Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Irische Sängerin Lisa Canny verwandelt den Salon Schmitt in ein Irish Pub

Begeistert: Lisa Canny.
Begeistert: Lisa Canny. Foto: maha

Multiinstrumentalistin und Songwriterin mit Hitpotenzial: Lisa Canny (Irland, jetzt London) machte am Sonntag auf ihrer Deutschlandtour mit ihrer Band im Kulturclub Salon Schmitt Station und bot ein energiegeladenes, audiovisuelles Erlebnis erster Klasse! Der Kulturclub präsentierte sich erneut als Auftrittsstätte für internationale Künstler, die ihre Leidenschaft hierzulande verbreiten möchten.

Die Irin ist nicht irgendeine Musikerin. Sieben Mal hat sie die „All Ireland Championship“ gewonnen, sowohl mit der Harfe als auch mit dem Banjo. Aufgewachsen im Nordwesten Irlands begann sie mit dem Banjo-Spiel und kam im Alter von zehn Jahren eigentlich nur durch Zufall zur Harfe, um diese dann wie eine Besessene in Besitz zu nehmen.

Stilverschmelzung zwischen traditioneller Musik und Hip Hop

In logischer Konsequenz studierte sie an der „Irish World Academy of Music and Dance“. Aber die traditionelle Musik war ihr zu wenig und so wagt sie sich in ihren Liedern an eine Stilverschmelzung von Traditionellem sowie Pop und Hip-Hop. Bezeichnenderweise wurde Lisa Canny in der englischen Presse auch schon mal als „Hip-Hop-Harpist“ tituliert.

Der ehemalige Manager der weltweit bekannten Band The Police sprach sie nach einem Konzert an, lud sie zu einem Songwriting mit handverlesenen Künstlern ein. Eine völlig neue Erfahrung für Lisa, die bis dato nur Musik, aber keine Texte geschrieben hatte. Dies sollte der Anfang zur erfolgreichen Solokünstlerin werden. 2015 gelang ihr ein Top-Ten-Hit in Irland mit „Lifeline“.

Reise auf die grüne Insel

Drummer Tod Doyle gibt den Einstimmer und spielt eine Handvoll Folksongs. Und dann ist sie da mit ihrer Bühnenpräsenz und macht schon mit den ersten Tönen klar, dass sie eine tolle Sängerin ist, die ihre Stimmbänder absolut beherrscht. Mystisch getragen schleicht sich der erste Song an, um dann von dem Rhythmus und dem treibenden Banjo davon getragen zu werden. Dann sogleich ein paar traditionelle Jigs, die uns auf die Grüne Insel reisen lassen. Bereits an dieser Stelle wird der Salon kurzerhand zum Irish Pub, aber doch nur für wenige Minuten. Denn Lisa Canny lässt nur kurze Verschnaufpausen zu und wird an diesem Abend eine musikalische Bandbreite präsentieren, die kaum einer erwartet hätte.

Der Bühnenteppich im Salon ist zu klein

In „Hungry“ glänzt sie mit wandelbarer Stimme. Mal glasklar, dann mit einem irren Volumen, obenauf noch ein kleines Vibrato gesetzt, um im nächsten Moment die Worte dann zärtlich gehaucht durch das Mikro zu schicken. Den Popsong über eine falsche Liebe, den falschen Mann interpretiert sie mit einer aggressiv gesungenen Attitüde im Refrain. Keine Frage: Der Bühnenteppich im Salon ist zu klein für Lisa Canny. Doch sie spielt unbeirrt und mit einem Engagement, als ob der Teufel hinter ihr her wäre. Kein einziger Song lässt nur den Hauch von Beliebigkeit aufkommen. Denn neben dem interessanten Stilmix aus Folk, Pop, Rock, Hip-Hop kreiert sie auch interessante Arrangements mit mehrstimmigem Gesang. Die Titel hätten es verdient, sofort im Radio gespielt zu werden.

Versierte Begleitmusiker bereiten den Boden

Lisa Canny beherrscht nicht nur Instrumente und Stimme, sie ist auch noch eine geniale Performerin. Sie kommt einem Feuerball gleich, ein Energiebündel mit langen roten Haaren. Eine Überraschung folgt auf die Nächste. „Crash“ ist eine herrlich soulige Nummer. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Harfe in die verschiedenen Genres einfügen lässt. Das gelingt aber auch deshalb besonderes gut, weil ihre versierten Begleitmusiker den Boden bereiten.

Lisa Canny gelingt es mühelos, selbst oft gehörte irische Traditionals in moderne Rock-Pop-Gewänder zu kleiden.

Die Zugabe: Der Sound der Harfe wird mit einem Looper dicht aufgeschichtet, dann kommt die Band dazu. Gemeinsam träumt man die „Sweet Dreams“ von Eurythmics. Das Publikum ist infiziert und verrückt nach Lisa: „Hey, you are lunatics! – Hey, ihr seid Verrückte!“, ruft sie und gibt eine leicht jazzige Instrumental-Zugabe. Frenetischer Applaus!

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