „Guitarist of the Year“ ausgezeichnet. Mit „Eyes Wide Open“ verspricht er eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, Musik voller Energie, die im Kern sämtliche Facetten des traditionellen Blues aufweist, wie der Musiker selbst sagt. Im Club untermauerte er seine Reputation, Blues, Rock, Pop und Soul geschickt miteinander zu verbinden. Eingängige Melodien fügten sich nahtlos zusammen. Auch besaß er die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen: Jeder Song zeichnete ein Bild, das eine emotionale Landschaft durch die Augen eines Malers zeigte.

Bereits mit dem Opener „All Of Your Love“ demonstrierte der Brite, wie beseelt seine Gitarrenspielweise ist. Sie erweckte den Eindruck höchster Dramatik und dokumentierte einen derartigen Modulations- und Nuancenreichtum, der sich vor den spür- und hörbaren Einflüssen seiner Vorbilder B. B. King, Peter Green und Eric Clapton nicht zu verstecken brauchte. Solistisch hielt sich Lister aber auffallend zurück. Trotz seiner schier unglaublichen Spieltechnik stand niemals der Gitarrist Aynsley Lister im Vordergrund, sondern immer der jeweilige Song. Stets stellte er sein eigenes Ego in den Dienst der Sache und verstand es genau, wann er als Gitarrist einen Schritt zurück machen musste. Wenn es der Song aber verlangte, brannte er auch sein spieltechnisches Feuerwerk ab. Die Bluesfans jedoch erwarteten diese musikalische Pyrotechnik, die leider zu selten aufblitzte. Auch hatten viele Songs einen schleppenden Rhythmus. Blues-Balladen und Singer/Songwriter-Stücke bestimmten das Programm.

Die Band agierte immer im Volldampf voraus

Die Band, mit Andy Price am Keyboard, Craig Bacon an den Drums und Jono Martin am Bass, hatte jedoch Superkraftstoff getankt, agierte immer Volldampf voraus. Besonders der Keyboarder hinterließ Eindruck, spielte oft auf zwei Manualen gleichzeitig und gewann seinem Spielgerät ungewöhnliche Klangfarben ab. Dazu lieferte der Bass ein knochentrockenes Fundament und der Schlagzeuger wirbelte präzise – wie eine computergesteuerte Maschine. So hatte der Opener als dynamisch groovender Soundozean schon seinen berechtigten Stellenwert. Als Lister zur halbakustischen Gitarre griff und sich am bereit liegenden Bottleneck bediente, brachen die Dämme. Denn was dieser Song „Hyde 2612“ zu bieten hatte, war hochkarätige Klasse. Vom Grove geprägt kam Aynsley Lister mit seinem XXL-Solo zwischen Slide und Fingerfertigkeit an den vorderen Bühnenrand und entfesselte ein 100-Phon-Inferno von hochdifferenzierten Jaul-, Splitter- und Überlagerungsklängen. Rhythmische Modulationen erzeugten atmosphärische Veränderungen. Das war der „Schweinedreck“ mit kurzen Aufheulern, den die Bluesfans hören wollten. Nach einem schleppenden Rhythmus folgte urplötzlich ein abruptes Break mit intensivem Bass-Drum-Antrieb. Als Lister seine Gitarre à la B.B. King zum Singen brachte, brachen alle Dämme.

Rau kam der Sound beim „Cold-Song“

Einer der Höhepunkte war der „Cold-Song“. Rau und ungefiltert kam der Sound, und Lister jagte den Gitarrenton bis zum Gotterbarmen hoch. Da hatte seine Gitarre den typischen Lister-Shuffle und eine bemerkenswerte Blues-DNA. Als sich Keyboarder und Gitarrist den Fehdehandschuh hinwarfen und in einem bestechenden Saiten-Tasten-Dialog sich gegenseitig entflammten, tobte die Menge. Zu oft erwies sich Lister aber als Saiten- und Soundtüftler. Trotz allem ein rundum gelungener Abend.

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