Kaiserslautern
Kaiserslautern: Opel macht Alten Aussteige-Angebote und gibt Jungen Job-Garantie
„Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Kollegen die Infoveranstaltung mit gesenkten Häuptern verlassen haben“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende des Opel-Werks in Kaiserslautern, Thorsten Zangerle am Dienstagnachmittag. Zwar werde die Mitarbeiterzahl weiter sinken, dafür die Beschäftigung der verbleibenden Kollegen langfristig gesichert.
Am Mittag informierten Geschäftsführung und Betriebsrat die Beschäftigten des Opel-Werks über den weiteren Stellenabbau und die damit verbundene Beschäftigungssicherung. Wie Zangerle erläuterte, habe es in der Vergangenheit an den Opel-Standorten verschiedene Altersteilzeitregelungen bis zum Jahrgang 1963 gegeben, jetzt sei das vereinheitlicht worden – und mit einer Beschäftigungsgarantie bis 2025 versehen. Wie viele Stellen dadurch konkret in Kaiserslautern abgebaut werden, das sei nicht festgeschrieben worden, so Zangerle: „Das Programm setzt auf Freiwilligkeit, es gibt keine Zuordnungen, wo im ersten Schritt wie viele der 2100 Beschäftigten ausscheiden.“
Die im Gegenzug von Opel zugesicherte Beschäftigungssicherung sei wichtig, betonte Zangerle: „Keiner kann sagen, was die Fusion von PSA mit Fiat-Chrysler für Opel bedeutet.“ Die rund 300 Opel-Auszubildenden an den verschiedenen Standorten erhielten darüber hinaus die Garantie, unbefristet übernommen zu werden. Zangerle: „Ich glaube, wir haben da etwas Gutes geschafft.“
Unsichere Zeiten für die Automobilindustrie
Gerade vor dem Hintergrund, dass „keiner weiß, was in den nächsten Jahren auf die Automobilindustrie zukommt“. Sicher sei nur, dass es viele Veränderungen sein werden. „Ältere Menschen haben da vielleicht eher Probleme damit“, sagte Zangerle. Transformation und die Fiat-Chrysler-Fusion seien also die großen Themen der nächsten Zeit.
Am Standort Kaiserslautern sind laut Zangerle derzeit noch rund 1500 Menschen bei Opel beschäftigt – vorm Beginn der Ausscheidungsprogramme im Jahr 2018 waren es noch mehr als 2000. „Wir haben recht viele Kollegen, die das Programm genutzt haben“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende, „und wir hatten eine sehr hohe Altersstruktur im Werk“. Aus den Jahrgängen 1962 und 1963 seien nicht mehr viele Mitarbeiter im Werk. Perspektivisch könnten das Altersteilzeit- und das sogenannte Senior-Leave-Programm auf die Jahrgänge 1964 und ’65 ausgeweitet werden. Die Talsohle bei der Beschäftigtenanzahl im Werk sei also noch nicht erreicht, so Zangerle.
Ulrich: „Stammbelegschaft wird kleiner“
Alexander Ulrich, Industriepolitischer Sprecher der Linken im Bundestag und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern, bewertet die Beschäftigungsgarantie als „einen Erfolg für IG Metall und Betriebsrat, dass es über einen langen Zeitraum keine betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten geben wird und Mitarbeiter die freiwillig ausscheiden wollen, lukrative Angebote dafür erhalten“. Das Programm führe allerdings dazu, dass die Stammbelegschaften immer kleiner werden – in Kaiserslautern sind laut Ulrich, „bereits in den letzten zwei Jahren rund 1200 Mitarbeiter inklusive Leiharbeitnehmer reduziert worden “.
Entscheidung zur Batteriezellfertigung gefordert
Nun brauche es zügig positive Investitionsentscheidungen, denn nur ausreichend Arbeitsvolumen werde die Werke langfristig sichern. Ulrich: „Gerade auch deshalb wäre es ein wichtiges Signal, dass von Opel/PSA die finale Entscheidung für die Batteriezellenfertigung getroffen wird – zumal die EU-Kommission, Bund und Land grünes Licht für Fördergelder gegeben haben.“