Kaiserslautern
Kaiserslautern: Feierstunde der Europa-Union im Thedor-Zink-Museum
VON JOACHIM SCHWITALLA
Die umstrittene Richtlinie zur Urheberrechtsreform, die das Europäische Parlament im März verabschiedete, nahm Professor Marcus Höreth, Politikwissenschaftler an der Technischen Universität Kaiserslautern, zum Anlass für „kritische Betrachtungen eines loyalen Europäers“. Bei einer Feierstunde der Europa-Union Kaiserslautern in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) und dem Europa Direkt Informationszentrum hielt Höreth am Dienstagabend in der Scheune des Theodor-Zink-Museums den Festvortrag.
Millionen junger Menschen hätten gegen die Reform des Urheberrechts argumentiert, weil sie für ein zeitgemäßes Urheberrecht seien, wie viele nachdenkliche Liberale, Grüne, Christ- und Sozialdemokraten auch, erinnerte der Festredner. „Viele dieser jungen Menschen sind für Europa, aber sie ärgern sich über die EU-Politiker“, sagte Höreth. Bis kurz vor der Abstimmung hätten sich weltweit anerkannte unabhängige Wissenschaftler gegen diese Reform ausgesprochen, gab er zu bedenken.
Für loyale Freunde Europas sei es keineswegs einfach, die EU von heute als Friedensgemeinschaft, Problemlösungsgemeinschaft und als Demokratie zu verteidigen. Höreth: „Und doch müssen wir genau das tun, denn wir wissen alle: Die EU müsste erfunden werden, wenn es sie nicht schon gäbe.“ Der Politikwissenschaftler wünschte der EU mehr Vertrauenskapital, Kapital, auf dem Demokratie schon immer basiert habe, einen Grundkonsens, mit dem sich Deutsche, Franzosen, Griechen, Italiener, Ungarn, Polen und Holländer unter- und miteinander verbunden fühlten.
Die größte politische Leistung der europäischen Einigung zeige sich darin, dass sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus ehemaligen Feinden erst Vertragspartner und später Freunde gemacht habe, erinnerte er an Robert Schumann, der als französischer Außenminister den Frieden in Europa angestrebt habe. Die EU von heute sei mehr als die Montanunion. In der EU herrsche seit 74 Jahren Friede, weil ihre Mitglieder bei weiterhin bestehenden Interessengegensätzen das Einigende, das Verbindende und das Gemeinschaftliche so stark betonten, so Höreth.
Herhammer: „Ein mutiger und revolutionärer Schritt seiner Zeit“
Zuvor erinnerte Norbert Herhammer, Vorsitzender der Europa-Union Kaiserslautern, an Robert Schumann und dessen Vision von einer neuen Art der politischen Zusammenarbeit in Europa. „Ein mutiger und revolutionärer Schritt seiner Zeit“, so Herhammer. Heute hätten Populisten und Nationalisten ihre Finger im Spiel. Der Brexit, ein britisches Problem, sei bis heute nicht vollzogen. Herhammer warnte vor einem Rückfall in nationalistische Tendenzen und forderte mehr Mut für Europa. Darauf könnten die Wähler bald eine Antwort geben.
Für die Stadt Kaiserslautern wünschte sich Gerhard Degen, der Leiter des Europa Direkt Informationszentrums, dass sich die Bürger noch mehr für eine positive Fortentwicklung der EU begeistern. Mit kreativen Angeboten versuche das Informationszentrum auch politikferne Menschen für Europa zu erreichen. Nur wer gute Argumente habe, könne diese auch glaubwürdig nach außen tragen, lud Degen zu einer Europa-Veranstaltung am kommenden Samstag in der Innenstadt ein.
in Leben ohne Europa sei für sie nicht denkbar, sagte Susanne Zens, Fachbereichsleiterin bei der Volkshochschule Kaiserslautern. Viele Errungenschaften, die Europa den Menschen gebracht habe, seien zum Alltag geworden. In der VHS, wo auch europäische Bildungsinhalte vermittelt würden, trügen Teilnehmer aus vielen Nationen zu einem europäischen Lebensgefühl bei, so Zens.
Musikalische Akzente setzte die Flötengruppe „Pian e forte“ unter Leitung von Miriam Grapp.