Kaiserslautern
Kaiserslautern: Seit zehn Jahren erklingt das Carillon der Stiftskirche
Seit zehn Jahren bereichert der Glockenklang des Carillons in der Stiftskirche die Innenstadt. Sieben Mal täglich lässt das Glockenspiel aufhorchen und so manchen Passanten innehalten, um näher hinzuhören. Nicht müde wird Professor Helmut Freitag, Initiator des Carillons, ihm mit ausgewählten Stücken immer wieder neues Leben einzuhauchen.
Die Marktkirche in Wiesbaden war es, die Helmut Freitag mit ihrem Glockenspiel hat aufhorchen lassen, wenn ihn mal wieder ein Orgelkonzert in die hessische Landeshauptstadt zog. „Ich blieb stehen, habe mir das Stück angehört und gedacht, so etwas könnte auch Kaiserslautern gut zu Gesicht stehen“, so der ehemalige Kantor der protestantischen Stiftskirchengemeinde. Das war 2005.
Die Idee, in einem der Türme der bedeutendsten gotischen Kirche zwischen Rhein und Saar ein Carillon zu installieren, ließ den heutigen Musikdirektor der Universität des Saarlandes nicht mehr los. Den Dekanen Karl Heinrich Beck und Karl Friedrich Weber hat er seine Vorstellung von einem Glockenspiel unterbreitet und den Verein „Freunde der Kirchenmusik“ für seine Pläne gewonnen.
Alle Glocken verkauft
Doch wie 400.000 Euro für ein Carillon finanzieren? „Wir haben kräftig die Werbetrommel gerührt“, erinnert sich Helmut Freitag an Vorträge und Benefizkonzerte. Eine zündende Idee kam ihm, jede der 47 Glocken von einem Sponsor übernehmen zu lassen. Verbunden mit einer Inschrift auf der Glocke, einer Glockenzier, die das Leben des Spenders überdauert. „Wir konnten die Glocken alle verkaufen. Angefangen von der größten Glocke mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen bis hin zur kleinsten Glocke mit 17 Kilogramm.“
Zahlreiche Spenden und Fördermittel trugen zur Realisierung des Projekts bei. So stand der Anfertigung der Glocken in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe nichts mehr im Wege. Am 21. Mai, dem Himmelfahrtstag 2009, wurde das Instrument eingeweiht und der protestantischen Stiftskirchengemeinde übergeben.
Einbau nicht einfach
Nicht einfach sei der Einbau des Carillons auf vier Stockwerken in die alte und denkmalgeschützte Bausubstanz der Stiftskirche gewesen, erinnert Helmut Freitag an einen besuchertauglichen Aufstieg hinauf zum Carillon und die Ausgestaltung der Spielkabine. Die ist mit einem Stokkenklavier ausgestattet, das von Hand bespielt werden kann.
Gerne erinnert sich Helmut Freitag an die Anfangsjahre, als er zusammen mit dem damaligen Organisten der Martinskirche, Karl Knöpflen, in der Adventszeit das Glockenspiel vierhändig zum Klingen gebracht hat. „Eine tolle Sache, die zu wiederholen, nichts entgegenspricht.“
Attraktion für Touristen
Einmal monatlich steigt der Carilloneur hinauf in den Glockenturm und programmiert die Musiktitel, die Passanten um die Stiftskirche sieben Mal täglich mit einem zarten Glockengeläut erfreuen. „Viele Menschen schätzen das Glockenspiel und nehmen sich die Zeit, genauer hinzuhören“, so die Beobachtung des Initiators.
Was ihn freut, dass die Stadtverwaltung Kaiserslautern auf ihrer Homepage auf das Glockenspiel aufmerksam macht. Während es für viele Bürger der Stadt schon ein Stück Normalität geworden sei, ist das Glockengeläut für Touristen oftmals eine kleine, feine und klangschöne Attraktion, findet Helmut Freitag.
Offen ist der Kirchenmusiker auch dafür, ausländische Gäste oder besondere Delegationen mit landestypischen Melodien zu begrüßen. Für solche Ideen ist er immer offen. „Weil die Musik vom Turm direkt in die Herzen der Menschen geht.“
Nicht nur Kirchenmusik
Die Auswahl der Musikstücke richtet sich nach dem Kirchenjahr und besonderen weltlichen und kirchlichen Ereignissen. Doch nicht nur Kirchenmusik ist es, die aus dem Turm der Stiftskirche ertönt. Zum Repertoire gehören auch weltliche Titel aus Volksgut und Popmusik.