Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Prägende Jahre in Paris

Der Bildhauer und Grafiker Reiner Mährlein arbeitet viel mit Cortenstahlblech. Hier steht er an seiner 2015 entstandenen Arbeit
Der Bildhauer und Grafiker Reiner Mährlein arbeitet viel mit Cortenstahlblech. Hier steht er an seiner 2015 entstandenen Arbeit »Vestige III«

„Dem Rittersberg-Gymnasium verdanke ich meine berufliche, künstlerische Entwicklung“, lobt der Bildende Künstler Reiner Mährlein seine Schulzeit. Heute macht er Ausstellungen – oft zusammen mit seinem früheren Kunstlehrer Roland Albert.

Wie Albert gehört Mährlein der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK) und der Künstler-Werkgemeinschaft Kaiserslautern, die im Waldschlösschen ihr Domizil hat, an. Die APK ist die traditionsreichste Künstlervereinigung in Rheinland-Pfalz. Sie wurde 1922 gegründet und ihr waren so namhafte Künstler wie Max Slevogt und Hans Purrmann angeschlossen. Heute hat sie mehr als 140 Mitglieder.

In seiner Gymnasialzeit ließen sich bei Mährlein Stärken im Zeichnen und Werken sowie beim plastischen Gestalten erkennen. Gegen Ende seiner Gymnasialzeit wuchs in Mährlein der Wunsch, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen. Die Kunstlehrer – allen voran Roland Albert – hatten seine Talente entdeckt und gefördert. Dennoch folgte nach dem Abitur 1978 erst eine „bodenständige“ Steinmetz-Lehre, ihm schwebte aber der Beruf des Bildhauers vor.

In Stuttgart und Nürnberg bewarb er sich bei den Akademien für Bildende Kunst und unterzog sich einem aufwendigen Bewerbungs- und Auswahlverfahren: Er reichte eine Arbeitsmappe mit Zeichnungen sowie Fotos über plastische Arbeiten ein. Eine Jury traf die Vorauswahl nach dieser Mappe, dann folgte eine praktische Prüfung mit Arbeiten in Akt- und Porträtzeichnungen, Modellieren und freie Komposition sowie einem mündlichen Testgespräch. In Nürnberg wurde Mährlein auf Anhieb genommen.

Über das deutsch-französische Jugendwerk kam Mährlein nach Paris

Die Wende brachte einer Bewerbung um ein Auslandsstudium beim deutsch-französischen Jugendwerk. Es wurde bewilligt und führte Mährlein zu Studien nach Paris. Es blieb acht Jahre. Es waren Jahre der Inspiration, in denen er neben dem Studium Arbeiten für andere Bildhauer ausführte. Nach der Pariser Zeit bezog er ab 1989 ein Domizil mit Atelier in Sambach, weil ihn die familiären Wurzeln zurückzogen. Inzwischen hat er ein altes Bauernhaus in Rothselberg gekauft, renoviert und findet in der angrenzenden Scheune ideale Verhältnisse für seine künstlerischen Arbeiten vor. Als freischaffender Künstler wirkt er bei ausgeschriebenen Wettbewerben mit – etwa „Kunst am Bau“. Der Staat als Bauherr öffentlicher Gebäude hat sich selbst verpflichtet, für einen baukulturellen Anspruch einen gewissen Prozentsatz der Kosten für den Kauf von Kunstwerken einzusetzen.

Bei erteiltem Auftrag kann der Künstler über Honorar und Kostenplanung für die Herstellung verdienen. Wiederholt trug Mährlein so zur Fassadengestaltung durch beigefügte Kunstwerke bei: Dazu verwendet er Cor-Ten-Stahl, der zwar rostet aber nicht verrottet; aber auch Gesteinsarten werden je nach Auftragslage verarbeitet. Die unsichere Auftragslage und die oftmals zu beklagenden „Rückzieher“ privater Interessenten solcher Vorhaben kompensiert Mährlein durch einen Lehrauftrag an der Meisterschule Kaiserslautern und einen weiteren am Heinrich-Heine-Gymnasium für Ergänzungskurse.

Ausstellungen in Berlin, Mainz und Columbia

Mit Ausstellungen in Berlin (2018, Galerie Mönch und dortige Wassergalerie), in der Galerie Mainzer Kunst 2016 sowie 2014 in der if Art Gallery in Columbia hat sich Mährlein einen Namen gemacht. Schließlich gibt er Sommerkurse in Aktzeichnen und Aktmodellieren im Waldschlösschen, die am 8. Juli begannen. Verheiratet ist Mährlein mit Barbara Seeliger, die als Schauspielerin und Theaterpädagogin beim Pfalztheater beschäftigt ist. Im Bauernhaus dreht sich alles um Kunst und Kultur, zumal die Tochter nach dem Abitur eine Ausbildung als Kostümbildnerin anstrebt.

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