Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Künstler Stefan Budian: 4300 gemalte Schritte im Osten

Stefan Budian legt einige der 4300 Malschritte auf dem Boden, um sie als großes Puzzle an die Wand zu pinnen.
Stefan Budian legt einige der 4300 Malschritte auf dem Boden, um sie als großes Puzzle an die Wand zu pinnen.

Stefan Budian widmet sich im Projekt „Der Osten des Westens“ den mitteleuropäischen Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Moment für Moment – in 4300 Schritten.

Budians Blick gen Osten begann 2017. Er galt den Visegrád-Staaten innerhalb der Europäischen Union: Er besuchte Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn, um „etwas von den Menschen dort zu verstehen, um Gesichter Europas kennenzulernen, die mir bisher weniger vertraut waren“, sagt er. Was der Maler erlebte, zeigt er nun als „künstlerische Annäherung“. Das heißt: kein Bericht, keine Dokumentation, keine Erzählung, kein Roman. Oder doch?

Eine mögliche Antwort darauf ist zurzeit in der Ausstellung des Kunstvereins Kunstraum Westpfalz zu finden. Dort zeigt der 1965 in Kaiserslautern geborene und heute in Mainz lebende Künstler das Gemälde „Der Osten des Westens“, das seine fünfjährige Beschäftigung mit dem Thema widerspiegelt. Es ist unkonventionell, also nicht fertig gemalt auf Leinwand, eingerahmt und aufgehängt. Es zeigt den Entstehungsprozess. Moment für Moment ist als einzelnes Standbild fotografiert und transformiert in das Bilderlaufen eines Videos per Projektor. Zu sehen ist des Malers Gestik: Strich für Strich, Punkt für Punkt, Fläche für Fläche, insgesamt in 4300 Malschritten.

Schichtweise wird übermalt

Naturgemäß verschwinden einzelne Malschritte nach und nach durch schichtweises Übermalen – angeregt durch das Erlebte. Nichts fehlt: Natur- und Stadtlandschaften zu allen Jahreszeiten, mit und ohne Menschen und Tiere, dicht bevölkert oder endlos leer. Fast wie überall. Doch immer wieder funken Symbole wie Fahnen dazwischen. Sie signalisieren, wo dieses Flecken Erde anzusiedeln ist.

Das Kernstück der künstlerischen Annäherung bleibt aber das Gemälde „Der Osten des Westens“. Und doch sieht Budian das Kunstwerk an sich im Schaffensprozesses. Die 4300 Malschritte dokumentierte er per Kamera. Sie bebildern, Pflastersteine assoziierend, die Wände ringsum und erlauben es dem Besucher vor den Stationen zu verweilen.

Ansichten zum Innehalten

Tatsächlich verschiebt Budian damit die Bedeutung des ersten Bildes (schwarz-flächige Strich auf grauem Hintergrund) und des letzten. Es ist das Motiv einer blauen Welt, die für alles Leben einem Schoß der Geborgenheit zu sein scheint. Viele dieser Momente gemalter Dinge und Orte sind tatsächlich zum Anhalten schön. Sie berühren poetisches Empfinden, bewegen farbgelenkte Emotionen oder lassen atmen im Ostwind über Grenzen hinweg – oder wie Budian es formuliert: „Ich möchte jedem Augenblick einen Sinn geben.“

Info

Stefan Budian: „Der Osten des Westens“, Kaiserslautern, Pirmasenser Straße 6, bis 22. Juli . Geöffnet samstags 11 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung unter kunstraum-westpfalz.de. In der Langen Nacht der Kultur, 25. Juni, öffnet die Galerie ab 18 Uhr, dann inszeniert Budian das Projekt Malerei-Film als Schatzbild. Das Projekt wird im Internet als Teil eines Computerspiels zugänglich sein. www.stefanbudian.de

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