Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Kammermusik aus 15 Ländern im Congress Center

Stippvisiten der musikalischen Art: Jessica Riemer (vorne) und Sora Dietzinger.
Stippvisiten der musikalischen Art: Jessica Riemer (vorne) und Sora Dietzinger.

Unter dem Motto „Eine musikalische Reise durch verschiedene Länder“ hat das Klavierduo Sora Dietzinger aus Mannheim und Jessica Riemer aus Kaiserslautern am Sonntag im Ramsteiner Congress Center ein Sammelsurium an vierhändigen Werken ausgesucht, die alle von der Idee des Singens inspiriert waren. Die beiden bilden seit 2014 ein festes Klavierduo und wurden bereits mit zahlreichen Preisen bei internationalen Klavierwettbewerben ausgezeichnet.

Beginnend mit einer Sonate von Beethoven, über ein „Russisches Lied“ von Rachmaninow, eine Sonata von Poulenc und einem Feengarten von Ravel bis hin zu ungarischen Tänzen und Scott Joplins „Entertainer“ hangelten sie sich durch und knackten dabei manche Nuss. Die beiden verstanden es, konzise musikalische Konzepte zu entwickeln, die sie mit gestochen scharfer Klangpräzision umsetzten. Selbst bei vermeintlich zu Tode gespielten Hits wie den „Ungarischen Tänzen“ von Brahms stellte sich kein Gefühl des Überdrusses ein. So überzeugend natürlich und zugleich klar durchdacht präsentierten sie ihre kurzen Preziosen.

Schon bei Beethovens Sonate op. 6 in zwei Sätzen zeigte sich, dass die beiden Pianistinnen Tiefe in dem Werk herausfiltern und auch klanglich Gesangslinien gestalten können. Sie blieben im Tempo stets fließend, ergänzten sich prächtig in ihren flüssigen Linien und erzeugten eine fröhliche Stimmung. Eine bewundernswerte Klarheit, die das kleinste Detail zum Leuchten bringt, kennzeichnete auch Garbriel Faurés „Berceuse“. Die poetischen, magischen Momente blieben bei diesem Wiegenlied mit ihrem etwas zu harten Anschlag allerdings unterbelichtet. Originell war das Stück „Ein Spanier für Elise“ von Michael Proksch, der Beethovens berühmtes „Pour Élise“ mit spanischen Rhythmen verbunden hat. Gerade wenn es um die technischen Verspieltheiten ging, trumpften die beiden ganz schön auf und man hörte, wie geschickt sie bei allen perlenden Laufkaskaden in der Lage waren, die Melodie herauszuarbeiten.

Im musikalischen Zaubergarten

Ruhig und gefühlvoll im Ausdruck begann Rachmaninows „Russisches Lied“. Die Melancholie und Gefühlsdichte dieses Stücks arbeiteten sie wunderbar heraus. Die Zerrissenheit spiegelte sich in extrem schnellen Passagen. Stringent, fast sachlich, aber mit viel Tiefe spielten die beiden hier. An zwei Klavieren präsentierten die Pianistinnen die Sonata von Francis Poulenc, mit der sie einen Ausflug nach Fern-Asien machten. Trotz der für europäische Ohren ungewohnten chinesischen Töne auf schwarzen Tasten, die für uns atonal klingen, gelang den beiden ein transparentes Klangbild, wobei sie in ihrem lustigen Zwiegespräch auch ihren musikalischen Witz mit schrillen Effekten und plötzlichen Überraschungsmomenten ausleben konnten.

Auch bei Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ war es das Überraschungsmoment, aber auch das Dunkel-Unheimliche, das den Hörer faszinierte. Die Schnelligkeit im Wechsel von Crescendo und Decrescendo, von Dynamik und Effekten von Stimmungen blieb das Geheimnis der beiden Stimmungen. Während Maurice Ravels „Le jardin feerique“ in einen musikalischen Zaubergarten führte und von den feurigen Arpeggien lebte, kosteten sie in Mozarts Sonate KV 19d (1. Satz) die herrlichen Triller aus. Alles klang da punktgenau, und frisch, charmant und mit großer Leichtigkeit außerdem.

Überragende Geigerin

Mitreißend war Schuberts Militärmarsch, virtuos Rachmaninows „Italienische Polka“, bezaubernd perlend Dvoraks Slawischer Tanz op. 72/2 in e-moll. Ein besonderer Höhepunkt aber war der „Polnische Tanz“ von Edmund Severn, den Jessica Riemer auf der Geige zelebrierte, während Sora Dietzinger kongenial auf dem Klavier begleitete. Man merkte, dass da eine überragende Geigerin am Werk war, deren Bogenstrich sehr luftig, deren Spiel akzentuiert, das Vibrato stark reduziert und der Ton von spielerischer Brillanz war. Davon hätte man gern noch mehr gehört.

Ein forsches Tempo gingen schließlich die beiden mit den Ungarischen Tänzen Nr. 4, 5 und 6 von Johannes Brahms an. Das klang nahezu orchestral und war ebenso eine Tour de Force wie der abschließende „Entertainer“ von Scott Joplin. Eine sehr schöne musikalische, aber doch recht oberflächliche, zerrissene Reise. Lieber hätte man sich weniger „Länder“, dafür intensiver „angeschaut“. Herzlicher Beifall, eine Zugabe.

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