Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Duo „Mon Mari et Moi“ gewohnt witzig

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Es gibt vermutlich nicht viele Musiker, die eine volle Stunde lang im Zug ein fremdes Telefonat mithören und später daraus einen Chanson komponieren würden. Aber schließlich sind Shakti und Mathias Paqué, alias „Mon Mari et Moi“, auch nicht wie viele Musiker. Sie machen aus dem Alltäglichen besondere Lieder im Stil von Hildegard Knef und Jacques Brel – Musik, die verzückt, amüsiert und mitreißt. So wie beim Konzert am Donnerstag im Kaiserslauterer Jugend- und Programmzentrum.

Gibt man bei Google das Wort „Chanson“ ein, dann kommt folgende Definition heraus: „Ironisch-witziges, oft auch kritisches, manchmal freches, leicht sentimentales und melancholisches Lied.“ Und selten passte eine einfache Wörterbuch-Definition so gut zu einem Konzertabend, wie diese.

Das musikalische Ehepaar Shakti (Gesang) und Mathias Paqué (Gesang und Gitarre) verbindet nicht nur die Liebe füreinander, sondern auch die Liebe zum Chanson. Ob Klassiker großer Chanson-Meister oder prächtige Kompositionen aus eigener Feder: Das Duo feiert jede Facette des Genres mit akribischem Gehör, verspieltem Handwerk und vollster Hingabe – mal heiter, mal melancholisch, mal frech, mal sentimental, mal persönlich und mal ironisch.

Entgegen aller Vermutung – angesichts des schönen Bandnamens – singt das Paar seine Stücke aber nicht auf Französisch, sondern hauptsächlich auf Deutsch. Denn in der Muttersprache lassen sich Werke von Jacques Brel und Co. ebenso kunstvoll umdichten, ohne dass dieser unverkennbare „Je ne sais quoi“-Charme verloren geht. Man nehme die bandeigene Interpretation von „Amsterdam“.

Auch bei dem kleinen Stelldichein im JUZ bewies das Duo wieder ein beneidenswertes Fingerspitzengefühl, wenn es um den Charme des Chansons geht. Und obwohl sie nicht französisch sangen, klangen sie doch französischer denn je.

Die beiden Musiker formten ihre Lieder frei nach Lust und Laune und besprenkelten sie mit schönsten Farbklecksen, bis das Schräge, Bunte und zeitweise Skurrile die gesamte Atmosphäre einnahm, in den Bann zog und nicht mehr losließ. Nicht nur vielen Freunde und Bekannten der Band, die quasi neunzig Prozent des Publikums ausmachten, gefiel das wohlige Spiel mit Grenzen, Klängen und Stimmungen. Auch den zwei bis drei Menschen im Raum, die nicht auf irgendwelche Weise mit den Musikern persönlich verbandelt waren, ließen sich von der Musik begeistern. Nicht schwer bei einem derart talentierten und hochgradig sympathischen Duo.

Die kleinen spontanen Momente zwischen Shakti und Mathias Paqué waren mindestens so unterhaltsam wie die Stücke selbst. Besonders als Mathias seinen persönlichen Albtraum auf der Bühne erlebte: Ihm fiel während des Songs „Ein Herr von Belang“ doch tatsächlich das Kazoo aus dem Mund – nur ein paar Sekunden vor Schluss. Rein musikalisch ist das Paar jedoch ein absoluter Traum. Shaktis verrucht tiefe Stimme, die der Stimme der deutschen Grande Dame des Chansons Hildegard Knef immer noch zum Staunen ähnlich ist, erzählte die Geschichten und verführte das Gehör, während Mathias an der Gitarre die atmosphärischen Bilder zeichnete. Mit der selbst geschriebenen Sehnsucht und Fernweh-Ode „Kosmopolit“, dem herrlich ironischen Knef-Klassiker „Von nun an geht’s bergab“ oder sprachlich gewandten Nummern wie „Konjunktiv für Zwei“ sorgten die beiden hier und da für leichtes Schmunzeln, leises Kichern und manchmal sogar herzhaftes Lachen.

„Mon Mari et Moi“ liebt die sonderbaren Lieder, etwa im Stil eines weiteren Knef-Klassikers namens „Jene irritierte Auster“. Und sie schreiben gerne sonderbare Lieder. Zum Beispiel über das unfreiwillig mitgehörte und vertonte Telefonat einer fremden Dame im Zug, das Shakti so sehr faszinierte, weil es keinerlei Informationen in sich trug, dass sie prompt ein Lied um ebenso informationsleere Zeilen wie „Ach, wie war das noch?“ dichtete. Und auf die Frage „Ach, wie war das noch?“ lässt sich zumindest für diesen Abend eine klare Antwort formulieren: Schön war's! Lustig, angenehm und bezaubernd. Ein adrettes Duo, das man vom ersten Ton an irgendwie ins Herz schließt.

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