Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Tomas Malheiro kam vor 50 Jahren als Gastarbeiter aus Portugal

Immer noch stolz auf die Auszeichnung des 1. FCK: Tomas Malheiro. Foto: VIEW
Immer noch stolz auf die Auszeichnung des 1. FCK: Tomas Malheiro.

Am 9. August sind es genau 50 Jahre, dass Tomas Malheiro in Deutschland lebt. 1969 ging es für ihn mit dem Zug von Portugal aus über Spanien und Frankreich in die Bundesrepublik. Als Gastarbeiter, wie viele andere im Zug auch. Er selbst stammt aus dem Norden Portugals, „fast schon an der Grenze zu Spanien“, aus dem Ort Ancora

„Die erste Gruppe ist dann in Saarbrücken ausgestiegen, die meisten anderen sind nach Frankfurt oder Offenbach gefahren“, erzählt der 76-Jährige. Ihn aber habe es erst nach Mannheim verschlagen, wo ein Schwager wohnte. Dort arbeitete er dann fünf Monate lang als Maler, bevor er seine Frau Maria und die beiden älteren Kinder, Tochter Livia und Sohn David, zu sich nach Deutschland holte. Die nächste Station war Kaiserslautern. Eine Wohnung auf dem Kotten und eine Arbeitsstelle beim Nähmaschinenbauer Pfaff waren bereits zugesichert.

Bei Pfaff arbeitete Tomas Malheiro dann 28 Jahre lang in der Produktion, wurde in Kaiserslautern auch zum dritten Mal Vater. Sohn Tomas wohnt heute immer noch in der Stadt. Der 76-jährige gelernte Schreiner übte diesen Job auch in der Heimat aus. Das einschneidende Erlebnis, warum er sich dazu entschied, nach Deutschland zu kommen, war ein Erdbeben im Frühjahr 1969 im Süden Portugals. Dort arbeitete er zu dieser Zeit. Die Angst sei immer im Hinterkopf haften geblieben. „Kanada oder Deutschland, Hauptsache nirgends, wo es Erdbeben gibt“, das sei das Ziel gewesen, erzählt er.

Familie wohnte auf dem Kotten

In Kaiserslautern angekommen, wohnte die junge Familie dann auf dem Kotten, wie die meisten anderen Portugiesen auch. Neben Sporting Lissabon, seiner portugiesischen Lieblingsfußballmannschaft, wurde er hier bald Anhänger der „Roten Teufel“. Auch bei den 1. FCK Portugiesen war er schnell aktiv, bekleidete später mehrmals das Amt des ersten Vorsitzenden. Vom 1. FC Kaiserslautern gab es für seinen Einsatz 1991 sogar die silberne Ehrennadel samt Urkunde, die er stolz präsentiert.

1987 habe er umgeschult, als Reisebürokaufmann ein eigenes Reisebüro in der Pariser Straße geführt. Probleme mit den Kaiserslauterern habe er nie gehabt: „Durch meine Arbeit bei Pfaff und später im Reisebüro war ich immer in Kontakt mit den Menschen.“ Außerdem sei man durch Lehrer, Pfarrer, die Arbeit und auch die Mitgliedschaft in einem Verein immer integriert gewesen.

Seit 2007 hat er sich aus dem Fußball und dem Vereinsleben zurückgezogen. Jetzt zähle die Familie, vor allem Frau Maria. Gemeinsam mit ihr geht er fast täglich in den Wäldern rund um Kaiserslautern spazieren. uck

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