Kaiserslautern
Kaiserslautern: Ein Besuch im Warmfreibad
Auch das kann’s im Hochsommer im Warmfreibad geben: 16 Grad im Schatten, ein kühler Wind und im Schwimmerbecken jede Menge freie Bahnen. Die Stammschwimmer genießen die Ruhe. Sie haben ihr Freibad erst neulich ganz anders erlebt: Fast viereinhalbtausend Besucher an einem extrem heißen Wochenende!
„Mittags lassen wir das Bad den Kindern“, lacht Helga Klein, die nach 500 Metern „im herrlich warmen Wasser“ erst einmal Schluss gemacht hat. Spontan zählt sie auf, warum sie sich eine Dauerkarte gekauft hat: die gepflegte Anlage, die Menschen, die sich untereinander kennen, der Förderverein, der für Anregungen immer ein offenes Ohr habe und nicht zuletzt die warmen Duschen sind ihr was wert.
Franziska Kleber und Lea Wetzel, beide Schwimmerinnen in der Wettkampfmannschaft des KSK mit Trainerausbildung, leiten den Schwimmkurs ihres Vereins im Ferienprogramm der Stadt. Die Kurse von Anfänger bis Fortgeschrittene seien alle besetzt, die Bedingungen im Bad perfekt: „Man hat alles im Blick“, beschreibt Franziska Kleber. Das Nichtschwimmerbecken sei groß genug zum Schwimmen.
Der KSK trainiert hier im Sommer
Im Sommer ist der KSK im Warmfreibad zuhause. Hier trainieren die Wasserballer dreimal in der Woche, die Schwimmer trainieren und zum Ferienende gibt’s das Sommertrainingslager. „Das ist unser Bad“, erklärt Mirko Obradovic. Der Bereichsleiter Schwimmen kennt das Warmfreibad mit dem Vereinsheim, das dort schon bald nach der Eröffnung des Bads gebaut wurde, von Jugend an. In seinem Satz „wir planen mit dem Bad“, schwingt die Sorge mit, irgendwo in einer städtischen Schublade könnten doch noch Pläne liegen, das Warmfreibad zu schließen.
Der Gedanke, ausgerechnet das Bad mit den höchsten Besucherzahlen zu schließen, scheint absurd. 2009 hat die Statistik der Stadt dort mit 107.589 Besuchern die bisher höchste Frequenz registriert. Nur einmal – im vergangenen Jahr – musste das Warmfreibad trotz 94.738 Besuchern den Spitzenplatz unter den drei Bädern der Stadt räumen. Nach dem Starkregen, der im Juni überall in der Stadt seine Spuren hinterlassen hatte, blieb das Bad wegen Wasserschadens für zwei Wochen komplett zu.
Der Grund, weshalb das 1972 eröffnete jüngste Freibad der Stadt Jahr um Jahr auf die höchsten Besucherzahlen kommt ist klar: Hier findet – abgesehen von der als nicht optimal erlebten Kiosk-Situation – jeder etwas. Im Schwimmerbecken auf acht 50-Meter-Bahnen oder im 50 mal 25 Meter großen Nichtschwimmerbecken mit Breitrutsche, Wassersprudel und Massagedüsen, Sprungbecken mit Schwimmbahnen, Sprungbrettern und Plattformen, ein Planschbecken und ein Wasserpilz.
Das Bad ist schön gepflegt, loben die Gäste
Marianne Reh, die Enkel Moritz zum Schwimmkurs gebracht hat, schwärmt: „Als Kind bin ich hier groß geworden, ich war jeden Tag hier und liebe dieses Schwimmbad.“ Heute wohnt sie nicht mehr in der Nähe. Umso mehr genießt sie es, in diesen Tagen mit dem Enkel wieder dort zu sein: „Das Bad ist schön, gut gepflegt und vor allem morgens schön ruhig.“
Täglich tausend Meter Schwimmen, der anschließende „Small Talk unter der Dusche“, bedeuten für Erika Simon „eine Stunde Urlaub am Tag“. Ihr Herz gehöre zwar Trippstadt, doch das Warmfreibad sei für sie im Alltag näher. Für Christine Baumann ist das Warmfreibad seit 46 Jahren ihr Bad. Hier war sie als Jugendliche, später mit den Kindern, jetzt mit den Enkeln. Sie würdigt das freundliche Personal: „Die Sandra im Kassenhäuschen hat ihr immer freundliches Lächeln auf den Lippen selbst dann nicht verloren, als sie neulich sechs Wochen am Stück gearbeitet hat.“ Bei Rundgängen über das weitläufige Gelände ist Christine Baumann über die Jahre mit vielen anderen Badegästen ins Gespräch gekommen. Dabei hat sie festgestellt, dass das Bad Menschen, die alleine leben, im Sommer eine schöne Gelegenheit biete für die Kommunikation.
Für Stephanie Dohmen sind – wenn’s das Wetter nur irgendwie zulässt – „jeden Tag mindestens 1200 Meter“ ein Muss. Das Warmfreibad ist ihr Bad von Kind an. „Tolles Becken, tolle Temperaturen, die Stammgäste sind nett und man macht sich untereinander Platz beim Schwimmen“, fällt ihr spontan ein. Die Zeiten, zu denen sich im Sportbecken trotz Hochbetrieb noch die Lücken finden lassen, die der Schwimmer für seine Strecken gerne hat, kennt sie natürlich auch. Aber sie verrät sie nicht.
Info
Nach Angaben der Stadtverwaltung sind im Warmfreibad in den vergangenen Jahren im Schnitt jedes Jahr rund 100.000 Euro an Baukosten angefallen. Das umfasste unter anderem Fließen- und Gehwegreparaturen, Beckenanstrich, Behebung technischer Schäden (Pumpen und ähnliches), aber auch zum Beispiel die Schadensbehebung nach dem Starkregenereignis im vergangenen Frühsommer.